KPMG Österreich erhöht Gehälter

Deutsche Big Four wollen Vorbild des Nachbarn nicht folgen

KPMG Österreich erhöht zum Juli pauschal für alle Mitarbeitenden das Jahresgrundgehalt. Die Big-Four-Gesellschaft reagiert damit nach eigenen Angaben auf die Inflation und den Preisanstieg in Folge von Corona und Ukrainekrieg. Dies soll vor allem den unteren Gehaltsgruppen zu Gute kommen. Die deutschen Zweige der Big-Four-Gesellschaften zeigen sich zurückhaltend angesichts des Vorstoßes.

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Pauschale Gehaltserhöhungen sind aktuell Thema bei den Big Four in Deutschland und Österreich. (Foto: Fotolia)
Sibylle Landwehrmann

Um satte 3000 Euro steigt für alle Beschäftigte bei KPMG Österreich das Jahresbrutto. Die Erhöhung findet zusätzlich zu den üblichen normalen Gehaltsrunden statt. Durch den pauschalen Erhöhungsbetrag „sollen vor allem auch Kolleginnen und Kollegen mit niedrigeren Einkommen von einer größeren prozentualen Steigerung zur Deckung der zunehmenden Lebenshaltungskosten profitieren“, so KPMG Österreich in einer Pressemitteilung.

Ein Ansinnen, das bei den deutschen Big-Four-Gesellschaften anscheinend auf wenig Gegenliebe stößt. KPMG Deutschland wollte eine offizielle Stellungnahme nicht abgeben. Nach JUVE Steuermarkt-Informationen wird aber sehr wohl intern über Gehaltserhöhungen diskutiert, allerdings nicht in Form eines Pauschalbetrages. Auch PricewaterhouseCoopers (PwC) wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Wenn überhaupt würden mögliche Gehaltserhöhungen frühestens zum Oktober greifen. Deloitte bestätigte durch einen Sprecher Gehaltserhöhungen, wendet sich aber gegen pauschale Lösungen: „Auch Deloitte Deutschland wird die Gehälter seiner Mitarbeitenden zum Beginn des neuen Geschäftsjahres erhöhen. Dabei setzen wir allerdings nicht auf eine pauschale Anhebung um einen festen Betrag, sondern gehen neben einer grundsätzlichen Anhebung individuell auf die verschiedenen Rollen und Positionen ein.“

Ernst & Young (EY) will keine pauschalen Erhöhungen; aber trotzdem die unteren Gehaltsgruppen entlasten. So zeigt sich Sibylle Landwehrmann, Head of HR Enablement, HR Services & Total Reward im Talent Team Germany kritisch gegenüber pauschalen Erhöhungen: „Eine Gießkanne ist nicht geplant“. Landwehrmann ist für die gesamte EY-Struktur in Deutschland über die Serviceline-Grenzen von Audit, Tax, Strategieberatung und Consulting hinweg zuständig für Vergütungsfragen. Während der Coronapandemie habe man den vom Gesetzgeber als Pauschale konzipierten Coronabonus mit 1500 Euro voll ausgeschöpft und umgesetzt. Weitere Pauschalen seien aber nicht geplant. Im Gegenteil setze EY auf sehr spezifische Maßnahmen, auch gerade bei den unteren Einkommensklassen. „Das Budget für Gehaltserhöhungen für administrative oder ähnliche Tätigkeiten ist doppelt so groß wie noch im Vorjahr“, erläutert die 58-jährige Direktorin.

Gehaltserhöhungen kommen also nicht nur Berufsträgerinnen und Berufsträgern zu Gute, ein durchaus wichtiger Faktor bei den Big Four. Denn Mitarbeitende ohne Berufsexamen machen einen Großteil der steuerlichen Belegschaft in diesen Beratungen aus. So waren im Geschäftsjahr 2021 von 1.600 steuerlichen Mitarbeitenden bei KPMG in Deutschland nur rund 700 examinierte Berufsträger. Bei EY ist das Verhältnis sogar noch ausgeprägter: von 3.277 steuerlichen Mitarbeitern waren weniger als ein Drittel (995) examinierte Berufsträger.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen: Landwehrmann stellt klar, dass es einen automatischen vollständigen Inflationsausgleich für alle bei EY nicht geben werde. Ein Grund dafür sei unter anderem, dass EY am hart umkämpften Fachkräftemarkt punkten und nicht einfach nur Preissteigerungen ausgleichen möchte. „Im Zuge des Fachkräftemangels haben wir auch unsere Budgets für Boni deutlich erhöht“, ergänzt Landwehrmann. Zu diesem Paket gehörten neben Gehaltssteigerungen auch umfangreiche Möglichkeiten zum Überstundenausgleich und andere Maßnahmen, die der Work-Life-Balance zu Gute kämen, so die Möglichkeit aus dem verlängerten Urlaub heraus in einem anderen europäischen Land zu arbeiten.

Eine Stoßrichtung, die auch Deloitte teilt. „Das Feedback unserer Beschäftigten zeigt aber auch, dass es nicht nur auf das Gehalt ankommt, sondern auch auf die Balance zwischen Privat- und Berufsleben sowie die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten“, so ein Sprecher von Deloitte. Deshalb habe man in diesem Jahr unter anderem zwei zusätzliche freie Tage eingeführt.

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