Schuhbeck-Prozess

Starkoch legt umfassendes Geständnis ab

Der wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagte Starkoch Alfons Schuhbeck legte vor der 6. Strafkammer des Landgerichts München I am dritten Prozesstag ein umfassendes Geständnis ab. Ihm droht eine Haftstrafe (Az. 6 KLs 301 Js 141439/19).

Teilen Sie unseren Beitrag
Alfons Schuhbeck (Mitte) mit seinen Anwälten Sascha König (links) und Dr. Markus Gotzens (rechts) im Gerichtssaal im Landgericht München I. Die Staatsanwaltschaft hat Schuhbeck wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 73-Jährigen vor, die Umsätze seiner beiden Münchener Restaurants „Orlando“ und „Südtiroler Stuben“ im Zeitraum 2009 bis 2016 manipuliert zu haben. Insgesamt beläuft sich die mutmaßlich am Fiskus vorbei gewirtschaftete Summe auf geschätzte 2,3 Millionen Euro. 

Mitangeklagt im sogenannten „Ingwer-Verfahren“ ist ein ehemaliger Mitarbeiter Schuhbecks, der die technischen Voraussetzungen für eine automatische Manipulation der Umsätze in einem der Restaurants geschaffen haben soll. Dieser Mitarbeiter gab gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis ab und belastete Schuhbeck schwer. Sein Arbeitgeber habe ihn gedrängt, ein Software-Tool zu entwickeln, das Umsätze automatisch reduzierte.

Nachdem Schuhbeck am zweiten Prozesstag eingeräumt hatte, die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft träfen zumindest zu einem großen Teil zu, legte er am heutigen Freitag ein umfassenderes Geständnis ab.

Am Mittwoch hatte er eingeräumt, im Restaurant „Orlando“ eine Manipulationssoftware eingesetzt und die Differenzbeträge entnommen zu haben. Im Falle der „Südtiroler Stuben“ hatte er angegeben, er erinnere sich nicht, ob er am Computer Umsätze gelöscht habe und auch keine Erklärung dafür habe, wie es hier zu Ungereimtheiten kommen konnte. Nun gab er auch hier Manipulationen zu.

Verteidiger an Schuhbecks Seite

Sascha König

Auch gebe es keinen „fremden Dritten“. Somit entzieht er der bisherigen Argumentation seiner Verteidiger Sascha König von König Gauweiler Sauter und Dr. Markus Gotzens von Wannemacher & Partner weitgehend den Boden: In ihrer Eingangserklärung legten die Verteidiger dar, dass auch andere Personen Zugang zum Safe gehabt hätten. Außerdem sei Schuhbeck an zwei Tattagen nicht in Deutschland gewesen.

Die Auslöser für diese Differenzen seien nicht ermittelbar, so die Anwälte. Eventuell könne ein technisches Problem verantwortlich dafür sein, dass mehr als 1.200 Rechnungen nicht übermittelt wurden. Diese Theorie hatte die Vorsitzende Richterin Dr. Andrea Wagner aufgrund der hohen Zahl an Fällen als nicht plausibel zurückgewiesen. 

Markus Gotzens

Beim Prozessauftakt hatte Schuhbeck selbst noch geschwiegen. Seine Verteidiger argumentierten, es gebe bei den Vorwürfen gegen ihren Mandanten zahlreiche „Zweifel und Ungereimtheiten“. Es könne sich im Laufe des Verfahrens noch herausstellen, dass der prominente Koch „vielmehr selbst Opfer als Täter“ sei, „da auch er betrogen wurde“.

Wohin die fraglichen Summen geflossen sind, blieb weiterhin unklar. Schuhbeck hatte dem Vorhalt seitens des Gerichtes zu Prozessbeginn, er habe Kontakte in die Karibik, vehement widersprochen. Er habe keine ausländischen Konten, wohin er die Gelder hätte verschieben können, so Schuhbeck. Er führe kein Luxusleben, habe keine kostenintensiven Laster. Vielmehr habe er finanzielle Löcher in seinen anderen Betrieben gestopft und die Ausbildung seiner vier Kinder mit – allerdings eher kleineren – Summen unterstützt. Auch Antiquitäten habe er gekauft, die jedoch seitdem deutlich an Wert verloren hätten. „Ich kann mir nicht erklären, wo das ganze Geld letzten Endes geblieben sein soll“, sagte Schuhbeck. „Ich darf sie bitten, mir zu glauben, dass ich mit Leib und Seele Koch und Gastronom bin, aber kein guter Kaufmann.“ Er gab zu, seinem gesamten Umfeld inklusive seiner Verteidiger etwas vorgemacht zu haben, was er nun einsehe und bereue. 

Im vergangenen Sommer meldete Schuhbeck für seine Betriebe beim Amtsgericht München Insolvenz an. Da er seit 2017 keine Geschäftsberichte veröffentlichte, leitete das Bundesamt für Justiz ein Ordnungsgeldverfahren wegen des Verstoßes gegen Offenlegungspflichten ein. Schuhbecks Schulden werden auf etwa 14 Millionen Euro beziffert. 

Dem Fernsehkoch und Autor zahlreicher Kochbücher droht nun im Steuerhinterziehungsprozess eine mehrjährige Haftstrafe, denn der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte 2012, dass ab einer Höhe von mehr als einer Million Euro an veruntreuten Geldern keine Aussetzung zur Bewährung möglich ist. Diese Grenze scheint hier deutlich überschritten, hängt jedoch davon ab, wie hoch der hinterzogene Betrag ausfällt, der ihm letztendlich nachgewiesen werden kann. 

Insgesamt sind bis zum 22. Dezember 2022 18 Verhandlungstage angesetzt. Durch die Einlassungen Schuhbecks könnte der Prozess jedoch ein schnelleres Ende finden.

(mit Material von dpa)

Artikel teilen