WTS setzte im Geschäftsjahr 2024/2025 (das bereits am 30.06.2025 endete) in der Steuerberatung rund 228 Millionen Euro um (+7 Prozent). Damit steht das Beratungshaus nun auch im zweiten Jahr hintereinander vor Flick Gocke Schaumburg. Die steuerzentrierte Anwaltskanzlei kam 2025 auf 223,2 Millionen Euro (+8,1 Prozent).
So endet im Steuersegment ein langjähriger Status quo: Noch 2021 lag Flick Gocke mit 171,0 Millionen Euro Steuerumsatz deutlich vor WTS (149,0 Millionen Euro). In nur vier Jahren hat WTS diesen Rückstand nicht bloß aufgeholt, sondern in einen kleinen Vorsprung verwandelt.
Beim Gesamtumsatz dagegen hat Flick Gocke noch die Nase vorn: 279,0 Millionen Euro gegen 254,1 Millionen Euro. Doch der Vorsprung schmilzt kontinuierlich. Nicht nur hat WTS erstmals die Marke von einer Viertelmilliarde Euro überschritten, vor allem steht die Beratungsgesellschaft mit dem im vergangenen Jahr vollzogenen Einstieg des Private-Equity-Hauses EQT ohnehin vor einer neuen Zeitrechnung.
Steuerumsatz: WTS dreht den Spieß um
Um die Entwicklung beider Wettbewerber einzuschätzen, lohnt der Blick auf die vergangenen fünf Jahre. Zwischen 2021 und 2025 legte der Steuerumsatz von WTS um 52,7 Prozent zu, während Flick Gocke auf ein Plus von 30,5 Prozent kommt.
Wachstumstreiber bei WTS im vergangenen Geschäftsjahr waren nach eigenen Angaben die steuerliche Begleitung der Finanzbranche sowie die Beratung an der Schnittstelle von Steuern und Technologie. Digitallösungen kamen vor allem beim Thema Pillar II sowie bei Tax-Reporting-Implementierungen zum Einsatz, ergänzt durch lebhafte Nachfrage nach E-Rechnungs-Projekten und indirekten Steuern.
Bemerkenswert: WTS rückt strukturell immer stärker an das Profil einer reinen Steuerberatungsboutique heran. Der Steueranteil am Gesamtumsatz kletterte von 82,3 Prozent (2021) auf 89,5 Prozent (2025). Flick Gocke hingegen hält den Steueranteil seit Jahren bemerkenswert konstant bei rund 80 Prozent.
Flick Gocke in eigener Produktivitätsliga
Hinter den Umsatzzahlen verbergen sich grundverschiedene Geschäftsmodelle. WTS steht für großvolumige Dauerberatung und Outsourcing-Geschäft, das WTS ‚Business Partnering’ nennt. So wächst das Beratungshaus primär über Masse: Die Zahl der Steuer-Mitarbeitenden (FTE) stieg von 640,0 im Jahr 2021 auf 978,3 im Jahr 2025 – ein Plus von 52,9 Prozent. Flick Gocke dagegen legte im Steuerbereich nur um 16,9 Prozent zu (von 343,8 auf 401,9 FTE).
Die Effizienz-Kennzahlen sprechen insofern klar für Flick Gocke: Der Umsatz pro Steuer-Mitarbeitendem lag 2025 bei 555.000 Euro – rund das Doppelte des WTS-Werts von 233.000 Euro. Auf Partnerebene generierte ein Flick Gocke-Equity-Partner im Steuerbereich im Schnitt 3,235 Millionen Euro Umsatz, bei WTS waren es 2,452 Millionen Euro. Strukturell erklärt sich das durch die hohe Berufsträgerdichte und das unterschiedliche Geschäftsmodell: Bei Flick Gocke sind rund 77 Prozent der Steuer-Mitarbeitenden zugleich Berufsträger, bei WTS sind es 41 Prozent.
Transformationsjahr: Baker-Team und Inhouse-Zugänge
Strategisch war 2024/2025 für WTS bereits ein Vorbereitungsjahr für den nächsten Sprung. Zum Juni 2025 wechselte ein Steuerrechtsteam um die langjährigen Baker McKenzie-Partner Dr. Thomas Schänzle und Florian Gimmler zu WTS. Schänzle rückte in das erweiterte Executive Management Board vor, Gimmler übernahm die Service Line Global Transfer Pricing. WTS-CEO Fritz Esterer bezeichnete die Zugänge vor einem Jahr als „ersten großen Aufschlag“ mit dem neuen Partner EQT.
Vorstandsmitglied Jürgen Scholz dämpfte allerdings zu hohe Erwartungen: „Die letzten Team-Zugänge in den Bereichen Corporate Tax, International Tax und Verrechnungspreise erfolgten zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres und werden sich erst im laufenden Geschäftsjahr positiv bemerkbar machen.“ Die Umsatzeffekte aus dem Baker-Zugang dürften also erst die zum 30.06.2026 endende Bilanz prägen.
2025/2026: EQT, Viebrock, Tax-Tech-Köpfe
Im laufenden Geschäftsjahr begann die Partnerschaft mit dem schwedischen PE-Haus EQT, das die Kapitalmehrheit übernommen hat. Esterers Marschroute ist klar: „Wir wollen in Europa expandieren und damit auch WTS Global weiter stärken. Das größte Wachstum erwarten wir im europäischen Ausland.“ Mittelfristig formuliert das Vorstandsmitglied Scholz eine ambitionierte Zielmarke: „In drei bis fünf Jahren“ wolle WTS in die Phalanx der Big Four vorstoßen – „mit organischem und anorganischem Wachstum“.
Personell ist die Schlagzahl bereits hoch. Zum nächsten Geschäftsjahr, das im Juli startet, übernimmt der bisherige PwC Tax & Legal-Chef Björn Viebrock den CEO-Posten bei WTS Deutschland und perspektivisch auch die Holding von Esterer. Ein bemerkenswerter Coup: Viebrock führte bei PwC einen Bereich mit zuletzt 687,7 Millionen Euro Umsatz – fast das Dreifache des WTS-Steuerumsatzes. Mit Prof. Dr. Stephan Rasch (TP-Controversy) und Marion Leherpeur stoßen zudem zwei weitere PwC-Schwergewichte zur WTS, ebenso Tax-Technology-Partner Hubert Bauer.
Allerdings: Die Bewegung verläuft auch in die Gegenrichtung. Im Januar wechselte ein eingespieltes Tax-Technology-Team um die Partner Sascha Schöben, András Szigeti und Lars Bax zu Deloitte. Im Verrechnungspreis- und Tax-Technology-Bereich verlor WTS zudem die Managing-Directors Andreas Riedl und Andrea Groiß an Alvarez & Marsal. Auch Konzernsteuerpartner Axel Wagner ging zu Grant Thornton. Diese Abgänge dürften die Schubkraft aus den prominenten Zugängen zumindest teilweise dämpfen.
Ausblick: Duell mit offenem Ausgang
Für 2025/2026 stehen die Vorzeichen bei WTS auf Beschleunigung. Die ganzjährigen Effekte des Baker-Teams, die Zugänge im Verrechnungspreis-Bereich, der frische EQT-Kapitalrahmen und der CEO-Wechsel zu Viebrock dürften die Umsatzdynamik im Steuerbereich weiter erhöhen – sofern die zeitgleichen Abgänge im Tax-Tech-Bereich nicht überproportional bremsen. Eine spürbare Verschiebung gegenüber Flick Gocke auch beim Gesamtumsatz erscheint damit erstmals in Reichweite.