Das Geschäftsjahr 2025 markiert für die Next Six einen doppelten Wendepunkt: Erstmals erwirtschafteten gleich zwei Häuser – RSM Ebner Stolz und BDO – mehr als eine halbe Milliarde Euro Gesamtumsatz.
Gleichzeitig flachte das jahrelang zweistellige Wachstum ab: Der kumulierte Gesamtumsatz der Next Six stieg erstmals seit Jahren mit knapp 9 Prozent nur noch einstellig, während diese Kennzahl 2023 und 2024 noch bei knapp 16 Prozent lag. Beim Steuerumsatz zeigt sich bei einem Plus von 7,5 Prozent dasselbe Bild: Die Dynamik kühlt ab. Ein Grund zur Beunruhigung? Wohl kaum. Eher ein Ausdruck der Verlagerung von Umsätzen.
Steuerumsatz: Rödl bleibt einsam an der Spitze
Beim Steuerumsatz hat sich im Gesamtbild über fünf Jahre erstaunlich wenig getan – und gleichzeitig viel. Rödl ist seit 2021 unangefochtene Nummer 1 unter den Next Six. Sie bleibt die einzige Next-Six-Gesellschaft, deren Steuereinnahmen sich auf mehr als 200 Millionen Euro belaufen. Mit einer Quote des Steuerumsatzes am deutschen Gesamtumsatz von stabilen 48 Prozent ist das Nürnberger Haus die mit Abstand steuerlastigste Gesellschaft der Gruppe – obwohl es beim in Deutschland erzielten Gesamtumsatz nur auf Rang 3 liegt.
Dahinter zieht RSM Ebner Stolz mit 180,2 Millionen Euro davon (+7,4 Prozent) und verteidigt knapp Platz 2 vor BDO (169,2 Millionen Euro, +12,0 Prozent). Bemerkenswert: BDO ist die einzige Gesellschaft der Next Six, die 2025 noch ein zweistelliges Steuerwachstum vorlegt. Anders Forvis Mazars, Grant Thornton und Baker Tilly: Sie wachsen in der Steuer- und Steuerrechtsberatung alle um rund sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.
RSM Ebner Stolz überholt BDO – aber Tax verliert
Relevanter ist der Gesamtumsatz. Hier ist das Schwergewichts-Duell entschieden: RSM Ebner Stolz hat BDO 2024 überholt und den Abstand 2025 auf rund 27 Millionen Euro ausgebaut. Mit 535,2 Millionen Euro (+11,2 Prozent) ist die Stuttgarter Sozietät die erste Big-Four-Verfolgerin. Treiber war laut Unternehmen vor allem die Wirtschaftsprüfung (+19,8 Prozent auf 163,7 Millionen Euro), getragen von Mandatsgewinnen wie Deutsche Euroshop und Job Rad sowie dem Inbound-Geschäft aus dem RSM-Netzwerk.
Die Steuerberatung bleibt zwar mit 33,7 Prozent größter Einzelbereich, hat aber relativ an Gewicht verloren. Hinter dem nominalen Steuerwachstum stehen vor allem M&A-Tax-Mandate für Private-Equity-Investoren und die Vorbereitung auf die Erbschaftsteuerreform.
BDO knackt mit 508,3 Millionen Euro Gesamtumsatz (+10,2 Prozent) erstmals die halbe Milliarde – das vierte zweistellige Wachstumsjahr in Folge. Tax & Legal kommt auf 202 Millionen Euro (+10,8 Prozent), der reine Steuerumsatz auf 169,2 Millionen Euro.
Bei BDO schlagen sich die hohen Investitionen in die Tax-Technology-Plattform und KI-Tools messbar in der Pro-Kopf-Produktivität nieder: Der Umsatz pro Steuer-Mitarbeiter stieg von 162.000 Euro im Jahr 2021 auf 223.000 Euro – der stärkste Anstieg im Feld. Allerdings ist die Gesellschaft zuletzt auch deutlich seniorer geworden: Sie hat 2025 die Zahl der Steuerberufsträger sprunghaft auf 319 FTE ausgebaut. Die Folge: Der Umsatz pro Berufsträger fiel von 637.000 auf 530.000 Euro.
Forvis Mazars: Wachstumssieger trotz schwächelnder Steuersparte
Den größten Umsatzsprung im Fünfjahreszeitraum hat Forvis Mazars hingelegt: +82,2 Prozent seit 2021, von 204,2 auf 372,0 Millionen Euro Gesamtumsatz. Doch das Wachstum ist nicht steuergetrieben: Der Steueranteil sank über die Jahre von 47,4 auf 38,2 Prozent.
Ähnlich wie bei RSM Ebner Stolz ist es bei Forvis Mazars vor allem das Prüfungsgeschäft, das den Unterschied macht. Der Bereich Audit legte um 13 Prozent auf 138 Millionen Euro zu. Erstmals flossen die Honorare für die Prüfung von UBS Europe und Morgan Stanley in die Zahlen ein. Mit der Europäischen Zentralbank und der fusionierten Barmenia Gothaer kamen weitere Mandate im Sektor Banken und Versicherungen hinzu. Die Anzahl der geprüften Unternehmen von öffentlichem Interesse stieg der Gesellschaft zufolge auf deutlich über 70.
Private Equity als Gamechanger?
Eine besondere Rolle spielen bei den Next Six die Private-Equity-Investoren: Während BDO wiederholt Finanzinvestoren eine Absage erteilt hat, hat sich Baker Tilly erst in letzter Minute gegen einen Einstieg entschieden. Grant Thornton wiederum ist die Gesellschaft, die mit Cinven auf einen Big-Ticket-Partner setzt.
Die Motive für das Investoreninteresse an Baker Tilly und Grant Thornton sind jedenfalls beim Blick auf die Entwicklung des Gesamtumsatzes im Fünfjahreszeitraum nachvollziehbar: Beide Gesellschaften wuchsen zwischen 2021 und 2025 ‚nur‘ um jeweils rund 55 Prozent, während die Werte bei BDO (+67 Prozent), RSM Ebner Stolz (+78 Prozent) und Forvis Mazars (+82 Prozent) deutlich höher liegen.