Verkauf an Bestandsversicherer

Axa-Verträge gehen mit Allen & Overy an Athora

Der bermudische Bestandsversicherer Athora übernimmt für 610 Millionen Euro rund 900.000 Altverträge des französischen Versicherungskonzerns Axa. Die Lebens- und Rentenversicherungen gehörten einmal zum Portfolio der ehemaligen schweizerischen DBV-Winterthur.

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Rund 900.000 Versicherungsverträge wechseln von Axa zu Athora.
Heike Weber

Die verkauften Verträge entsprechen rund einem Fünftel des gesamten deutschen Axa-Bestandes an Lebens- und Rentenversicherungen. Bei dem Portfolio handelt es sich um Verträge der früheren DBV-Winterthur Leben (DWL), mit denen ein verwaltetes Vermögen von rund 19 Milliarden Euro verbunden ist. Das DWL-Portfolio gehört seit Übernahme der DBV-Winterthur 2006 zum Axa Konzern, ist aber seit knapp zehn Jahren für das Neugeschäft geschlossen. Der jetzige Verkauf an Athora steht unter dem Vorbehalt verschiedener Freigaben, darunter einer Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Ein Abschluss ist bis Ende 2023 vorgesehen.

Nach Abschluss der Transaktion wird Athora Deutschland voraussichtlich über verwaltete Kapitalanlagen von 24 Milliarden Euro und 1,1 Millionen Kunden verfügen. Damit werden sich die verwalteten Kapitalanlagen fast vervierfachen. Bisher verwaltet Athora Deutschland 4,8 Milliarden an Anlagen vor allem aus Beständen der ehemaligen Delta Lloyd Lebensversicherung, vormals Berlinische, und der Hamburger Lebensversicherung. Die Muttergesellschaft von Athora Deutschland hat ihren Sitz in Pembroke auf den Bermuda-Inseln. Athora ist ein sogenannter Bestandsversicherer, der sich darauf spezialisiert hat, bereits geschlossene Lebens- bzw. Rentenversicherungen aufzukaufen. Ein derartiger Versicherer schreibt kein neues Geschäft, sondern verwaltet nur noch existierendes Geschäft (sogenannte „Run-offs“).

Markus Ernst

Axa Deutschland zählt mit Beitragseinnahmen von 11 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2021 und 7,3 Millionen Kunden zu den größten Erstversicherern in Deutschland. Das größte Geschäftsfeld war 2021 mit einem Anteil von 38,1 Prozent des Beitragsaufkommens die Schaden- und Unfallversicherung, gefolgt von der privaten Krankenversicherung mit einem Anteil von 31,3 Prozent. Aus dem Vorsorgegeschäft (Lebens-, Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen und betriebliche Altersvorsorge) stammen bisher 29,6 Prozent der Beitragseinnahmen.

Berater Athora
Inhouse Steuern (Wiesbaden): Nico Gast (Head of Tax) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (London): Andy Smith (M&A/Corporate Legal Counsel)
Allen & Overy (Düsseldorf): Dr. Jan Schröder, Dr. Achim Schmid (beide Federführung; beide Versicherungsunternehmensrecht), Dr. Heike Weber (Steuerrecht; Frankfurt), Dr. Hans Diekmann, Dr. Astrid Krüger (München), Dr. Michael Weiß (Frankfurt; alle Corporate/M&A), Dr. Börries Ahrens (Kartellrecht; Hamburg), Peter Wehner (Arbeitsrecht/Pensions; Frankfurt), Dr. Jens Matthes (IP/IT), Dr. Sebastian Schulz (Arbeitsrecht; Frankfurt); Associates: Soeren Rathjens (Steuerrecht), Anna Kräling (IT), Dorothée Kupiek, Juliane Dieckmann-Keden (Corporate/M&A), Dr. Ioannis Thanos (Kartellrecht; beide Hamburg), Saber Baratzadeh (Versicherungsunternehmensrecht), Vida Malakooti-Dehkordy (Corporate/M&A), Dr. Sven Gunkel (Arbeitsrecht/Pensions; alle Frankfurt)
Morgan Lewis & Bockius (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
Deloitte (München): Dr. Stefan Berg (M&A Tax), Gerasimos Papadatos (Finance)

Berater Axa
Hengeler Mueller (Düsseldorf): Dr. Carl-Philipp Eberlein (Federführung; Versicherungsaufsichtsrecht), Dr. Markus Ernst (Steuern), Dr. Christian Möller (M&A), Dr. Daniel Illhardt (Corporate; beide München), Hendrik Bockenheimer (Arbeitsrecht; Frankfurt), Dr. Markus Röhrig (Kartellrecht; Brüssel), Patrick Wilkening (IP/IT); Associates: Jan Henry Adami, Dr. Sebastian Heinrichs (beide Frankfurt), Carina Kämpf, Dr. Verena Klosterkemper (beide München; alle Steuern), Benedikt Mertens, Philipp Braun, Jil Kalender (alle M&A), Dr. Marvin Geisler (M&A/Versicherungsaufsichtsrecht), Dr. Moritz Evertz (Corporate), Dr. Kim Weisser (IP/IT)
Inhouse Recht (Köln): Thomas Junge (General Counsel), Matthias Friedrich (Leiter Gesellschafts- und Aufsichtsrecht), Henrik Baars, Markus Herdina, Dr. Carsten Scheen (letzere drei Gesellschafts- und Aufsichtsrecht), Nadia Becker-Faresin (Leiterin Vorsorge und Vertriebsrecht), Daniela Stockhaus (Vertriebsrecht)

Notar
Dr. Marcus Kämpfer und Andrea Bergermann (Düsseldorf): Dr. Marcus Kämpfer

Hintergrund: Allen & Overy ist in Deutschland erstmals in einer Transaktion an der Seite von Athora zu sehen. Der Weg ins Mandat führte über einen Pitch. In anderen Bereichen war die Kanzlei bereits mehrfach für das Unternehmen tätig – auch international. Steuerlich übernahm auf Käuferseite die Frankfurter Partnerin von Allen & Overy, Dr. Heike Weber, die Federführung und die Zusammenstellung der Transaktionsdokumente. Aus der Kombination von Ausgliederung und Share Deal ergaben sich nach JUVE Steuermarkt-Informationen besonders umsatzsteuerliche und ertragssteuerliche Fragestellungen: Die Altverträge wurden zuerst in eine eigene Gesellschaft überführt, deren Anteile dann verkauft wurden. Die Tax Due Diligence übernahm käuferseitig Deloitte mit dem Münchner M&A-Tax-Partner Dr. Stefan Berg. Die Big-Four-Gesellschaft hat ebenfalls die Financial Due Diligence für Athora beigesteuert.

Der Versicherer Axa mandatiert Hengeler Mueller seit vielen Jahren, unter anderem aufsichts- und gesellschaftsrechtlich. Die steuerliche Strukturierung dieses Konstrukts übernahm das Hengeler Mueller Team um den der Münchner Steuerpartner Dr. Markus Ernst. Steuerlich war neben Hengeler Mueller soweit bekannt keine weitere Beratungsgesellschaft involviert.

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