Automobilindustrie

Westron kauft mit Noerr den Karosseriespezialisten Allgaier

Der angeschlagene Karosserie- und Blechspezialist Allgaier hat seit Juli einen neuen Besitzer: die chinesische Westron. Verkäufer ist der ehemalige Präsident der der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt.

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Carsten Heinz

Insgesamt gehen 88,9 Prozent der Anteile der Familie Hundt an das Industrieunternehmen Westron. Allgaier sitzt im württembergischen Uhingen und beliefert seit 1906 die internationale Automobilindustrie. Zudem entwickeln die rund 1.700 Mitarbeitenden an zwölf Standorten Lösungen für die verfahrenstechnische Industrie. Seit 2019 verzeichnet das Unternehmen erhebliche Umsatzverluste. Die Übernahme ist Teil einer Restrukturierung, um die finanzielle Stabilisierung von Allgaier zu sichern. Darüber hinaus will sich Westron auch am operativen Geschäft beteiligen.

Westron ist in Shanghai ansässig. Die Industriegruppe investiert in Unternehmen im Auto- und Technologiesektor in China und Deutschland. Dabei setzt Westron in der Automobilindustrie den Fokus auf die Abgas- und Sicherheitstechnik sowie Fahrzeugelektronik. Westron bringt bei der Transaktion zusätzliches Eigenkapital in die Allgaier Werke ein.

Alexander Euchner

Der heute 83-jährige Hundt war von 1996 bis 2013 das Gesicht des Arbeitgeberverbandes BDA. Dabei tat er sich sowohl als Vorkämpfer für den Standort Deutschland als auch als Chinakenner mit guten Kontakten in das Reich der Mitte hervor. Der jetzige Verkauf hat wie viele aktuelle Veränderungen bei mittelständischen Familienunternehmen in Baden-Württemberg mit der Elektromobilitäts- und Klimawende zu tun: Allgaier ist traditionell auf die Blech- und Metallverarbeitung im Karosseriebau spezialisiert. Dafür stellten und entwickelten die Schwaben auch entsprechende Maschinen und Werkzeuge. Durch den zunehmenden Druck, energieeffizientere Fahrzeuge mit weniger Co2-Ausstoss herzustellen, veränderte sich aber der Fokus im Automobilbau hin zum Einsatz von Verbundsstoffen wie zum Beispiel carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK) und glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK).

Berater Westron Group
Noerr (Frankfurt): Dr. Till Kosche (Federführung; Corporate), Dr. Carsten Heinz (Steuerrecht; Berlin), Carmen Böhn, Dr. Andrea Zwarg, Dr. Uwe Brendler (Dresden; alle Corporate), Sebastian Bock, Dr. Alexander Schilling (beide Finanzierung), Dr. Fabian Badtke (Kartellrecht), Dr. Bärbel Sachs (Berlin), Dr. Claus Zimmermann (Brüssel; beide Öffentliches Recht), Marlies Raschke (Restrukturierung; Dresden); Associates: Dr. Thomas Bücheler (Steuerrecht; München), Dr. Thorsten Becker, Evelin Moini (beide Corporate), Dr. Johannes Allmendinger (Arbeitsrecht), Pinar Turkac-Christmann (Finanzierung), Valentin Schmidt (München), Sarah Bettio (beide Gewerblicher Rechtsschutz), Alexander Sanck Batis (IP; beide Alicante), Markus Brösamle (Kartellrecht; Berlin).

Berater Allgaier Werke
Ebner Stolz Mönning Bachem (Stuttgart): Alexander Euchner (M&A Tax), Christian Fuchs, Annette Lang, Endre Lazar (alle Finance); Associates: Bettina Weyh, Tim Ladewig, Sven Blum (alle Tax), Jan-Niklas Herden, Sarah Holst (beide Finance)
CMS Hasche Sigle (Stuttgart): Dr. Kai Wallisch (Federführung), Dr. Tobias Grau (beide Corporate), Dr. Rolf Hempel (Kartellrecht), Dr. Alexandra Schluck-Amend (Restrukturierung); Associates: Militsa Petrova, Simon Christopher Kirchner (beide Corporate)
CMS China (Schanghai): Dr. Ulrike Glück, Stephen Wu (beide Corporate)
Shearman & Sterling (München): Winfried Carli; Associate: Nils Holzgrefe (beide Finanzierung)

Notar
Greenfort (Frankfurt): Dr. Carsten Angersbach

Hintergrund: Die Stuttgarter Mittelstandsberater von Ebner Stolz pflegen seit Langem eine gute Beziehnungen zum schwäbischen Unternehmen Allgaier und seiner Geschäftsführung. Ebner Stolz hat den Karosseriebauer im Rahmen der Investorensuche beraten und dazu eine Financial Due Diligence sowie durch Steuerpartner Alexander Euchner auch eine Tax Due Diligence beigesteuert. Euchner und sein Team haben ebenfalls die steuerliche Strukturierung des Deals mit Westron vorgenommen.

Auf der Käuferseite beriet steuerlich Noerr-Partner Dr. Carsten Heinz den chinesischen Investor. Die Rechtsanwaltskanzlei Noerr pflegt seit Längerem einen intensiven Austausch mit chinesischen Unternehmen, die in Deutschland in die sogenannten „hidden champions“ investieren wollen; also mittelständische Unternehmen aus den Reihen der Zuliefererindustrie oder OEM-Fertiger. So ist der federführende Noerr-Partner der Transaktion, Dr. Till Kosche, auch Teil dies Frankfurter Chinadesks von Noerr. Kosches Vorgänger in dieser Funktion, Hui Zhao, wechselte 2017 in Frankfurt zur Wettbewerberin King & Wood Mallesons. Aktuell umfasst der Chinadesk von Noerr drei Partner: Kosche, den Leiter des Londoner Büros Dr. Florian Becker sowie als Co-Head den Counsel Dr. Yifan Zhu in Frankfurt.

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