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06.02.2020

Cum-Ex-Aufarbeitung: Deutsche Bank ersetzt Freshfields durch Bankboutique Clouth

Die Deutsche Bank will die Bearbeitung und Koordination aller Cum-Ex-Sachverhalte künftig in einer Hand bündeln. Nach JUVE-Informationen hat das Finanzinstitut für das Mandat in der zweiten Januarhälfte mindestens fünf Anwaltskanzleien eingeladen und sich am Ende für die auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Frankfurter Boutique Clouth entschieden. Das Nachsehen hatten deutsche und internationale Großkanzleien.

Peter Clouth

Peter Clouth

Nach JUVE-Informationen hat die Deutsche Bank mit Linklaters sowie den deutschen Großkanzleien Noerr und Görg Gespräche geführt. Außerdem sollen auch Allen & Overy und Flick Gocke Schaumburg gefragt worden sein.

Dass sich das Institut für eine zentrale Aufarbeitung der Cum-Ex-Vergangenheit entschieden hat, liegt nach JUVE-Informationen an zwei Dingen: Zum einen war die Bank bis in die Unternehmensspitze zunehmend unzufrieden mit der Zersplitterung verschiedener Cum-Ex-Stränge innerhalb des Hauses. Zum anderen hat die Bank kürzlich die Zusammenarbeit mit ihrer langjährigen Cum-Ex-Beraterin Freshfields Bruckhaus Deringer aufgekündigt. Der für diese Beratung zentrale Steuerpartner der Kanzlei, Dr. Ulf Johannemann, hat bekanntermaßen Freshfields verlassen und saß zwischenzeitlich wegen der Cum-Ex-Beratung in einem anderen Fall – der Maple Bank – in Untersuchungshaft.

Nach JUVE-Informationen war bei der Deutschen Bank für die Mandatsvergabe die Rechtsabteilung um General Counsel Prof. Dr. Florian Drinhausen zuständig – jedenfalls bezogen auf die haftungsrechtlichen Aspekte des Cum-Ex-Engagements der Bank. Für rein steuerrechtliche Fragen scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Deutsche Bank wollte zu dem Sachverhalt keine Stellung nehmen.

Zentrale Rolle für frühere Deutsch-Banker

Peter Lindt

Peter Lindt

Die Bankboutique Clouth übernimmt nun die Federführung für eines der sensibelsten Themen, das der deutsche Rechts- und Steuermarkt zur Zeit zu bieten hat. Eine solch zentrale Rolle in Sachen Cum-Ex hatte auch Freshfields nicht inne, galt jedoch nach Marktinformationen bislang als Beraterin Nummer Eins in punkto interner Untersuchungen in der Deutschen Bank.

Die verantwortlichen Partner der Frankfurter Boutique Clouth sind für das Geldhaus keine Unbekannten: Namenspartner Dr. Peter Clouth war 14 Jahre lang bei der Deutschen Bank beschäftigt und dort Leiter der globalen Praxisgruppe der Privat- und Geschäftskundensparte sowie des Private-Wealth-Managements. Der 58-Jährige ist Spezialist für Wertpapiere, Derivate sowie für Kapitalmarktrecht und wechselte 2009 in die Anwaltschaft.

Auch Clouths Partner Peter Lindt blickt auf eine lange Inhouse-Karriere in der Deutschen Bank zurück. Lindt hatte fast zwei Jahrzehnte für die Bank gearbeitet und leitete deren Prozessteam zwischen 2009 bis zu seinem Wechsel zu Clouth im Jahr 2015.

Vieles sprach für Linklaters und Allen & Overy

Die für Beobachter naheliegendste Lösung für den Großauftrag wäre indes Allen & Overy gewesen – unklar ist allerdings, ob überhaupt und wie intensiv Gespräche über das Mandat geführt wurden. Die Prozess- und Steuerteams der britischen Großkanzlei gelten im Markt in Sachen Cum-Ex als führend, denn Allen & Overy war und ist für eine Vielzahl von Banken mit den internen Untersuchungen betraut. So war sie bereits beim ersten öffentlich bekannt gewordenen Fall – bei der Hypovereinsbank – involviert und ist es auch bei der spektakulären Aufarbeitung der Cum-Ex-Geschäfte der Maple Bank. Allen & Overy vertritt die Deutsche Bank überdies in der Schadensersatzklage der Hamburger Warburg Bank, die diese vor rund einem Jahr angestrengt hatte.

Auch Linklaters hätte mit Blick auf ihre Rolle bei Maple und ihre starke Prozesspraxis gute Karten haben können.

Florian Drinhausen

Florian Drinhausen

Noerr und Görg sind eher Geheimtipps, haben aber renommierte Prozessrechtler in ihren Reihen. Zudem hatten sich beide in den vergangenen Jahren mit auf Finanzprodukte spezialisierten Steuerexperten verstärkt. Damit dürften sich ihre Chancen deutlich erhöht haben, bei der Deutschen Bank in die engere Auswahl zu kommen.

Flick Gocke Schaumburg ist dagegen offenbar für Steuern im Rennen gewesen. Das ist auf den ersten Blick überraschend, denn die Kanzlei ist in der Cum-Ex-Affäre auch für die Warburg Bank tätig. Allerdings beschränkt sich die Beratung dort auf interne steuer- und steuerstrafrechtliche Fragen, den Haftungsprozess gegen die Deutsche Bank führt die Berliner Kanzlei Raue.

Kanzleien hüllen sich in Schweigen

Inwieweit beim Votum für Clouth die Inhouse-Vergangenheit der beiden federführenden Partner eine Rolle gespielt hat, ist unklar. Clouth wollte die Mandatsvergabe ebenfalls nicht kommentieren.

Gegen die beiden internationalen Großkanzleien könnte deren vielfältiges Engagement in der Bankenszene gesprochen haben: Sie hätten für die Deutsche Bank wahrscheinlich aufgrund von Interessenkonflikten in dem ein oder anderen potenziellen Zivilprozess nicht auftreten können, sodass eine umfassende und zentrale Rolle, wie sie Clouth nun einnimmt, wohl nicht möglich gewesen wäre. Allen & Overy und Linklaters wollten dies nicht kommentieren. (Jörn Poppelbaum, Norbert Parzinger)

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