Hintergrund Analyse

JUVE-Ranking Steuerstrafrecht: Neuordnung einer Anwaltszene

Der Markt der Steuerstrafverteidiger befindet sich in einer Phase tiefgreifender Neuausrichtung: Etablierte Kanzleien verteidigen ihre Spitzenpositionen, jüngere Boutiquen kämpfen um Mandate – und die Strafverfolgungsbehörden zeigen mehr Aktivität denn je.

von Verena Clemens

Die Zeichen einer Neuordnung waren schon im Vorjahr erkennbar – inzwischen verdichten sie sich zur Gewissheit. Der Markt der Steuerstrafverteidiger sortiert sich spürbar um: Der Ton in der Community ist rauer geworden, Kanzleiwechsel häufen sich, und Verfahrenskomplexe wie Heraeus versammeln erstmals eine Vielzahl jüngerer Verteidiger und machen den Generationswechsel sichtbar.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das allmähliche Auslaufen der großen Verfahrenscluster. Cum-Ex und Diesel – jahrelang die zentralen Beschäftigungsmotoren der Szene – sind entweder weitgehend abgeschlossen oder verschwinden vorerst in den Schubladen. Nur wenige Kanzleien sind noch mit aktiven Cum-Ex-Mandaten befasst, die tatsächlich in Hauptverhandlungen münden, darunter Beukelmann Müller Partner und Schneider Schultehinrichs.

Für Kanzleigründungen, die ihr Geschäftsmodell im Wesentlichen auf Cum-Ex aufgebaut haben, wird es eng. „Wir erleben das erste Mal, dass Mandanten aktiv angegangen werden“, berichtet ein erfahrener Verteidiger – ein ungewöhnliches Phänomen in einer Branche, die Mandatsgewinnung traditionell diskret betreibt.

Das schreckt Gründungswillige nicht ab: Erfahrene Partner und ein Associate von Krause & Kollegen in Berlin haben sich zuletzt selbstständig gemacht. Dass dieses Wagnis gelingen kann, zeigt der frühere VBB-Partner Dr. Nikolaus Rixe: Nach Jahren relativer Zurückhaltung hat er sich mit der Arbeit für die Duisburger Verkehrsbetriebe eindrucksvoll zurückgemeldet und beschäftigt inzwischen drei Associates.

Klassische Tatbestände erleben eine Renaissance

Während die großen Sonderkonjunkturen abklingen, gewinnen klassische Felder des Steuerstrafrechts wieder an Bedeutung. Schwarzarbeit hat Konjunktur, Umsatzsteuerkarusselle bleiben ein Dauerbrenner, und die Verfahren rund um Gewerbesteueroasen nehmen Fahrt auf. Das Steuerstrafrecht insgesamt boomt – befeuert durch die Europäische Staatsanwaltschaft (EuStA) und eine steigende Zahl von Selbstanzeigen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit der Private-Equity-Szene, die auf eine baldige Klärung im Musterverfahren zur Betriebsstätte hofft. Mit dieser Thematik sind vor allem Münchner Steuerstrafrechtler befasst, darunter Kantenwein Spatscheck Widmayer van Bevern & Partner sowie Leisner Steckel Engler.

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