U-Boote statt Kreuzfahrtschiffe

Thyssenkrupp übernimmt mit Görg Wismarer MV Werft

Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) hat den Wismarer Standort der insolventen MV Werften übernommen. Anstatt wie früher Kreuzfahrtschiffe zu bauen, sollen dort nach dem Willen von TKMS nun Kriegsschiffe und vor allem U-Boote entstehen.

Teilen Sie unseren Beitrag
Die MV Werften in Wismar gehen in neue Hände.

Bisher seien in der MV Werft „luxuriöse Expeditions-Megayachten und die technologisch fortschrittlichsten Kreuzfahrtschiffe der Welt“ vom Stapel gelaufen, so die Wismarer Schiffsbauer. Käuferin Thyssenkrupp Marine Systems mit Sitz in Kiel hat indes andere Pläne: Sie baut und entwickelt U-Boote und Schiffe für militärische Einsätze.

Am neuen Standort könnten – nach einem entsprechenden Umbau – ab 2024 U-Boote gebaut werden, sofern eine Beauftragung durch den Bund erfolgt. Eine Hoffnung, die nicht ganz unbegründet ist: Denn das Anfang Juni vom Bundestag beschlossene Sondervermögen für die Ausstattung der Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro hält allein 8,8 Milliarden Euro parat, die unter anderem in den Bau von Fregatten, Korvetten, U-Booten und Mehrzweckkampfbooten gehen sollen. Zusammen mit anderen Etatmitteln kommt die Marine so nach Medienberichten auf 19,3 Milliarden Euro an zusätzlich verfügbaren Geldern. Ein ordentliches Budget, für das sich TKMS mit dem Zukauf der Werft in Wismar in Stellung bringen möchte.

Turbulente Zeiten durch Corona

Dabei haben die MV Werften turbulente Zeiten hinter sich. Die Unternehmensgruppe mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund gehörte bisher zum Hong Konger Zweig des malayischen Genting Konzerns. Der Mischkonzern hat neben den Schwerpunkten Plantagenwirtschaft, Energie und Biotechnologie vor allem seinen Fokus auf Tourismus, Glücksspiel und Kreuzfahrt. So betreibt der Konzern Hotelressorts auf den Bahamas und in Asien, aber auch Casinos in London und Ägypten. Neben Kreuzfahrtlinien wie Star-, Dream- und Cruistal-Cruises bildeten die MV Werften und die Lloyd Werft in Bremerhaven den maritimen Teil des Konzerns ab – bis Corona kam. Während 2019 nach Erhebungen von Cruise Market Watch weltweit noch 27,5 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt unternahmen, sank der Wert im Corona-Jahr 2020 auf lediglich 7,1 Millionen Passagiere. 2021 hat sich die Zahl wieder leicht erholt auf 13,9 Millionen.

Mit dem Einbruch bei den Buchungen sank auch der Bedarf an den Schiffen. Erst vor sieben Jahren hatte Genting die beiden deutschen Schiffsbauunternehmen MV Werften und Lloyd Werft erworben, um auf den damals noch wachsenden Bedarf an Kreuzfahrtschiffen zu reagieren. Der maritime Teil des Genting Konzerns, Genting Hong Kong, und damit auch die Lloyd Werft in Bremerhaven und die MV Werften mussten daher im Januar 2022 Insolvenz anmelden.

Björn Epler

Berater Thyssenkrupp Marine Systems
Görg (Hamburg): Dr. Thorsten Bieg, Dr. Karl-Friedrich Curtze (beide Federführung; M&A/Insolvenzrecht), Björn Epler (Steuern), Johannes Bitter-Suermann (M&A/Insolvenzrecht), Dr. Christoph Mönig, Dr. Sergio Binkowski (beide Immobilienrecht), Kersten Wagner-Cardenal, Dr. Henning Wendt (beide Öffentliches Recht), Burkhard Fabritius (Arbeitsrecht); Associates: Konstantin Horn (Immobilienrecht), Ceren Smajgert (Arbeitsrecht)

Insolvenzverwaltung MV Werften
Brinkmann & Partner (Hamburg): Dr. Christoph Morgen (Insolvenzverwalter), Dr. Tobias Brinkmann (Federführung; beide Insolvenzrecht), Hartmut Krangemann (Steuerrecht), Dr. Annika Schinkel (Insolvenzrecht), Daniel Arends (Finanzierung), Thomas Kühn (Berlin), Jan-Philipp Koslowski (Hannover; beide Arbeitsrecht); Associates: André Erckens, Maria Richter, Gvantsa Balanchivadze (alle Insolvenzrecht),

Berater Insolvenzverwalter
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus (Federführung), Ilja Schneider (beide M&A), Alexander Oberreit (Arbeitsrecht), Victor von dem Bussche (Insolvenzrecht), Andrea Ringle (IP/IT), Dr. Felix Baum, Dorthe Severitt, Dr. Verena Schepers (Berlin; alle Immobilienrecht); Associate: Melanie Strauß (Insolvenzrecht)

Hintergrund: Die Transaktionspraxis von Görg kommt nun bereits zum zweiten Mal bei einem deutschen Werftenkauf aus dem Bestand der Genting-Gruppe zum Zuge. Nachdem jüngst ein Bremer Görg-Team den Kauf der Loyd Werft in Bremerhaven käuferseitig für die Rönner-Zech-Gruppe begleitete, kam nun ein Team aus Hamburg für Thyssenkrupp Marine Systems zum Zuge. 

Für Insolvenzverwalter Morgen von Brinkmann & Partner sind die MV Werften nicht die erste Insolvenz im maritimen Sektor, die er verwaltet. So kam er beispielsweise auch 2018 als Verwalter der Hamburger Reederei Hansa Heavy Lift zum Einsatz. Für die M&A-Beratung zog Morgen erneut ein Team von BRL Boege Rohde Luebbehuesen hinzu. Gemeinsam mit BRL verkaufte Morgen bereits den Standort Stralsund der MV Werften, der für rund 16,5 Millionen Euro in den Bestand der Stadt wechselte. BRL wirkt zudem beim Verkauf der Lloyd Werft in Bremerhaven mit.

Die steuerliche Beratung lag auf der Käuferseite diesmal bei dem Görg-Steuerpartner Epler. Auf Seiten Brinkmanns hat die steuerliche Beratung Hartmut Krangemann übernommen. Krangemann hatte mit B&P auch bereits steuerlich den Verkauf des Stralsunder Werftgeländes und der Bremerhavener Lloyd Werft begleitet.

Artikel teilen