Drei Fragen am Rande

Kritische Agenten, sinnvolle Lösungen und der Reiz des größeren Bildes

Dr. Sebastian Heß (49) ist Fachanwalt für Steuerrecht, Steuerberater und Rechtsanwalt bei Bansbach. Er leitet den Standort Baden-Baden und berät vor allem mittelständische, häufig inhaber- und familiengeführte Unternehmen in Fragen der Steuergestaltung, Unternehmensnachfolge und Umstrukturierung. Er ist seit fast 11 Jahren für Bansbach tätig und wurde Anfang 2026 in den Gesellschafterkreis aufgenommen.

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Wie lautete Ihre letzte ChatGPT-Anfrage?
Ich nutze KI nicht in erster Linie als Suchmaschine, sondern als Sparringspartner. Meine letzte Anfrage lautete sinngemäß: „Welche blinden Flecken hat meine Strategie für unseren Standort Baden-Baden und mein Team?“ Das Spannende an KI ist für mich nicht, dass sie Antworten liefert. Spannender ist, dass sie kritische Fragen stellt, wenn man den Agenten entsprechend einstellt. Als Berater ist man es gewohnt, Lösungen für Mandanten zu entwickeln. Für die eigene Strategie fehlt dagegen oft der unabhängige Blick von außen.

Ich habe vor bald drei Jahren die Leitung unseres Standorts in Baden-Baden mit einem großen Team übernommen. Das wichtigste Learning ist überraschend einfach: demütig bleiben und die eigene Sicht immer wieder hinterfragen. Ich versuche deshalb bewusst, Technologie nicht nur zur Effizienzsteigerung oder zur Entwicklung neuer Beratungsangebote einzusetzen, sondern vor allem als Werkzeug für Reflexion und bessere Entscheidungen.

Welche Prinzipien leiten Sie bei schwierigen Entscheidungen?
Bei schwierigen Entscheidungen frage ich mich zunächst nicht, was juristisch oder steuerlich möglich ist, sondern was langfristig richtig ist. Natürlich gibt es im Daily Business rein steuerliche oder rechtliche Fragen – „technische“ Fragen, wenn man so will, die meist einfach zu beantworten sind. Bei den größeren Themen geht es aber häufig um Unternehmen, Familien, Nachfolgen oder persönliche Lebensentscheidungen. Da genügt es nicht, die steuerrechtlich optimale Lösung zu präsentieren. Die Lösung muss primär wirtschaftlich sinnvoll, praktisch umsetzbar und menschlich tragfähig sein. Wenn das gegeben ist, kann man sich über steuerliche Optimierung unterhalten.

Ich versuche, folgenden Grundsatz zu beherzigen: Gib deinem Mandanten keine Empfehlung, die du in einer vergleichbaren Situation für dein eigenes Unternehmen nicht in Betracht ziehen würdest. Fachliche Präzision ist wichtig. Noch wichtiger ist aber, Verantwortung für die Folgen einer Empfehlung zu übernehmen.

Welches Talent oder Hobby haben Sie, von dem nur wenige wissen?
Kaum einer weiß, dass ich neben Jura und Steuern auch interdisziplinäre Umweltwissenschaften studiert habe – tatsächlich hobbymäßig und rein aus naturwissenschaftlicher Neugier heraus – und einen Masterabschluss in diesem Bereich erworben habe. Mich fasziniert die Frage, wie wirtschaftliche Entwicklung, Technologie und Nachhaltigkeit zusammenspielen können. Dieses Interesse begleitet mich bis heute, auch wenn mein beruflicher Schwerpunkt in der steuerlichen Beratung mittelständischer Unternehmen liegt. Zumindest im Bereich der Besteuerung erneuerbarer Energien ergeben sich hier gelegentlich schöne Schnittmengen, wo ich mein technisches Know-how etwas einbringen kann.

Vielleicht erklärt das auch, warum ich mich nie nur für die steuerliche oder rechtliche Perspektive interessiere. Mich reizt das größere Bild: Wie funktionieren Systeme, welche Wechselwirkungen gibt es und wie lassen sich langfristig tragfähige Lösungen entwickeln? Diese Neugier ist vermutlich die Konstante, die sich durch meinen gesamten beruflichen Weg zieht. Sie gab auch den Ausschlag dafür, dass ich mich dazu entschlossen habe, aus der rein fachlichen Beratung herauszutreten und als Partner die Leitung eines Standorts zu übernehmen – mit einem fantastischen Team, ohne das alles andere Makulatur ist.

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