Visionen

Durchblick bewahren

Seit den 1970er-Jahren bestimmt Fielmann die Optikbranche in Deutschland und gehört nach wie vor zu den bekanntesten Marken hierzulande. Roland Strathmann trägt seit mehr als drei Jahren die Verantwortung für die Steuerabteilung. Die Themen Digitalisierung und Internationalisierung bestimmen nicht nur die Agenda des börsennotierten Familienunternehmens, sondern auch die Arbeit seines Steuerteams.

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Durchblick bewahren

Als Roland Strathmann 2010 zusammen mit einem Kollegen seine Arbeit als Steuerreferent bei Fielmann in Hamburg aufnimmt, genießt er eine hohe Gestaltungsfreiheit. Steuerliche Fragen werden zu dieser Zeit noch überwiegend mit externem Sachverstand geklärt. „Wir konnten im Unternehmen mit unserer steuerlichen Arbeit schnell auf uns aufmerksam machen und wurden rasch in die Projekte eingebunden. Und das immer mit dem Mandat des CFO im Rücken, was enorm wichtig war.“ Mit den Jahren wächst das Geschäft des Augenoptikkonzerns vor allem im europäischen Ausland. Angesichts steigender steuerlicher Anforderungen entscheidet der Vorstand schließlich, eine Steuerabteilung unter Leitung von Strathmann aufzubauen.

Roland Strathmann

Aktuell zählt seine Abteilung vier weitere Teammitglieder, darunter eine duale Studentin. Anders als viele andere Steuerabteilungsleiter setzt Strathmann nicht nur auf erfahrene Steuerberater, sondern gibt auch dem jüngeren Nachwuchs eine Perspektive. „Die Kolleginnen und Kollegen, die das Steuerberaterexamen anstreben, erhalten die notwendige zeitliche und finanzielle Unterstützung. Im Ergebnis profitieren alle im Team davon“, ist Strathmann überzeugt.

Die weiteren Teammitglieder seien fachlich breit aufgestellt. Dennoch wurde es mit der Zeit erforderlich, Themenschwerpunkte im Team zu setzen, vor allem mit Blick auf die zunehmende Internationalisierung des Geschäfts: „Wir haben deshalb einen Spezialisten für Internationales Steuerrecht eingestellt und Länderverantwortlichkeiten festgelegt, um feste Ansprechpartner für die lokalen Einheiten und externen Berater vor Ort zu haben. Es ist schlichtweg nicht möglich, dass sich jeder im Team mit den steuerlichen Herausforderungen jedes Landes auskennt“, erläutert Strathmann. Das börsennotierte Familienunternehmen, das nach eigenen Angaben in Deutschland jede zweite Brille verkauft, besteht seit 1972 und wird mittlerweile in zweiter Generation geführt: Firmengründer Günther Fielmann übergab vor zwei Jahren den Vorstandsvorsitz an seinen Sohn Marc Fielmann. Kurz darauf definierte der junge Firmenchef mit der ,Vision 2025‘ den Weg für das Unternehmen in die Zukunft. Im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie stehen die Themen Digitalisierung und Internationalisierung.

Im Rahmen der ,Vision 2025‘ investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben jährlich mehrere Millionen Euro in das Niederlassungsnetz, die internationale Expansion sowie die Ausweitung seiner Omnichannel-Strategie – eine Kombination aus stationärer, persönlicher Beratung und digitalen Services. So können Kunden online mit der Fielmann-App Brillen virtuell anprobieren oder individuell anpassen lassen. Derzeit arbeitet das Unternehmen an einem vollwertigen Online-Sehtest, den es so im Markt bislang nicht gibt.

Eine Agenda für die Zukunft
Die Agenda-Eckpfeiler Digitalisierung und Internationalisierung bestimmen auch die Themen der Steuerabteilung. „Wir sehen derzeit eine Transformation des Geschäftsmodells, die natürlich Einfluss auf unsere Arbeit hat und zu der wir als Steuerabteilung ebenfalls unseren Beitrag leisten müssen“, erläutert Strathmann. Die Flexibilität, die Verkauf und Vertrieb von den vor- und nachgelagerten Funktionen verlangen, sei hoch. Deshalb müsse das Steuerteam frühzeitig mit an Bord sein, wenn beispielsweise der Vertrieb ein neues Produkt anbietet. „Es ist wichtig, die Kundenwünsche in unserer steuerlichen Struktur von Anfang zu berücksichtigen, damit der Kunde beispielsweise aufgrund langer Lieferzeiten nicht einen Bogen um unseren Webshop macht“, erklärt Strathmann.

