Hatten Sie jemals Zweifel an Ihrer beruflichen Richtung?
Ehrlich gesagt: Ich habe an meiner beruflichen Richtung tatsächlich nie ernsthaft gezweifelt. Vielleicht mag es seltsam klingen, aber ein glücklicher Zufall hat mich früh auf den richtigen Pfad gebracht. Noch bevor ich Jura studierte, schloss ich eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten ab. Diese Entscheidung stellte sich als wegweisend heraus: Schon während des Jurastudiums legte ich daher den Schwerpunkt auf das Steuerrecht. Aufgrund meiner Ausbildung war ich während des Studiums in Nebentätigkeit in einem Steuerberatungsbüro tätig. Meine Wahlstation im Referendariat verbrachte ich bei einer der Big-Four- (damals noch Big-Five-) Beratungsgesellschaften. Darüber hinaus absolvierte ich während dieser Zeit den theoretischen Teil für die Ausbildung zur Fachanwältin für Steuerrecht. Durch die Wahlstation bekam ich die Möglichkeit zum Berufseinstieg bei der besagten Big-Four-/Five-Gesellschaft. Nach Absolvierung des Steuerberaterexamens habe ich mich auf die Umsatzsteuerberatung spezialisiert – ein Gebiet, das mich bis heute begeistert! Dieser klare Weg führte mich schließlich in die Partnerposition, u. a. bei einer der Big-Four-Gesellschaften und seit 2014 bei Forvis Mazars. Rückblickend erfüllt mich das mit großer Zufriedenheit: Jeder Schritt hat mir gezeigt, dass das Steuerrecht genau mein Metier ist. Denjenigen, die der Ansicht sind, Steuerrecht sei so wahnsinnig trocken, halte ich entgegen, dass es bei jedem zu beurteilenden Sachverhalt „menschelt“. Menschen treffen Entscheidungen, und sie nehmen unterschiedliche Perspektiven ein. Zweifel an meiner beruflichen Richtung sind daher nie aufgekommen.
Was halten Sie von der Arbeit im Homeoffice – ist sie mehr Segen oder Fluch?
Weder noch, denn letztlich kommt es auf die richtige Balance an. Aus meiner Sicht bietet das Arbeiten von zu Hause große Vorteile: weniger Pendeln, flexible Zeiteinteilung und oft mehr Ruhe für konzentriertes Arbeiten. Zugleich sehe ich als Führungskraft, dass der persönliche Austausch im Team unverzichtbar bleibt. Gerade in der Beratung entstehen kreative Ideen häufig im direkten Miteinander, und junge Kolleginnen und Kollegen profitieren vom kurzen Zuruf im Büro. Gleichzeitig eröffnet mobiles Arbeiten neue Möglichkeiten: Meine eigene Erfahrung (nicht nur aus der Pandemie) hat gezeigt, dass man mit digitaler Zusammenarbeit vieles reibungslos meistern kann.
Unser deutschlandweit aufgestelltes Indirect-Tax-Team arbeitet überwiegend remote. Dieses Modell ermöglicht es uns, auch Mitarbeitende an Bord zu bekommen bzw. zu halten, die an Standorten leben, von wo aus das Pendeln eher schwierig ist. Unser Team trifft sich regelmäßig virtuell, und auch das Onboarding jüngerer Kolleginnen und Kollegen funktioniert bisher reibungslos. Darüber hinaus entscheiden die Teams lokal selbst, wann und wie häufig sie sich im Büro treffen möchten. Mit dieser Flexibilität geht ein hohes Maß an Vertrauen in die Menschen einher, die bei uns arbeiten. Doch auch in den eigenen vier Wänden sind Selbstdisziplin und klare Grenzen wichtig, damit Berufliches und Privates im Lot bleiben. Für mich liegt der Schlüssel in der Mischung aus Präsenz und Homeoffice – so nutzen wir das Beste aus beiden Welten.
Was war der größte technologische Wandel, den Sie in Ihrer Karriere erlebt haben?
Für mich besteht der größte technologische Wandel meiner Karriere in der umfassenden Digitalisierung und Automatisierung unserer täglichen Arbeit. Als ich anfing, basierten viele Abläufe noch auf papiergebundenen Prozessen, und manche Arbeitsschritte erforderten viel manuelle Zeit. Heute ist nahezu alles digitalisiert: von der elektronischen Aktenführung bis zu komplexen Datenanalysen mit spezialisierter Software. Wo früher Aktenordner gewälzt wurden, können wir jetzt per Mausklick umfangreiche Unternehmensdaten auswerten und Steuerfälle viel effizienter lösen. Auch die Zusammenarbeit im Team und mit Mandanten hat sich durch moderne Technologien erheblich verändert: Virtuelle Besprechungen, gemeinsame digitale Plattformen und automatisierte Workflows ermöglichen eine engere und schnellere Abstimmung über Standorte hinweg. Aufwendige Reisetätigkeiten können so vermieden werden. Damit einher geht allerdings die zunehmende Geschwindigkeit der Beratungstätigkeit. Umfangreiche Unterlagen sind mit einem Mausklick beim Beratungsunternehmen und/oder Mandanten und erfordern zeitnahe Bearbeitung.
Sehr spannend ist die Entwicklung der KI, die mit rasender Geschwindigkeit Eingang in unseren Arbeitsalltag gefunden hat und diesen perspektivisch sehr umkrempeln wird. Da KI nicht fehlerfrei ist (Stichwort: Halluzinationen), beschäftigt uns die Frage, wie wir unsere jüngeren Teammitglieder so trainieren können, dass auch sie in der Lage sind, fachlich kritische Fragen stellen zu können und Fehler der KI zu entschlüsseln.
Im Ergebnis hat dieser digitale Fortschritt unsere Beratungspraxis tiefgreifend verändert und uns erlaubt, uns noch stärker auf die wirklich komplexen und menschlichen Aspekte der Steuerberatung zu konzentrieren.