JUVE Steuermarkt: Zum Oktober ist die Hamburger Zollkanzlei Peterka Teil von Grant Thornton in Deutschland geworden. Damit ist Grant Thornton in die Zollberatung eingestiegen. Wie möchten Sie den Beratungsbereich integrieren?
Stefanie Nattkämper-Scholz: Die Integration ist für uns fließend, da wir mit Thomas Peterka schon lange zusammenarbeiten – ebenso mit seinen beiden Kollegen Stefan Ulrich und Andreas Clouth, die nun ebenso wie Thomas als Partner bei uns eingestiegen sind. Ein ausgeweitetes Leistungsangebot unter einem Dach ermöglicht eine umfassende Beratung unserer Mandanten und bietet Synergien. Die Integration ergibt einfach Sinn.
Welche Schnittstellen sehen Sie zu Ihren anderen Beratungsbereichen?
Eine große Schnittstelle besteht zur Umsatzsteuer mit Ulrike Slotty-Harms als Leiterin des Bereichs. Bei Umsatzsteuerfragen und grenzüberschreitenden Tätigkeiten mit Drittlandsbezug wird Zoll relevant. Weitere Andockpunkte sind unsere Service Lines International Tax und Verrechnungspreise. Wir haben hier bereits in der Vergangenheit eng zusammengearbeitet; dies können wir jetzt intensivieren und damit noch bessere Leistungen für unsere Mandanten anbieten. Wir sitzen alle als Grant Thornton-Kolleginnen und -Kollegen in Düsseldorf bzw. in Hamburg auf einem Flur, das erleichtert den Austausch und die Abstimmung.
Gibt es Branchenbesonderheiten?
Das Thema Zoll ist bei vielen unserer Mandanten – unabhängig von der Branche – präsent. Ergänzend zu den Zollthemen ist die Beratung in den Bereichen Verbrauchsteuern sowie Strom- und Energiesteuer sowie bei den Legal-Kolleginnen und -Kollegen zum Energie- und Außenwirtschaftsrecht hervorzuheben. Im Handel und bei Konsumgütern beraten wir z.B. zur Alkoholsteuer.
Wie kam es, dass Grant Thornton gerade jetzt in die Zollberatung eingestiegen ist? Und was bedeutet der Schritt?
Kontinuierliches Wachstum und der Ausbau unseres Leistungsportfolios sind Teil unserer Strategie. Das gilt für Grant Thornton in Deutschland und natürlich auch für den Geschäftsbereich Tax. Wir beobachten den Markt, die Entwicklungen und die Kundenbedürfnisse und leiten daraus die nächsten Schritte ab. Zum Thema engere Vernetzung mit den Zollthemen haben Thomas Peterka und ich schon länger gesprochen. Den letzten Ausschlag gab, das ist sicher keine Überraschung, die geopolitische Lage. Der Schritt ist für uns ein echter Gamechanger. Unsere Zielgruppe ist und bleibt der gehobene internationale Mittelstand. Ungeachtet dessen beraten wir auch global agierende Großkonzerne, für die ein umfassendes Beratungsspektrum unerlässlich ist. Da gehört eine Beratung zu Zoll, Außenwirtschaftsrecht und Verbrauchsteuern sowie Energie einfach dazu.
Soll das Zollteam künftig weiter ausgebaut werden?
Auf jeden Fall. Im Moment haben wir allein für diesen Bereich fünf Mitarbeitende und zusätzlich Freelancer. Das Ziel ist, das Team weiter auszubauen. Zum November ist ein erfahrener Senior Manager eingestiegen, zum Januar kommt eine weitere Senior Managerin, beide aus der Industrie.
Gibt es eine Zielmarke, bei der Sie personell landen wollen?
Wir wollen die Personalstärke der Umsatzsteuerberatung ein Stück weit beim Zoll spiegeln. Die Umsatzsteuerberatung wächst beim Personal und Umsatz seit mehreren Jahren deutlich zweistellig, sodass dies auch ein Ziel für die neuen Kollegen ist.
Welche anderen Beratungsbereiche wollen Sie verstärken?
