Aus den Gesprächen mit den führenden Umsatzsteuerteams ergibt sich in diesem Jahr ein konsistentes Bild: Grenzüberschreitende Warenlieferungen und Fragen rund um die Einfuhrumsatzsteuer bildeten erneut einen Schwerpunkt der täglichen Beratungsarbeit. Besonders gefragt waren Einheiten, die komplexe Supply-Chain-Strukturen durchdringen können und die zunehmend an der Schnittstelle zu Zoll und Verrechnungspreisen sattelfest sind.
Zudem haben jüngste EuGH-Entscheidungen zu Verrechnungspreisberichtigungen erheblichen Klärungsbedarf ausgelöst. Mandanten, die grenzüberschreitend tätig sind, stehen vor der Herausforderung, Umsatzsteuer- und Verrechnungspreisaspekte verstärkt im Blick zu behalten. Teams, die beide Felder aus einer Hand oder in enger Abstimmung bedienen, sind hier klar im Vorteil.
E-Rechnung: Handlungsdruck steigt
Ein wichtiges Thema bleibt die E-Rechnung. Seit über einem Jahr müssen Unternehmen im deutschen B2B-Geschäft elektronische Rechnungen empfangen können. Doch die eigentliche Zäsur steht erst bevor: Ab dem 1. Januar 2027 gilt für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 800.000 Euro die vollständige Pflicht zur Ausstellung und zum Versand elektronischer Rechnungen. Viele Unternehmen stecken noch in der Umstellungsphase: ERP-Systeme müssen angepasst, Prozesse neu gedacht, Schnittstellen neu definiert werden.
Die Beraterinnen und Berater agieren dabei längst nicht mehr nur als steuerrechtliche Ratgeber. Sie arbeiten häufig Schulter an Schulter mit den eigenen IT-Kolleginnen und -Kollegen oder Tax-Technology-Teams der Mandanten. Eng damit verknüpft sind die europäischen Initiativen rund um ‚VAT in the Digital Age‘ (ViDA) sowie die Digitalisierung von Compliance-Prozessen. Der Beratungsbedarf in diesem Bereich bleibt, er wird nicht nachlassen, wenn die nächste Übergangsfrist abläuft.
Klassiker des Tagesgeschäfts
Neben den Wachstumsfeldern prägen bewährte Dauerthemen die Beratung: Organschaft, Differenzbesteuerung, korrekter Vorsteuerabzug oder die umsatzsteuerliche Begleitung der öffentlichen Hand gehören nach wie vor zum Kerngeschäft vieler Teams. Spürbar zugenommen hat zudem die Beratungsnachfrage rund um Umsatzsteuerbefreiungen im Bildungsbereich – ein Feld, auf dem einige Kanzleien eine klare Marktposition aufgebaut haben.
Ein vergleichsweise junges Beratungsfeld gewinnt zudem an Kontur: Influencer und Content Creator suchen zunehmend Rat zu umsatzsteuerlichen Fragen – häufig mit internationalem Bezug oder im Zusammenhang mit Wegzugsgedanken. Einige Kanzleien haben sich hier als Anlaufstelle positioniert.
Deutlich gewachsen ist die Bedeutung der umsatzsteuerlichen Begleitung von M&A- und Carve-out-Transaktionen. Viele Teams haben ihr Know-how an der Schnittstelle zwischen steuerlicher Strukturierung und operativer Transaktionsumsetzung gezielt ausgebaut. Und sichern sich damit Mandate, die früher fast ausschließlich den klassischen Transaktionssteuerteams vorbehalten waren.
Personalaufbau als Bekenntnis zum Wachstum
Mehrere Umsatzsteuerteams wurden in den vergangenen Monaten gezielt verstärkt, hinzu kommen diverse Partner- und Direktorenernennungen. Personalaufbau in einem Markt, in dem qualifizierte Fachkräfte knapp sind. Ein klares strategisches Signal: Die Umsatzsteuerberatung gilt als Wachstumsfeld.
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