Drei Fragen am Rande

Anekdotische Steuern, viel Wind und keine KI ohne soziale Kompetenz

Der Umsatzsteuerspezialist ist seit 2020 Partner bei RSM Ebner Stolz in München. Dr. Sandro Nücken (44) ist Rechtsanwalt sowie Fachanwalt für Steuerrecht und hat sich auf internationale Transaktionen sowie umsatzsteuerrechtliche Einspruchs- und Klageverfahren spezialisiert.

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Gab es ein bestimmtes Erlebnis, das Ihre Berufswahl nachhaltig beeinflusst hat?

Bei mir waren es eher mehrere Erlebnisse. Am Anfang des Jurastudiums hatte ich keine Ahnung, dass mein Herz einmal für das Steuerrecht schlagen würde. Ich wusste nur, dass ich die Schnittstelle zur Betriebswirtschaft interessant fand. Prof. Wolfgang Joecks hat dann in den Strafrechtsvorlesungen immer wieder spannende Anekdoten aus dem Steuer(straf)recht eingestreut, um uns für das Wahlfach Steuerrecht zu begeistern. Bei mir war er damit erfolgreich. Später habe ich dann im Studium in Genf und im Referendariat bei der OECD in Paris gemerkt, wie spannend die internationalen Aspekte des Steuerrechts sind. Die Spezialisierung auf das Umsatzsteuerrecht kam dann aus der späteren Erkenntnis, dass man sich heute auch innerhalb des Steuerrechts fokussieren sollte, wenn man vorn dabei sein möchte.

Haben Sie ein Ritual, das Sie jeden Tag oder jede Woche pflegen, um die Balance zu halten?

Ich versuche, möglichst viel Sport zu treiben und draußen zu sein: Rennradfahren, Laufen und Golfen. Bis zum Anfang des Studiums habe ich Segeln als Leistungssport betrieben. Das hat immer gut den Kopf frei gemacht, ist aber leider auch sehr zeitaufwendig. Im Moment reicht es mir, wenn ich ein- bis zweimal im Jahr bei einer Regatta auf dem Starnberger See mitfahren darf. Im Winter brauche ich Schnee und Berge. Nach vielen Jahren auf Alpin Ski, wollte ich letztes Jahr einmal etwas Neues ausprobieren und habe meine Leidenschaft für Skilanglauf entdeckt. Es hat so gut funktioniert, dass ich zwei Monate später am Engadiner Skimarathon in der Schweiz teilnahm – ein unvergessliches Erlebnis.

Welche Fertigkeiten im Bereich Digitalisierung würden Sie jungen Berufseinsteigern empfehlen?

Sicherlich kann es nicht schaden, wenn man heutzutage zumindest rudimentär coden bzw. programmieren kann (ich gehöre leider nicht dazu). Für mindestens genauso wichtig halte ich im Zeitalter der Digitalisierung aber die Fähigkeit zum kritischen Denken: Kann es wirklich sein, was mir die KI hier ausgeworfen hat? Auf welche Informationsquellen kann ich mich verlassen? Wie viel Recherche muss ich betreiben, um einen hinreichenden Grad an Verlässlichkeit hinsichtlich der gewonnenen Informationen zu haben? Das sind Fragen, die viel mit Lebenserfahrung, Intellekt, aber auch mit sozialer Kompetenz zu tun haben. Deshalb bin ich immer ein großer Anhänger von Menschen, die sich sozial engagieren – egal, ob in Vereinen, Parteien oder NGOs. In der Gesellschaft lernt man meines Erachtens am besten, was den Menschen ausmacht und ihn vom Bot unterscheidet.

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