Was begeistert Sie an Ihrem Job, das Sie zu Beginn Ihrer Laufbahn nicht erwartet hätten?
Da ich mich nun seit mittlerweile fast drei Jahrzehnten mit der steuerlichen Beratung von Unternehmenstransaktionen beschäftige, habe ich Einblick in hunderte von Unternehmen, deren Genese und die Unternehmerpersönlichkeiten dahinter bekommen. Zu sehen, mit welchem Können und Mut aus kleinen Einheiten größere und sogar Weltmarktführer werden können, fasziniert mich bis heute. Und ohne den Kern eines Unternehmens zu verstehen, kann ich dessen steuerliche Situation nicht beurteilen. Dass Steuerberatung keinesfalls hauptsächlich das Wälzen vieler Bücher und Fachliteratur bedeutet, hatte ich als Student so nicht erwartet. Die Schnittmenge von Recht und BWL ist äußerst faszinierend und weit mehr als die Summe zweier Fachbereiche. Dazu kommt, dass es das Gegenteil eines Einzelkämpferberufes ist. Die enorme Komplexität erfordert und ermöglicht es, Teil eines hochqualifizierten Teams aus vielen Fachbereichen und Nationen zu sein und Erfolge gemeinsam zu feiern!
Glauben Sie, dass bestimmte Aufgaben in Ihrem Bereich bald von KI übernommen werden könnten?
Absolut, und das ist ja bereits der Fall. Ich hatte Informatik als Abiturprüfungsfach und künstliche Intelligenz war für mich seitdem nie etwas wirklich Neues. Immerhin wird sie seit 70 Jahren erforscht. Erst jetzt sind wir allerdings so weit, dass wir mit den Modellen auch im Steuerbereich wirklich arbeiten können – endlich. Noch ist nicht alles Gold, was glänzt, aber wir nutzen die bestehenden Möglichkeiten bereits intensiv. Und ich freue mich auf das, was noch kommt.
Gibt es eine besondere Reise, die Ihr Leben beeinflusst hat?
Als Student war ich ein Semester Praktikant in der Steuerabteilung bei Volkswagen USA. Dort bin ich an den Wochenenden viel unterwegs gewesen, u. a. in New Orleans. Die Stimmung in der Stadt, insbesondere im French Quarter, und die Natur drumherum haben mich so fasziniert, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, im Büro anzurufen und mitzuteilen, dass ich in New Orleans bleibe, aufhöre zu studieren und in Zukunft als Swamp-Tour-Guide arbeite. Nach intensivem Nachdenken habe ich festgestellt, dass Steuerberatung eigentlich recht ähnlich ist, wenn auch natürlich nur im übertragenen Sinne, und bin dann stattdessen lieber später als Tourist wiedergekommen.