Über sechs Jahrzehnte zählte Raupach zu den prägenden Figuren der deutschen Steuerberatung. So verfasste er bereits als Referendar 1966 gemeinsam mit Albert J. Rädler das Standardwerk „Deutsche Steuern bei Auslandsbeziehungen“.
Vom Münchner Zwei-Mann-Büro zur Großkanzlei
1970 gründeten Rädler und Raupach in München die Sozietät Rädler Raupach & Partner, in der Raupach bis 1997 blieb. Die Kanzlei entwickelte sich durch mehrere Zusammenschlüsse zeitweise zur größten deutschen Wirtschaftskanzlei – nach der Fusion mit Boden Oppenhoff Rasor Raue 1994 unter dem Namen Oppenhoff und Rädler mit über 250 Berufsträgern. Über die spätere Firmierung als Linklaters Oppenhoff & Rädler ging aus dieser Linie das heutige Deutschlandgeschäft von Linklaters hervor. Damit begründete Raupach laut Marktbeobachtern eine der drei wichtigsten Schulen für deutsche Steuerrechtsberater neben Haarmann Hemmelrath und Flick Gocke Schaumburg.
1998 baute Raupach mit der Raupach & Wollert-Elmendorff Rechtsanwaltsgesellschaft eine eng mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche kooperierende Sozietät in München auf, deren Münchner Büro er leitete. Aus dieser Struktur wurde später Deloitte Legal.
Nach seinem Ausscheiden 2003 wechselte Raupach 2004 im Alter von 68 Jahren mit einem Kernteam zu McDermott Will & Emery, damals mit dem größten Steuerdepartment aller US-Anwaltsfirmen. Dort war er bis zuletzt als of Counsel tätig.
Wissenschaftler und Kommentator
Raupach war aber nicht nur Anwalt, sondern auch vielseitig wissenschaftlich aktiv. Wie es in einer Würdigung von Paul Kirchhof anlässlich seines 70. Geburtstags heißt, bot Gerhard Heuer dem jungen Anwalt 1969 die Mitarbeit an seinem Großkommentar zur Einkommen- und Körperschaftsteuer an. Seit 1974 betreute Raupach den Einkommensteuerteil; 1982 wurde sein Name in den Titel aufgenommen. Nach dem Tod von Carl Herrmann übernahm er die Gesamtverantwortung für das Werk, das seither als Herrmann/Heuer/Raupach firmiert.
Von 1981 an lehrte er Steuerrecht an der Universität München, seit 1987 als Honorarprofessor; von 1993 bis 2001 kam ein Lehrauftrag an der Universität Frankfurt am Main hinzu. Seit 1972 leitete er zudem die jährliche Tagung „Praxis des Internationalen Steuerrechts“ des Deutschen Anwaltsinstituts.
Seine wissenschaftliche Arbeit verband er stets mit praktischer Beratung. Als Anwalt verstand sich Raupach als „Spezialist für alles, was schwierig“ ist – belegt durch Verfahren wie den Streit um die gewerbesteuerliche Mehrmütterorganschaft, die „Quintett-Entscheidungen“ des Bundesfinanzhofs und die Prozesse um irische Finanzierungsgesellschaften. In seiner Würdigung zu Raupachs 80. Geburtstag in der Finanz-Rundschau hob Dr. Dirk Pohl dessen kompromisslosen Qualitätsanspruch und die Fähigkeit hervor, juristisches Handwerk mit Kreativität zu verbinden.
Engagement jenseits des Steuerrechts
Raupach war Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Steuerjuristischen Gesellschaft, von 2000 bis 2003 zudem Vorsitzender ihres wissenschaftlichen Beirats. Er gehörte dem Handelsrechtsausschuss des Deutschen Anwaltvereins an und war stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Fachanwälte für Steuerrecht.
Privat führte Raupach ab 1984 den Ederhof bei Haag in Oberbayern als ökologischen Betrieb und züchtete Friesenpferde. Zeitweise war er Präsident des deutschen Friesenzüchterverbands. Mit seiner Frau nahm er 1992 ein mehrfach behindertes Pflegekind auf. Für das Kinderzentrum München entwickelte er Organisationsstrukturen, die Gemeinnützigkeit und wirtschaftliche Effizienz verbanden.
Er hinterlässt seine Frau Almut, drei Kinder und mehrere Enkelkinder. Die Beerdigung findet im engsten Familienkreis statt.