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14.09.2021

Uni Hamburg: Kanzlei-Allianz unterstützt Wiederausschreibung von Steuerrechtsprofessur

Das renommierte steuerrechtliche Institut der Universität Hamburg hat nach längerer Zeit wieder eine Steuerrechtsprofessur ausgeschrieben. Eine Allianz aus lokalen Steuerkanzleien unterstützt die Initiative, darunter Möhrle Happ Luther und Esche Schümann Commichau. Denn die Ausschreibung ist auch eine gute Nachricht für steuerliche Arbeitgeber in Norddeutschland, die zuletzt kaum noch qualifizierten Nachwuchs fanden. Ob die Bemühungen letztlich Erfolg haben werden, ist allerdings noch nicht ausgemacht.

Tobias Möhrle

Tobias Möhrle

Eigentlich nannte die Hansestadt viele Jahre eines der renommiertesten steuerrechtlichen Institute ihr Eigen: Als 1980 das „Interdisziplinäre Zentrum für Internationales Finanz- und Steuerwesen“ (IIFS) gegründet wurde, war es direkt dem Senat der Universität untergliedert und hatte somit die gleiche Stellung wie eine Fakultät. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwei Professuren im Steuerrecht, eine davon als Habilita­tionsstelle. Dazu kamen jeweils zwei Professuren in der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre und der Finanzwissenschaft mit spezifisch internationaler Ausrichtung.

In den vergangenen Jahren war das Institut jedoch immer weiter geschrumpft: Nach der Pensionierung von Prof. Dr. Gerrit Frotscher im Jahr 2008 und dem plötzlichen Tod des jungen Professors Arndt Schmehl 2015 entschied sich die Universitätsleitung, die Stellen nicht neu zu besetzen. Vielmehr wandelte sie 2018 die letzte Steuerprofessur zugunsten des Seerechts um. Zudem hat sich mittlerweile die Betriebswirtschaft aufgrund ihrer Spezialisierung auf betriebliche Altersvorsorge vom Institut abgespalten.

Im Januar 2020 verstarb dann völlig überraschend der renommierte Hamburger Steuerrechtsprofessor und langjährige PwC-Partner Dr. Jürgen Lüdicke. Er hatte insgesamt 21 Jahre lang in Hamburg gelehrt und sich zuletzt eine halbe Professur mit dem damaligen Juniorprofessor Dr. Lars Hummel geteilt. Nach Lüdickes Tod war das in Hochzeiten sechs Professuren zählende Institut an der Universität Hamburg dann nur noch durch Hummel besetzt, der eigentlich längst pensionierte Frotscher sprang zeitweise als Vertretung ein. 

Rettung ist in Sicht – vielleicht

Die Universität hat sich nun entschieden, die Steuerrechtsprofessur von Lüdicke wieder auszuschreiben. Ein Signal, das bei Steuerexperten an der Elbe Hoffnung weckt. In der Hansestadt formierte sich die ‚Ham­burger Steuerinitiative‘, die die Universität in ihren Bemühungen unterstützen möchte. Gleich mehrere örtliche Steuerkanzleien haben sich nach Informationen von JUVE Steuermarkt dieser Initiative angeschlossen.

Initiiert wurde das Projekt von den beiden Möhrle Happ Luther-Partnern Dr. Morten Dibbert und Dr. Tobias Möhrle sowie von Prof. Dr. Lars Hummel, dem einstigen Juniorprofessor für Öffentliches Recht, Steuer- und Finanzrecht, der allerdings heute in Potsdam lehrt. „Wir haben die Bemühungen um den Erhalt des Steuerrechts­instituts mitbekommen und aktiv dort angeklopft“, sagt Dibbert. Der Steuer­rechtler betont, dass es nahezu unmöglich sei, junge Juristen an den Steuerbereich heranzuführen, wenn sie nicht schon im Studium Kontakt damit aufgenommen haben. „Insofern ist es uns als einer der größten Steuerkanzleien in Hamburg ein Herzensanliegen, diesen Bereich zu unterstützen und zu fördern.“

Marc Holger Kotyrba

Marc Kotyrba

Auch die Hamburger Traditionskanzlei Esche Schümann Commichau unterstützt die Initiative, ebenso wie BRL Boege Rohde Luebbehuesen. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, eine steuerrechtliche Ausbildung hier vor Ort auch an der staatlichen Universität in Hamburg zu haben. Der Praxisbedarf an Steuerrechtlern steht nicht im Verhältnis zu der Anzahl, die an den Universitäten ausgebildet wird“, sagt BRL-Steuerrechtspartner Dr. Nils Meyer-Sandberg. Neben den großen mittelständischen, multidisziplinären Einheiten ist zudem die Private-Equity-Boutique Renzenbrink um Steuerpartner Marc Kotyrba mit an Bord. 

Ungewisser Ausgang

Die an der Initiative beteiligten Kanzleien sind bereit, Geld in die Hand zu nehmen beziehungsweise aus anderen Quellen zu generieren. Durch ihre finanzielle Förderung soll eine Reaktivierung des Steuerrechtszentrums stattfinden und im besten Falle der Fakultät ermöglicht werden, eine Juniorprofessur für Steuerrecht an der Uni Hamburg zu schaffen.

Ob die Bemühungen der Beraterschaft, der Industrie und der Juristinnen und Juristen an der Uni letztlich Erfolg haben werden, ist allerdings noch nicht ausgemacht. Dem Vernehmen nach steht zum jetzigen Zeitpunkt noch aus, welcher Bewerberin oder welchem Bewerber der Ruf zur neuen Professur an der Universität Hamburg erteilt wird. Und ob es überhaupt eine Steuerprofessur wird, ist auch ungewiss. Ebenso, ob eine Juniorprofessur finanzierbar ist. Denn die Universität hat hier einen gewissen Spielraum, die Mittel doch noch anders zu verwenden.

Erleichterung dürfte bei den Hamburger Steuerexperten daher erst eintreten, wenn die Tinte unter dem Vertrag tatsächlich trocken ist. (Esra Laubach, Annika Janßen)

Mehr dazu, wie weit das Engagement der Hamburger Steuerszene tatsächlich geht, und wieso eine Professur nicht nur für die Nachwuchsgewinnung, sondern auch für die Rechtsfortbildung wichtig ist, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Steuermarkt.

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