Drei Fragen am Rande

Nachträgliches Wundern, Unplanbares und Herzklopfen beim Öffnen einer Mail

Dr. Astrid Eiling (39) ist Partnerin bei LMPS in Düsseldorf. Die Fachanwältin für Steuerrecht war 2020 Mitgründerin der Steuerboutique Lüdicke & Kollegen, die seit 2025 als LMPS firmiert. Ihre Beratungsschwerpunkte liegen auf Familienunternehmen, Unternehmens-Governance, Stiftungs- und Erbrecht sowie M&A-Prozessen. Eiling ist zudem Herausgeberin eines Grunderwerbsteuer-Kommentars und Lehrbeauftragte für internationales Steuerrecht.

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Gibt es eine Person oder ein Ereignis, das Ihren beruflichen Werdegang besonders geprägt hat?
Für mich waren es der Schritt in die Selbstständigkeit und die Fusion zur heutigen Kanzlei LMPS. Der Schritt in die Selbstständigkeit aus der Großkanzlei im Jahr 2020 mit einem Tax-Team und die Fusion im Jahr 2025 zu einer breiter aufgestellten Einheit (Corporate/M&A/Tax) hatten beide wohl den größten Einfluss darauf, was ich heute berate, aber auch darauf, wie ich berate und wie ich selbst meine Beraterrolle verstehe. Aus heutiger Sicht bin ich manchmal selbst überrascht, wie früh in der Karriere ich mir diesen Schritt zugetraut habe und wie konsequent ich die Rollenveränderung angegangen bin. Genauso wundert man sich aber natürlich auch über die eigene Naivität und darüber, welche ‚Anfängerfehler‘ man nicht erkannt hat. Daneben kamen die unplanbaren Rahmenumstände – mit der Kanzleieröffnung starteten die Corona-Lockdowns. Auch wenn ich als Associate immer für die neudeutsch sogenannte Ownership bei Mandaten gelobt wurde, macht es einen großen Unterschied, wenn sich der Status hin zum Partner verändert und gleichzeitig auch das gefühlte Netz der Großkanzlei wegfällt. Bei mir hat das jedenfalls auch meine Erwartung an mich selbst und meine Arbeit nochmals verändert. Mir hat dabei der Austausch mit anderen Partnern und Gründern geholfen – hieraus ergaben sich letztendlich (auch) gemeinsame Mandate, strategische Partnerschaften und sogar die Kanzleifusion zur heutigen Einheit LMPS. Einen Geschäftsbereich in ein Gesamtsystem integrieren zu müssen, schafft allerdings auch wieder neue Herausforderungen: organisatorisch, aber auch inhaltlich in der Beratung. Wenn auch das eigene Team bei solchen Veränderungen mitzieht, Spaß an Neuem hat und mich manchmal auch in Herausforderungen schubst, macht das Arbeiten schon wirklich Freude.

Was ist das Spannendste oder Denkwürdigste, das Ihnen bisher in Ihrem Berufsalltag passiert ist?
Der spannendste Moment meiner Berufslaufbahn war tatsächlich das Öffnen der E-Mail des BVerfG mit dem Urteil zur Kernbrennstoffsteuer. Erst in diesem Moment wurde die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Tragweite eines Themas, das mich über mehrere Jahre meines (juristischen) Lebens begleitet hat, wirklich greifbar. Ich habe zu den Grenzen des Verbrauchsteuerbegriffs promoviert, den sehr wissenschaftlichen Austausch mit meinem Doktorvater hierzu erlebt und dann ab dem Referendariat die Verfahren bei Freshfields gegen die Kernbrennstoffsteuer unterstützen dürfen – von Schriftsätzen über die hektische Phase vor der Urteilsverkündung zur Information von Organen und Aktionären bis hin zum Eingang der E-Mail auf meinem Handy. Das war inhaltlich wahnsinnig spannend und komplex und schon insoweit eine Ausnahmeerfahrung. Am Ende bleibt für die Mandanten aber natürlich in erster Linie das Ergebnis relevant. Für mich persönlich wurde nicht nur ein Gesetz für nichtig erklärt, sondern meine juristische Arbeit hatte tatsächlich ein sehr zentrales Bundesverfassungsgerichtsverfahren beeinflusst. Zur Abrundung wurde meine Promotionsschrift sogar vom Senat zitiert.

Glauben Sie, dass bestimmte Aufgaben in Ihrem Bereich bald von KI übernommen werden könnten?
Auf jeden Fall! Selbst wenn die steuerliche Strukturberatung und auch der Tax-Litigation-Bereich sicherlich nicht besonders leicht durch KI grundlegend reformiert werden können, werden wir eine Verschiebung sehen, die über reine Umsetzungserleichterungen hinausgeht – noch ist nach meiner Wahrnehmung die KI hier aber häufig zu schwach. An vielen Stellen werden meiner Erwartung nach in der Zukunft auch die ersten Strukturierungsüberlegungen des Beraters durch einen ersten Vorschlag der KI ersetzt, der dann durch den Berater überprüft, optimiert und weiterentwickelt wird. Diese intellektuell herausfordernde Arbeit ist auch heute schon der eigentliche Reiz des Berufs. Der Berater wird überdies vor allem gefragt sein, die Dinge herauszuarbeiten, die die KI kaum erkennen kann, und strategische Entscheidungen sowie Risikoabwägungen zu treffen. Wer heute glaubt, dass die KI damit fast alles übernimmt, irrt in meinen Augen. Gerade herauszufinden, was Mandanten (über das Gesagte) wirklich wollen und welche außersteuerlichen und außerrechtlichen Themen mitbedacht und gelöst werden müssen, macht zum Beispiel auch heute im Private-Client-Bereich schon einen erheblichen Teil der Beratungsleistung aus.

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