Ausbildung

BStBK launcht neuen Fachassistenten für Digitalisierung und IT-Prozesse

Die Bundessteuerberaterkammer hat eine neue Fortbildung für Buchhalter und Steuer­assistenten gelauncht: Den ‚Fachassistent für Digitalisierung und IT-Prozesse‘. Die Kammerpläne kommen reichlich spät. Autarke Initiativen zeigen längst, wie es geht.

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Bei ihrer Vollversammlung im September 2020 hat die Bundessteuerberaterkammer (BStBK) eine Fortbildung präsentiert, die das Problem der fehlenden Digitalisierungskompetenz in zahlreichen Steuerkanzleien beheben soll: Die Standesvertretung hat die Ausbildung zum ‚Fachassistenten Digitalisierung und IT-Prozesse‘ (kurz FAIT) ins Leben gerufen.

Ulrich Gehrke
Ulrich Gehrke

Allerdings steht bislang nur die grobe Fahrtrichtung fest: „Gesamtziel der Fortbildung ist es, dass Kanzlei­mitarbeiter Steuerberater bei der Organisation, Umsetzung und Weiter­entwicklung einer Digitalstrategie un­terstützen und medienbruchfreien Daten- und Informationsaustausch sicherstellen können“, heißt es in einer Pressemitteilung der BStBK. 

Die Fachassistenten sollen nach dem Willen der BStBK dazu befähigt werden, einen notwendigen Überblick über Arbeitsabläufe in ihrer Kanzlei und den damit verbundenen Datenflüssen und Schnittstellen zu haben und diese zu steuern, um eine optimale digitale Verknüpfung mit Mandanten oder der Finanzverwaltung herzustellen. Im März 2022 sollen die ersten Prüfungen stattfinden.

Das ist spät. Denn besonders kleine und mittelgroße Sozietäten sind im Vergleich zu den Branchengrößen nur unzureichend auf digitalisierte Prozesse eingestellt, ebenso viele ihrer Mandanten, beobachten Marktkenner. Und sie drohen Marktanteile zu verlieren.

Dass die BStBK mit ihrem Vorhaben zwar spät dran, aber auf dem richtigen Weg ist, zeigt das breite Interesse im Markt. Denn es gibt schon eine Vielzahl anderer Initiativen, die sich konkret der digitalen Fortbildung von Steuerfachangestellten oder Steuerberatern verschrieben haben.

Einer, der schon vorher gegenge­steuert hat, ist Ulrich Gehrke. Seine Kanzlei Gehrke Econ aus Isernhagen und Hannover hat Mitarbeiter schon vor der Pandemie auf eigene Faust schulen lassen und zählt nun acht Steuerspezialisten mit technischem Verständnis in ihren Reihen. Namenspartner Gehrke weiß diesen Mehrwert zu schätzen und begrüßt daher das Vorhaben der BStBK: „Man kann gar nicht genug Menschen mit diesen Kompetenzen im Team haben.“

Autarke Initiativen vorne.

Marco Czeczka
Marco Czeczka

„Die Fortbildung der BStBK ist längst überfällig. Selbst die gängige Datev-Software nutzen die meisten Steuerbüros nur zu 40 Prozent, weil nur in Bereichen und nicht übergreifend gedacht wird“, sagt der Dortmunder Steuerberater Marco Czeczka, der sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema befasst und eigene Schulungen in Kanzleien anbietet. Es gebe zwar volle Auftragsbücher, aber das Geschäft habe sich verändert und diese Entwicklung sollte nicht verpasst werden.

Neben Czeczka gibt es auch andere, die das Potenzial digitaler Kanzleiorganisation erkannt haben: Etwa das Netzwerk VIP Steuerköpfe, initiiert von Mario Tutas, Mitinhaber der Cuxhavener Kanzlei TKP Tutas Kruse & Partner, und von Claas Beckmann, der unter anderem das Portal steuerkoepfe.de betreibt: Den Netzwerkmitgliedern steht eine digitale Zusatzausbildung für deren Auszubildenden zur Verfügung. „Die Auszubildenden sollen lernen, wie sie die Prozesse ihrer Kanzlei fortlaufend verbessern können“, so Tutas.

Stefan Kaumeier vom IT-Dienstleister Dekodi schuf darüber hinaus den ersten Lehrgang in Deutschland, in dem Steuerfachkräfte lernen können, Schnittstellen zu nutzen, unterschiedliche Systeme miteinander zu vernetzen oder Prozesse im kaufmännischen Rechnungswesen vollständig zu automatisieren – den ‚Buchhaltroniker‘. 

„Statt Fachkräfte durch Algorithmen zu ersetzen, sollten Führungskräfte dringend dafür sorgen, dass ihre Mit­arbeiter befähigt werden, die Möglichkeiten der Digitalisierung zielgerichtet und effizient einzusetzen. Immer mehr Mandanten schöpfen bereits die technischen Potenziale aus und verlangen zu Recht ein Gegenüber, das ihre Sprache und Bedürfnisse versteht“, so Kaumeier.

Gehrke sieht in all dem eine große Chance für die Zukunft des Berufsstandes. Denn wenn Prozesse optimiert werden, werden zeitintensive Aufgaben eingespart, etwa bei der Buchhaltung oder der Jahresabschlusserstellung und man kann sich auf andere Themen konzentrieren. Davon profitieren nicht nur die Steuerberatungsgesellschaften, sondern auch die Mitarbeiter.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des JUVE Steuermarkt

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