Aktienrückauf

Noerr-Mandantin Rocket Internet will Elliott rauskaufen

Rocket Internet hat sich mit dem Großaktionär Elliott auf den Rückkauf eines großen Anteilspakets geeinigt. Mit 35 Euro je Aktie soll der Hedgefonds dafür fast doppelt so viel Geld bekommen, wie Rocket Internet im Zuge des Rückzugs von der Frankfurter Börse vor über einem Jahr an seine Anteilseigner gezahlt hatte. Insgesamt könnte die Vereinbarung Rocket Internet bis zu 950 Millionen Euro zusätzlich kosten.

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Hinter Rocket Internet stehen die Gründer und Brüder Marc und Oliver Samwer. Das Unternehmen, an dem die Samwer-Holding Global Founders gut 62 Prozent der Anteile hält, hatte im September 2020 überraschend seinen Rückzug von der Börse eingeleitet. Den Aktionären bot Rocket zunächst 18,57 Euro je Anteilsschein, hatte damit aber nur beschränkten Erfolg.

Foto: picture alliance/dpa/dpa-zb-Zentralbild | Paul Zinken

Im Gegenteil: Der Hedgefonds Elliott des Investors Paul Singer baute daraufhin bis Ende 2020 eine Beteiligung von 15 Prozent auf. Inzwischen hält er den letzten Angaben zufolge rund 21,86 Millionen Aktien, was einem Anteil von 20,22 Prozent entspricht.

Diese Anteile will Rocket Internet unbedingt haben, um den Aktionärskreis verkleinern zu können. Darüber wurde nun die kostspielige Vereinbarung getroffen, in der Elliott sich verpflichtet habe, alle seine Anteile Rocket anzudienen. Dazu soll der Mitgesellschafter Global Founders den Großteil seiner eigenen Andienungsrechte an Elliott übertragen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die 20,22 Prozent komplett an Rocket Internet gehen können. Denn das offizielle Andienungsverhältnis für Rockets Rückerwerbsangebot beträgt 4:1, das heißt jeder Aktionär kann zunächst nur eine von vier gehaltenen Aktien andienen. 

Sascha Leske

Aktienhandel ohne Börse

Für den Deal plant das Unternehmen ein allgemeines Angebot zum Aktienrückkauf. Alle noch bestehenden Aktionäre sollen der Einziehung der Aktien und der Herabsetzung des Grundkapitals auf einer außerordentlichen Online-Hauptversammlung Ende Januar zustimmen. Auch der Herabsetzung des Grundkapitals werde Elliott zustimmen, heißt es. Den Aktienrückkauf finanziere man mit Barmitteln und aus dem Bilanzgewinn, heißt es in der Einladung zur Hauptversammlung. Der deutlich höhere Erwerbspreis pro Aktie entspräche dem derzeitigen Wert des Unternehmens.

Derzeit werden die Rocket-Aktien noch im Freiverkehrshandel der Hanseatischen Wertpapierbörse Hamburg gehandelt. Das angekündigte Aktienrückkaufprogramm erfolgt jedoch außerhalb der Börse. Rocket Internet plant, für den Andienungsrechtehandel – soweit es rechtlich und technisch möglich sei – eine eigene Plattform einzurichten. 

Berater Rocket Internet 
Noerr: Dr. Sascha Leske (New York), Dr. Elmar Bindl; Associate: Marius Siemen (beide München; alle Steuerrecht) 
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar, Dr. Konstantin Technau; Associates: Wolfram von Frankenberg, Frederic Wünsche, Michael Haase (alle Corporate/Kapitalmarktrecht)
Inhouse Steuern (Berlin): Dr. Philipp Braband (Head of Tax)
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Inka Brunn (General Counsel) 

Berater Rocket Internet Aufsichtsrat
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt; Associate: Dr. Neda von Rimon (beide Corporate/Kapitalmarktrecht)  

Josef Broich

Berater Elliott
Broich (Frankfurt): Josef Broich, Wolfgang Sturm, Ferdinand von Rom; Associate: Jonas Kiehl, Alexander Herzog (alle Corporate/Konfliktlösung) 

Berater Global Founders Capital
Dr. Klaus-Dieter Stephan (Corporate; Frankfurt) 

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Noerr steht Rocket Internet schon langjährig zur Seite, auch in steuerlichen Themen. Client-Partner Leske ist als Rechtsanwalt und Steuerberater qualifiziert. Hier klärte er dem Vernehmen nach die steuerlichen Fragen der Beteiligten zusammen mit Steuerpartner Bindl, der 2019 von Linklaters zu der multidisziplinären Kanzlei Noerr wechselte.

Die Sullivan-Partner hatten Rocket Internet schon 2014 beim IPO unterstützt und seitdem im Wechsel mit Noerr die Hauptversammlungen mit vorbereitet.  Insofern lag es nahe, dass das Management die US-Kanzlei auch zur aktien- und übernahmerechtlichen Strukturierung der öffentlichen Offerten mandatierte und mit ihnen nun auch die virtuelle Hauptversammlung Ende Januar plant. 

Freshfields-Partner Seibt berät zusammen mit Principal Associate von Rimon den Aufsichtsrat zu der mehrteiligen Transaktion, die mit dem sogenannten Self-Tender Offer 2020 startete und zu der auch der außergewöhnliche Rechtehandel gehört.

Elliott setzte zur Aushandlung der Annahmevereinbarung auf Partner der Frankfurter Corporate-Boutique Broich, die das US-Investmenthaus schon langjährig beraten. Mit ihrer Hilfe hatte der Investor in der Vergangenheit beispielsweise auch Aktienpakete an Kabel Deutschland und Uniper veräußert.

Die Global Founders-Gruppe hat − so heißt es im Markt − wieder den ehemaligen Hengeler Mueller-Anwalt Stephan als unabhängigen Berater hinzugezogen, der seit einigen Jahren selbstständig in Frankfurt tätig ist. (Mit Material von dpa)

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