Auch der bayerische Steuermarkt mit München als Herzstück kommt nicht dran vorbei: Die Wirtschaftslage ist mau und das wirkt sich auf das Geschäft aus. Sei es, dass insolvenznahe Beratung wie von der MTG Wirtschaftskanzlei stark nachgefragt ist, sei es, dass Mandanten sich „krisenfest machen“, wie es ein Berater formuliert. Manche Berufskollegen beobachten wiederum, dass Mandanten gerade nur Geld für Beratungsleistungen ausgeben, die absolut notwendig sind. „TCMS im Mittelstand? Das ist gerade kein Thema“, hält ein Steuerberater fest.
Stichwort Notwendigkeit: ESG fällt mit Sicherheit bei mittelständischen Mandanten nicht mehr in die Kategorie. Viele Unternehmen und Beratungseinheiten hatten hier Kapazitäten aufgebaut, letztere oftmals ausgehend von der Wirtschaftsprüfung, aber mit steuerlichen Anknüpfungspunkten. Aufgrund der politischen Entwicklungen ist das passé.
Was hingegen sehr gut läuft und fast alle bayerischen Beratungseinheiten auf Trab hält, ist die Nachfolgeplanung bei mittelständischen Unternehmen und Unternehmerfamilien. Ob aus der laufenden Beratung oder als Projektmandat, die Nachfolgeplanung beschäftigt die Full-Service-Berater Intaria, Dr. Kittl & Partner und Pape & Co. genauso wie spezialisierte Einheiten wie Dissmann Orth und Kantenwein Spatscheck Widmayer van Bevern & Partner. Ein Ende der Konjunktur ist aufgrund der demografischen Entwicklung nicht in Sicht.
Ein weiteres, diesmal strukturelles Thema hat den Steuermarkt in Bayern erreicht und wird auch vorerst bleiben: Private Equity. Mit Afileon hat einer der First Mover unter Beteiligung der Partners Group seinen Hauptsitz in Oberhaching, bundeslandweit haben sich mehrere Kanzleien der Gruppe angeschlossen. Sie ist auf die Beratung mittelständischer Unternehmen ausgerichtet. Intaria verfolgt gemeinsam mit anderen internationalen Moore-Gesellschaften und dem Investor Waterland eine ähnliche, aber dennoch andere Strategie. Auch sie richten sich an den Mittelstand, dem sie aber explizit grenzüberschreitende Beratung anbieten.
München hat wiederum nicht nur die mitgliederstärkste Steuerberaterkammer Deutschlands, ihr Präsident Prof. Dr. Hartmut Schwab ist ein erklärter Gegner von Private Equity im Steuermarkt. Ein Stück weit ist der Süden der Republik also ein Brennglas für die aktuellen Themen im bundesweiten Steuermarkt.
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