Nachfolgeberatung

„Steuerabteilungen können das so nicht leisten“

Bis zur Erbschaftsteuerreform 2016 war Nachfolgeberatung eine klare Domäne anwaltlich geprägter Steuerpraxen. Warum sich dies verändert hat und warum die Konzernsteuerberater der WTS nun eine Rolle in der Nachfolgeberatung spielen, erklärt der Kölner WTS-Partner Ricardo Fischnaler.

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Corporate Tax in der Nachfolge: Ricardo Fischnaler von WTS

JUVE Steuermarkt: Herr Fischnaler, was hat WTS als ehemalige Steuerabteilung von Siemens mit Nachfolgeberatung zu tun?
Ricardo Fischnaler: Einiges – mit Dr. Tom Offerhaus und seinem Team in München haben wir eine klassische Private-Clients-Praxis, Dr. Steffen Neumann betreut in Frankfurt vermögende Personen bei der Vermögensnachfolge und -gestaltung und meine Partnerkollegin Susanne Bings und ich haben in Köln mittlerweile ein 30-köpfiges Corporate-Tax-Team, das bei Unternehmensnachfolgen aktiv ist. Gerade unsere Arbeit im Corporate Tax hat enorm an Bedeutung für die Nachfolgeberatung gewonnen.

Aber warum ein Corporate-Tax-Team für die Unternehmensnachfolge?
Die Schwierigkeit liegt darin, zu erkennen und zu ermitteln, wie viel schädliches Verwaltungsvermögen in einem Unternehmen steckt, welche steuerlichen Folgen das für die Nachfolgen oder eine Familienstiftung hat und welche Maßnahmen man ergreifen muss. Eine Inhouse-Abteilung ist damit oft überfordert, weil dies einschlägiges Spezialwissen und Kapazität erfordert. Steuerabteilungen können das in der Regel so nicht leisten. Hier muss dann ein externer Berater ran, der sich auf dieses Thema spezialisiert hat. Deshalb kommen auch viele laufende Berater auf uns zu. Unser Vorteil ist, dass die WTS keine Jahresabschlussprüfungen macht und wir daher im Grunde immer einsatzbereit sind.

Welche steuerlichen Folgen können denn in der Nachfolge durch das Verwaltungsvermögen entstehen?
Im Worst Case fallen 50 Prozent Erbschaftsteuer vom Unternehmenswert an. Viele Unternehmer befinden sich noch im alten Denken, dass man Unternehmen erbschaftsteuerfrei übertragen kann. Das ist seit der Erbschaftsteuerreform 2016 in den meisten Fällen nicht mehr so. Nach altem Recht war das gesamte übertragene unternehmerische Vermögen erbschaftsteuerlich privilegiert, wenn das Verwaltungsvermögen nicht mehr als 50 Prozent des Unternehmenswertes ausmachte. Wenn der Anteil des Verwaltungsvermögens sogar unter 10 Prozent lag, fiel unter den Voraussetzungen der Optionsverschonung gar keine Erbschaftsteuer an. Nun gilt die Verschonung von der Erbschaftsteuer nur noch für das begünstigte Vermögen. Eine einhundertprozentige Steuerbefreiung ist zudem nur noch erreichbar, wenn nicht mehr als 26 Millionen Euro begünstigtes Vermögen an einen Erben gehen. Bei größeren Übertragungen kann nur noch das sogenannte Abschmelzmodell oder die Verschonungsbedarfsprüfung in Anspruch genommen werden. Unabhängig von der Begünstigungsregelung bleibt es jedoch dabei, dass diese nur das begünstigte Vermögen privilegiert. Zwar gibt es auch für Verwaltungsvermögen gewisse Unschädlichkeitsgrenzen. Das letztlich schädliche Verwaltungsvermögen ist hingegen – trotz Begünstigungsregelung – immer voll steuerpflichtig. Durch die Neuregelung werden unter anderem sehr komplexe Berechnungen zur Ermittlung des oftmals weltweiten Verwaltungsvermögens notwendig. Genau darauf sind wir in unserer Corporate-Tax-Einheit in der Nachfolgepraxis spezialisiert. Nach unserer Erfahrung macht das auch Sinn, da die relevanten Daten und Parameter in der Regel nur aus dem Unternehmen geliefert werden können.

Das klingt so, als könnte da einiges an Erbschaftsteuer zusammenkommen?
In der Tat – vor allem bei sehr großen Unternehmen, weil die härteren Regeln schon ab 26 Millionen Euro begünstigtes Vermögen greifen: So haben wir gerade eine Unternehmerfamilie beraten, die ein Unternehmen mit circa einer Milliarde Euro Unternehmenswert und circa 600 Millionen Euro Verwaltungsvermögen übertragen wollte. Dabei wären rund 180 Millionen Euro Schenkungsteuer angefallen. Durch rechtzeitige Identifizierung des Verwaltungsvermögens und entsprechende Maßnahmen konnten wir die Schenkungsteuer im Endeffekt auf vier Millionen Euro reduzieren. Das ist sicherlich eine extreme Reduktion. Aber die 180 Millionen Euro hätte die Familie sonst nur durch den Verkauf und die Zerschlagung des Unternehmens aufbringen können.

Welche Mandatsgrößen betreuen Sie in dieser Frage vor allem?
Zu uns kommen vor allem die großen Familienkonzerne, viele davon im Milliardenbereich. Im Schnitt fangen unsere Mandate bei circa 100 Millionen Euro Unternehmenswert an. Unabhängig von der Größe empfehlen wir, die geplante Übertragung frühzeitig, das heißt mindestens zwei, besser sogar drei bis fünf Jahre vorher, vorzubereiten.

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