M&A-Versicherungsstudie

Steuerschäden in Europa nehmen zu

Steuerrisiken aus M&A-Transaktionen führen immer häufiger zu Versicherungsschäden. Das stellt AIG, der größte Versicherer von Gewährleistungsversicherungen (Warranty & Indemnity-Versicherungen, W&I) in einer aktuellen Studie fest. Danach machen Steuerschäden in der Region EMEA mit 25 Prozent den Bärenanteil aller Konflikte im Rahmen von M&A-Deals aus.

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Steuerrisiken aus M&A-Transaktionen führen immer häufiger zu Versicherungsschäden. Das stellt AIG, der größte Versicherer von Gewährleistungsversicherungen (Warranty & Indemnity-Versicherungen, W&I) in einer aktuellen Studie fest. Danach machen Steuerschäden in der Region EMEA mit 25 Prozent den Bärenanteil aller Konflikte im Rahmen von M&A-Deals aus.

Froneberg_Dennis
Froneberg_Dennis

AIG hat für seine vierte Schadensstudie mehr als 2.900 mit dem Versicherer abgeschlossene W&I-Verträge aus den Jahren 2011 bis 2017 mit einem Gesamttransaktionsvolumen von mehr als einer Billionen US-Dollar analysiert.

Während weltweit die meisten Schäden weiter in der Verletzung von Garantien bezogen auf Jahresabschlüsse auftreten (19 Prozent) und Steuern mit 18 Prozent vor Compliance (15 Prozent) erst auf Platz 2 folgt, hat sich dies in EMEA anders entwickelt. Dies dürfte daran liegen, dass Steuerrisiken von W&I-Versicherungen in Europa erst seit wenigen Jahren mit abgedeckt werden und sich das Geschäft im Vergleich mit den USA noch in einer sprunghafteren Entwicklungsphase befindet.

So schätzt AIG den Anteil verkaufter Steuerversicherungen in Deutschland im gesamten W&I-Gefüge noch auf 10 bis 15 Prozent. Allerdings gehört der für AIG in Europa für das M&A-Geschäft zuständige Versicherungsmanager Dr. Dennis Froneberg zu den bekanntesten Verkäufern dieser Assekuranzen, die insbesondere bei großen Transaktionen immer selbstverständlicher werden, wie Steuerexperten einhellig berichten.

Dies spiegeln auch die AIG-Zahlen wider. Danach sei die Zahl der Schadensmeldungen unter allen Versicherungsverträgen mit weniger als 20 Prozent konstant geblieben, während bei den größten Transaktionen zwischen 500 Millionen und 1 Milliarde US-Dollar ein Anstieg von 21 auf 26 Prozent verzeichnet wurde. „Es zeigt sich, dass die Schadenshäufigkeit für große Transaktionen im Jahresvergleich noch immer weiter ansteigt. Hierdurch wird schnell deutlich, dass komplexe Deals in der Regel auch mehr unbekannte Risiken bergen“, so Froneberg.

Körperschaftsteuer verursacht die meisten Schäden

In der Schadensstudie 2019 werden Steuerschäden zudem genauer analysiert. Die mit einigem Abstand meisten Schäden beziehen sich auf Körperschaftsteuersachverhalte (34 Prozent), gefolgt von Lohnsteuer- (23 Prozent) und Umsatzsteuersachverhalten (17 Prozent).

Überraschend sei laut AIG, dass Schäden aus Verrechnungspreisen nur sechs Prozent der Schäden ausmachten. Dabei sei die Materie gerade angesichts ihrer Internationalität besonders risikobehaftet. „Das tatsächliche Risiko, das sich aus der Bildung von Steuerposten innerhalb von Konzernen ergibt, dürfte deutlich höher sein“, meint Rory O’Broin, der bei AIG die internationale Praxisgruppe für Steuern und Eventualverbindlichkeiten leitet. „Aber unsere Versicherungen schließen typischerweise reine Verrechungspreis-Risiken aus, so dass die Zahlen aus der Studie nur einen Teil der Geschichte erzählen.“

Dass dagegen die Körperschaftsteuer besonders schadensträchtig ist, liege dagegen auf der Hand. „Die Steuerbehörden schauen bei M&A-Transaktionen in jedem Land vor allem auf die Körperschaftsteuer“, so O’Broin. Insofern wirke sich auch die immer engere Zusammenarbeit der Steuerbehörden unterschiedlicher Länder deutlich aus. (Jörn Poppelbaum)

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