FISG

Steuerberatung und Abschlussprüfung werden getrennt

Gestern hat der Bundestag das Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz verabschiedet. Damit reagierte das Parlament auf den Wirecard-Skandal und verschärft nicht nur die Regeln für die Wirtschaftsprüfung, sondern verbietet auch die gleichzeitige Prüfung und Steuerberatung von Unternehmen von öffentlichem Interesse. Dies hat Konsequenzen für viele Prüfungshäuser, die gleichzeitig auch auf die Steuerberatung setzen.

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Während andere Beratungsleistungen in den recht engen Grenzen von vorher möglich bleiben, kommt es bei der Steuerberatung zum Totalverbot. So ist die gleichzeitige Abschlussprüfung und Steuerberatung bei kapitalmarktorientierten Unternehmen sowie bei Banken und Versicherungen nicht mehr erlaubt. Das Verbot gilt in dieser Gruppe konzernweit, betrifft also Mutter-, Tochter- und Enkelgesellschaften gleichermaßen. Dasselbe gilt für Bewertungsleistungen.

Der Gesetzgeber will so „die aus Nichtprüfungsleistungen bei Unternehmen von öffentlichem Interesse erwachsenden Risiken für Interessenkonflikte vermindern und die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers stärken. Das vermeidet auch Auslegungsschwierigkeiten zu der Frage, wann Steuerberatungs- und Bewertungsleistungen sich auf den zu prüfenden Abschluss ‚unmittelbar und nicht nur unwesentlich auswirken‘“, heißt es in der Begründung des Gesetzesentwurfs.

Die Neuregelung dürfte erhebliche Auswirkungen auf die Praxis haben. Zwar gehört eine Trennung von Steuerberatung und Abschlussprüfung bei den ganz großen börsennotierten Unternehmen bereits zur modernen Unternehmensführung, doch bei mittelgroßen Gesellschaften ist es heute eher die Regel als die Ausnahme, dass Gesellschaften beide Leistungen gleichzeitig übernehmen.

Zudem könnte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. In der Politik gibt es Stimmen, die weiteren Handlungsbedarf sehen und für eine noch stärkere Trennung von Beratung und Prüfung plädieren.

Im Markt wird es nun zu einer Verschiebung von Leistungen kommen. Denn Prüfungs- und Beratungshäuser müssen sich entscheiden, ob sie bei einem Mandanten Abschlussprüfung oder Steuerberatung erbringen wollen. Wahrscheinlich wird es daher bereits in den kommenden Monaten zu Wechseln des bisherigen Stammsteuerberaters kommen, weil sich die Abschlussprüfung naturgemäß nicht von jetzt auf gleich beenden lässt. Kurzfristig dürften sich durch das FISG insbesondere für Häuser, in denen die Steuerberatung dominiert, Chancen eröffnen.

Abschlussprüfung im Fokus

Auch für Prüfungsleistungen selbst sieht das Gesetz zudem weitere Verschärfungen vor. So wird die interne Rotation des verantwortlichen Prüfungspartners bei der Prüfung von Unternehmen von öffentlichem Interesse auf fünf Jahre reduziert, für Kapitalmarktunternehmen wird fortan eine verpflichtende externe Prüferrotation nach zehn Jahren vorgeschrieben.

Darüber hinaus wird die zivilrechtliche Haftung der Abschlussprüfer gegenüber dem geprüften Unternehmen strikter. Die Haftungshöchstgrenzen bei der Prüfung kapitalmarktorientierter Unternehmen werden etwa um das Vierfache auf 16 Millionen Euro hochgesetzt. Bei grob fahrlässigem Verhalten gibt es überhaupt keine Höchstgrenze mehr. Der falsche Bilanzeid, also wenn fälschlicherweise behauptet wird, ein Abschluss vermittle ein zutreffendes Bild der Lage eines Unternehmens, kann zudem künftig mit bis zu fünf Jahren Gefängnis sanktioniert werden.

Der Wegfall von Haftungshöchstgrenzen ist aus Sicht des Next-Six-Prüfungshauses Mazars problematisch. „Diese Regeln werden die Prüfungsqualität nicht erhöhen“, meint Dr. Christoph Regierer, Managing Partner bei Mazars in Deutschland und Mitglied im Group Executive Board der Mazars Gruppe. „Sie benachteiligen außerdem mittelständische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften überproportional und setzen damit einen Marktaustrittsimpuls. So wird die ohnehin schon extreme Marktkonzentration weiter gefestigt. Das kann nicht im Sinne aller Beteiligten sein.“ (Jörn Poppelbaum)

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