Realitätscheck

Tax Compliance Management: Raus aus dem Stückwerk

Digitale Tax Compliance ist auf dem Vormarsch. Immer mehr Beratungshäuser gehen Kooperationen mit entsprechenden Softwareunternehmen ein, um ihren Mandanten Lösungen anzubieten, die zukunftsfest sind und Erleichterungen in der Betriebsprüfung anbieten. Jüngstes Beispiel: die Kooperation zwischen Rödl und Impero.

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Rödl macht ernst mit digitaler Tax Compliance und steigt als zertifizierter Partner bei der dänischen Compliance-Plattform Impero ein. Der dänische Software-as-a-Service-Anbieter (SaaS) bietet digitale Anwendungen für Risikomanagement sowie interne Finanz- und Steuerkontrollen.

Ziel der Zusammenarbeit: Mandanten bei der digitalen Umsetzung von Tax Compliance Management Systemen (TCMS) nach dem Standard IDW PS 980 zu begleiten. Mit der Partnerschaft will die Next Six ihr steuerliches und prozessuales Beratungs-Know-how mit einem leistungsfähigen technologischen Tool verbinden. Diese Kombination soll dem Mandanten ein effizientes, transparentes und revisionssicheres TCMS ermöglichen. Und vor allem eine kontinuierliche Wirksamkeitskontrolle etablieren – ein wesentlicher Baustein zur Modernisierung der Betriebsprüfung.

Schon länger wird diskutiert, welche Rolle ein TCMS bei der Entlastung von Inhouse-Kapazitäten bei Betriebsprüfungen spielen kann. Mit dem DAC‑7‑Umsetzungsgesetz erhielt diese Diskussion neuen Schwung. Seit Januar 2023 erlaubt Art. 97 Paragraf 38 des Einführungsgesetzes zur Abgabenordnung die „Erprobung alternativer Prüfungsmethoden“. Heißt übersetzt: Wer ein wirksames TCMS hat, kann mit echten Erleichterungen in der Betriebsprüfung rechnen.

Klingt attraktiv – doch die Realität sieht häufig anders aus. Das Problem: In vielen Unternehmen existiert zwar formal ein TCMS, doch oft bleibt dies hinter dem Anspruch zurück. Nicht selten bestehen die Systeme aus statischen Tabellen oder veralteten Dokumentationen, die eine kontinuierliche Überwachung erschweren – und deshalb in der Praxis nur begrenzt Wirkung entfalten. Ein Defizit, das angesichts einer immer dynamischeren und komplexeren Regulierung zunehmend ins Gewicht fällt.

Viele Abteilungen sind noch nicht so weit

Ein weiteres, aus der JUVE Steuermarkt-Inhouse-Umfrage bekanntes Hindernis: Steuerabteilungen arbeiten oft mit isolierten Dateien, manuellen Prozessen und steuerlich relevanten Informationen, die über verschiedene Unternehmensbereiche verteilt sind. Viele Daten entstehen außerhalb der Steuerfunktion – und landen oft verspätet, unvollständig oder gar nicht dort, wo sie für die steuerliche Kontrolle und Entscheidung benötigt werden. Unter solchen Bedingungen bleibt auch ein TCMS nicht mehr als Stückwerk.

Viele Steuerabteilungen sind mit ihrem TCMS noch nicht so weit, um mit Betriebsprüfern konkret über mögliche Erleichterungen zu sprechen. Häufig befindet sich das TCMS noch in der Implementierung, steht kurz vor dem Abschluss oder durchläuft die Wirksamkeitsprüfung nach IDW‑Standard. Trotzdem sprechen sich viele Inhouse-Steuerverantwortliche für die Einführung oder Weiterentwicklung eines TCMS aus. Die Gründe: Effizienzgewinne, stabilere Prozesse sowie eine spürbare Risikominimierung. Alles Faktoren, die angesichts wachsender steuerlicher Anforderungen weiter an Bedeutung gewinnen.

Hinzu kommt der Druck von außen: Unternehmensleitungen erwarten digitale Strukturen, Finanzbehörden fordern jederzeit abrufbare Dokumentationen. Somit rücken auch digital gestützte Compliance‑Systeme stärker in den Fokus. Der Markt bewegt sich entsprechend weiter: Neben Rödl kooperieren weitere namhafte Beratungshäuser wie KPMG, Deloitte, Grant Thornton oder WTS mit dem SaaS-Anbieter Impero. Es scheint, als ob man bei moderner Tax Compliance an digitalen Lösungen nicht mehr vorbeikommt. Vor allem auch, weil Berater und Inhouse-Teams mit ihnen die Hoffnung verbinden, dass das Problem Stückwerk bald der Vergangenheit angehört.

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