Sinnvolle Digitalisierung
Neben der Unterstützung der Unternehmensagenda hat Strathmann den Anspruch, auch die eigenen Prozesse sinnvoll zu digitalisieren. Das Ziel: Routinetätigkeiten automatisieren, damit die Steuerabteilung sich verstärkt der beratenden Tätigkeit widmen kann. Die ersten Schritte hat das Team bereits unternommen: Derzeit werden Tools für die Themen Tax Reporting und Tax Compliance eingeführt. Nachdem sich das Team mehrere Anwendungen angeschaut hatte, entschied es sich für die Anbieter DefTax und Universal Units.

Für die Implementierung engagierte Strathmann keine Beratungsgesellschaft, sondern ging einen ganz anderen Weg und setzte auf einen Freelancer, der als Inhouse-Experte solche Projekte in der Vergangenheit bereits durchgeführt hat und nun bei der Implementierung unterstützt. Und der nächste Digitalisierungsschritt ist schon geplant: Im kommenden Jahr will sich das Team unter anderem näher mit dem Thema automatisierte Prüfung von Steuerbescheiden auseinandersetzen.

Bei der Zusammenarbeit mit externen Beratern setzt Fielmann weitgehend auf Kontinuität. Wichtiger Berater ist Dr. Frank Roser von der gleichnamigen Hamburger MDP-Kanzlei, der seit knapp 30 Jahren Fielmann in rechtlichen und steuerlichen Fragen berät. Angefangen hatte die Zusammenarbeit zum Zeitpunkt des Börsengangs des Unternehmens im Jahr 1994. „Fielmann als börsennotiertes Unternehmen braucht einen Berater, der steuerliche Themen ganzheitlich denkt und die Erfahrung der Betreuung von Familienunternehmen mitbringt „, sagt Strathmann.

Bei steuerlichen Fragen im Ausland arbeitet das Team eng mit dem lokalen Rechnungswesen der Landesgesellschaften sowie mit unterschiedlichen Beratungshäusern zusammen. Das muss aber nicht so bleiben: „Unsere Aufstellung im Steuerteam kommt regelmäßig auf den Prüfstand. Angesichts der dynamischen Entwicklung des Konzerns im Ausland halten wir uns durchaus offen, für unsere ausländischen Gesellschaften in Zukunft eigene Steuerexperten zu engagieren“, so Strathmann.

Denn Fielmann treibt die Internationalisierung weiter voran. Aushängeschild der ausländischen M&A-Aktivitäten des Konzerns war im vergangenen Jahr die Übernahme der spanischen Optikerkette Óptica & Audiología Universitaria, der drittgrößten Kette des Landes. Bei der Transaktion arbeiteten Strathmann und sein Team mit Beratern einer M&A-Einheit der Big Four in Madrid zusammen. Die M&A-Strategie des Unternehmens bringe neue Anforderungen für die Steuerabteilung mit sich. „Die Begleitung von Due-Diligence- und Post-Merger-Projekten wirft natürlich andere Fragen auf als das organische Wachstum durch die Neugründung einer Fielmann-Landesgesellschaft.“

Und die Expansion geht weiter: Allein in diesem Jahr plant das Unternehmen die Neueröffnung von europaweit 45 Fachgeschäften sowie den Rollout digitaler Vertriebskanäle in verschiedene Länder. Basierend auf seiner Omnichannel-Plattform hat Fielmann im ersten Halbjahr 2021 mit einem Onlineshop für Tschechien und einer ersten Niederlassung in Prag den 16. europäischen Markt betreten.

Angesichts der ambitionierten Ziele des Konzerns will Strathmann weitere Verstärkungen seines Teams für die Zukunft nicht ausschließen – und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit den bestehenden Partnern effizienter und intensiver betreiben. Denn das vergleichsweise kleine Steuerteam ist gefragt: Die Anforderungen der Finanzverwaltung werden stetig größer. International und in Deutschland habe die Bürokratie mit Themen wie DAC 6 noch einmal zugenommen. „Es ist allerdings bedauerlich, wenn eine Steuerabteilung nur allein deshalb größer wird, weil die Bürokratie immer mehr zunimmt“, betont Strathmann. Das beste Argument für weiteres Wachstum der Steuerabteilung: Eine hohe Nachfrage als Business-Partner.

Den Artikel finden Sie in der November/Dezember Ausgabe 2021 des JUVE Steuermarkt (Abonnement erforderlich).

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