Für uns ist geografisch gesehen die deutschlandweite Abdeckung zentral. Wir haben traditionell starke Standorte in Düsseldorf und Berlin, wollen nun aber auch in den Regionen um München, Stuttgart, Nürnberg, Frankfurt und Hamburg noch stärker werden. Inhaltlich sind wir mit unserem Portfolio optimal aufgestellt. Da geht es nun um den Ausbau und die Fokussierung auf weitere Sub-Spezialisierungen. Nehmen wir zum Beispiel Financial Services, wo wir mit Marcus Helios bereits eine sehr starke Marktposition haben. Hier rücken Asset Management und Versicherungen stärker in den Fokus.
In der finanzsteuerlichen Beratung gab es einige Partnerzugänge: Unter anderem kam Jens Binding im vergangenen Jahr von Eversheds Sutherland, kürzlich Dieter Kühnel von Inhouse. Wofür steht Dieter Kühnel?
Ja, seit Oktober ist Dieter Kühnel in Frankfurt Partner. Er ist spezialisiert auf das gerade angesprochene Thema Asset Management. Wir investieren stark in den entsprechenden Teamaufbau.
Wie sieht es mit anderen Service Lines aus?
Wir sind in den wesentlichen Service Lines gewachsen. Wir haben regelmäßig Zugänge, etwa bei Verrechnungspreisen, M&A Tax, Lohnsteuer oder Konzernsteuern. Größe ist entscheidend, um bei global agierenden Konzernen mit ausreichender Teamstärke und Expertise zu überzeugen.
Welche Regionen stehen in nächster Zeit im Fokus?
Der Süden, insbesondere Stuttgart, wo wir mit einem modernen neuen Büro die Grundlagen gelegt haben. Frankfurt entwickelt sich sehr gut, unter anderem unser Tax-Technology-Team. Aber auch im Norden, in Hamburg, sehen wir Wachstumspotenzial. Insgesamt ist die regionale Präsenz eng mit unseren fachlichen Schwerpunkten verknüpft.
In Düsseldorf sind einige konzernsteuerliche Berater gegangen. Ist dort Verstärkung geplant?
Durch zahlreiche strategische Neuzugänge sind wir in Düsseldorf inzwischen sogar stärker aufgestellt als vorher. Corporate Tax ist für uns ein klares Wachstumsfeld. Mit dem Gewinn von Daniel Blöchle und Axel Wagner haben wir wichtige Verstärkung von WTS gewonnen, ebenso mit Sebastian Bongartz von KPMG. Alexander Göbel wurde Anfang Oktober zum Partner befördert – wir sind personell und umsatzseitig stärker aufgestellt als zuvor.
Stichwort Umsatz: Ende September war Ende des Geschäftsjahres bei Grant Thornton in Deutschland. Wie hat sich der Umsatz entwickelt?
Wir geben noch keine Zahlen heraus, der Jahresabschluss liegt beim Wirtschaftsprüfer. Aber ich kann sagen: Wir sind weiter gewachsen. Auch für das laufende Jahr rechnen wir mit ordentlichen Wachstumsraten, sind aber noch im Planungsprozess.
Traditionell steht Grant Thornton in Deutschland vor allem für die Beratung von mittelständischen Familienunternehmen. Nun richten Sie das Augenmerk zunehmend auch auf Dax-Konzerne. Führt das zu internen Konflikten?
Ganz im Gegenteil. Eine klare Strategie hilft. Wir kommen aus der Tradition eines Familienunternehmens und begleiten Familien- sowie mittelständische Unternehmen. Dieser Kultur bleiben wir treu. Wir sind offen, persönlich und nahbar, sowohl intern als auch bei großen Mandanten. Viele unserer Mandate sind familiengeführt, aber international tätig oder komplex strukturiert – das ist unsere Zielgruppe. Der Übergang zu Großkonzernen ist da fließend.
Wie sichern Sie bei all den Veränderungen die interne Kultur?
Durch Transparenz, Respekt, kurze Wege und direkte Partnerzuordnungen. Jede und jeder Mitarbeitende weiß, an wen sie oder er sich wenden kann, wer zuständig ist. Wir haben keine Poolstruktur. Das sorgt für Zugehörigkeit, fördert Vertrauen und ermöglicht Richtung Kunden persönliche Beratung auf höchster Qualität – das ist und bleibt unser Anspruch.