Der Anteil der Rechtsberatung betrug nach JUVE-Recherchen 80 Millionen Euro, KPMG legte hier also um satte 21,2 Prozent zu. Die reine Steuerberatung wuchs dagegen nur um 4,1 Prozent und liegt damit bei 382 Millionen Euro. Das Ergebnis dürfte für KPMG trotzdem erfreulich sein: Im Vorjahr hatte die Big-Four-Gesellschaft noch einen Umsatzrückgang von 1,6 Prozent eingefahren.
„KPMG hat insbesondere DAX-Unternehmen umfassend bei der digitalen Transformation ihrer Steuerabteilungen beraten“, sagte der deutsche KPMG-Chef Klaus Becker. Zu dem Ergebnis beigetragen hätten zudem die Felder International Tax und Corporate Tax. Mit dem Ergebnis hat KPMG ein wenig Boden auf PricewaterhouseCoopers (PwC) gutmachen können, die in der Steuerberatung jedoch nach wie vor die Nummer Zwei ist.
So schlug bei PwC zuletzt nur ein relativ marginales Wachstum von 3,1 Prozent auf nun 541,2 Millionen für Steuern und Recht zu Buche, wobei rund 88 Millionen Euro reine Rechtsberatung waren. EY bleibt mit 637 Millionen Euro reinem Steuerumsatz der unangefochtene Branchenprimus hierzulande. Und die Vierte im Bunde, Deloitte, konnte ihren Umsatz in der Steuer- und Rechtsberatung zuletzt um 10 Prozent steigern. Mit einem aktuellen Umsatz von 245 Millionen Euro (davon 202 Millionen Euro allein für Steuern) kommt die Wettbewerberin aber von einem gänzlich anderen Niveau als EY, PwC und KPMG.
Auch insgesamt bleibt KPMG mit einer Gesamtleistung von 1,83 Milliarden Euro die Nummer Drei hierzulande. PwC kam zuletzt auf einen Gesamtumsatz von 2,2 Milliarden Euro, und EY erwirtschaftete insgesamt 1,97 Milliarden Euro.
Unternehmensberatung wächst am stärksten
Obwohl KPMG stärker als alle anderen der Big Four von der Prüferrotation betroffen ist, konnte die Gesellschaft in der Wirtschaftsprüfung nochmal um 7 Prozent auf 671 Millionen Euro wachsen. Während die Gesellschaft unter anderem das Prüfungsmandat der Allianz an PwC verlor, konnte sie mit Covestro einen neuen Dax-30-Kunden an Land ziehen. Doch die Prüferrotation wird KPMG erst in den kommmenden Jahren richtig treffen, wenn sich auch andere Dax-30-Unternehmen als Prüfer verabschieden (müssen). Bislang prüft die Big-Four-Gesellschaft mehr als die Häfte aller Dax-30 Unternehmen und sogar ein Drittel aller Dax-160-Konzerne.
Die Strategie von KPMG ist deshalb klar: Prüfungsmandate, die durch die Rotation wegfallen, in Beratungsmandate ummünzen. „Wir werden durch die externe Prüfer-Rotation Abschlussprüfungen bei großen Kunden abgeben müssen“, räumte auch Becker ein. Allein für das laufende Geschäftsjahr 2019 betreffe dies Honorare aus Abschlussprüfungsleistungen von rund 32 Millionen Euro. „Aber genau dreimal so viel, nämlich rund 96 Millionen Euro, haben wir 2018 allein in Advisory dazugewonnen“, sagte Becker.
Damit ist die Sparte Advisory mit einer Steigerung von 17 Prozent auf 670 Millionen Euro nicht nur der größte Wachstumstreiber bei KPMG – eine branchentypische Entwicklung. Erstmals liegt die Beratung damit auch gleichauf mit dem Prüfungsgeschäft. Trotz allem ist Becker überzeugt, dass die Wirtschaftsprüfung „Markenkern“ von KPMG bleibt und auch in der Zukunft „eine tragende Säule unseres multidisziplinären Geschäftsmodells“. Dass die Strategie von KPMG aufgehen kann, zeigte das Big-Four-Haus in der Vergangenheit bereits. So setzt etwa die ehemalige WP-Mandantin Tele Columbus nun in den Bereichen Steuern, Finance Advisory und ERP auf KPMG.
Zum Ende des Geschäftsjahres kam KPMG auf 11.706 Mitarbeiter in Deutschland. Dies entspricht einem Nettozuwachs von 755, wobei 2.660 neue Mitarbeiter eingestellt wurden.