Der Aufstieg des Mainzer Impfstoffgiganten Biontech durch Corona ist in aller Munde. Doch es gibt auch andere deutsche Unternehmen, die während der Pandemie rasant an Bedeutung gewonnen haben. Unter ihnen die Darmstädter R-Biopharm. Unter anderem haben die Hessen im Oktober 2020 als erstes deutsches Unternehmen einen SARS-CoV-2 Antigen-Schnelltest entwickelt und zusammen mit Bosch einen PCR-Test auf den Markt gebracht. Einen PCR-Test zum Nachweis des Affenpockenvirus für Forschungszwecke hat R-Biopharm erst im Juni angekündigt. Das 1988 gegründete Familienunternehmen ist eigenen Angaben zufolge Weltmarktführer für Testsysteme im Bereich Allergenanalytik und beschäftigt weltweit rund 1.300 Mitarbeiter.
Nun haben sich die Hessen gänzlich freigeschwommen und erweitert: Die Anteile bisheriger Investoren wurden aufgekauft. Das Unternehmen ist nun ausschließlich in Familienbesitz. Nach JUVE Steuermarkt-Informationen hielt die Familie bislang 75 Prozent des Unternehmens. Bisheriger Hauptinvestor mit der größten Minderheitsbeteiligung war die Stuttgarter BWK Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, die vor allem in mittelständische Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum investiert und aktuell 300 Millionen Euro an Beteiligungen verwaltet. Hauptgesellschafter von BWK ist die Landesbank Baden-Württemberg sowie der ebenfalls in Stuttgart beheimatete Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische, der vor allem wegen seines Bauspargeschäftes bekannt ist.
Im Zuge der Expansion haben die Darmstädter nun zeitglich den australischen Labordiagnostikhersteller AusDiagnostics übernommen. Das Unternehmen will damit seine Weltmarktstellung im Bereich der Labordiagnostik weiter ausbauen. AusDiagnostics beschäftigt 92 Mitarbeiter und ist besonders im Bereich der molekularbiologischen Multiplex-Diagnostik spezialisiert.
Investoren-Buy-out:
Berater Family Office R-Biopharm
Dentons (Frankfurt): Dr. Christoph Papenheim (Corporate/M&A)
Berater BWK Unternehmensbeteiligungsgesellschaft
Rittershaus (Mannheim): Dr. Moritz Weber (Federführung), Dr. Christina Eschenfelder (beide Corporate/M&A)
Transaktion AusDiagnostics:
Berater R-Biopharm bei Kauf von AusDiagnostics
Rödl (Nürnberg): Florian Kaiser (Federführung; M&A Tax), Jochen Reis (Frankfurt; Finance)
Dentons (Frankfurt): Dr. Christoph Papenheim (Federführung), Christopher Colclough (beide Corporate/M&A), Nick Harrison (Technologierecht; beide Milton Keynes), Tonya Vachirasomboon (Indianapolis; Corporate), Geoff Cairns (Sidney; Corporate/M&A), Martin Dalgleish (Wellington; Corporate/Commercial); Lin Liu, Celine Brunett, Rebekah Hobbs (Milton Keynes), Candise E. Caylao, Sarah M. Pennington (beide Louisville), Kate Mansfield, Hugh Cranendonk (beide Sydney; alle Corporate, M&A), Michael Hoffmann (Indianapolis; Corporate), Liam Phipps, Cashill Tims (beide Wellington; beide Corporate/Commercial), Pardeep Jagpal, Rose McDowall (beide Technologierecht), Victoria Albon, Kate Coppack (beide Arbeitsrecht), Sarah Wilson (Immobilienwirtschaftsrecht; alle Milton Keynes)
Berater AusDiagnostics
Accru Felsers (Sidney): Brett Cox (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Zwei Deals auf einen Schlag konnte der Frankfurter M&A-Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Dentons Papenheim mit R-Biopharm betreuen. Einerseits vertrat er die Eignerfamilie beim Kauf der Minderheitsbeteiligung an R-Biopharm und dann das Unternehmen selbst beim Kauf der australischen AusDiagnostics. Von Seiten Dentons war dabei ein internationales Team aus Großbritannien, den USA, Deutschland, Australien und Neuseeland beteiligt. BWK wiederum wurde rechtlich von Rittershaus in Mannheim unter Federführung des Corporate-Partners Dr. Moritz Weber betreut. Rittershaus hat traditionell sehr gute Beziehungen zu Familienunternehmen und Investoren. Die Wirtschaftskanzlei vertritt BWK regelmäßig und hat die Beteiligungsgesellschaft in der Vergangenheit unter anderem schon beim Erwerb der Mehrheitsbeteiligung am Fertigbäderproduzenten Rasselstein Raumsysteme mit Sitz im rheinland-pfälzischen Neuwied beraten.
Die Nürnberger Next-Six-Gesellschaft Rödl wiederum hat sich beim R-Biopharm-Mandat beim Kauf von AusDiagnostics in einem Pitch durchgesetzt. R-Biopharm habe dem Vernehmen nach gezielt eine Kanzlei gesucht, die international und interdisziplinär aus einer Hand unterstützen könne. Steuerlich hat Rödl unter Federführung des Nürnberger M&A-Tax-Partners Florian Kaiser vollumfänglich beraten: dazu habe vor allem die Durchführung der Tax Due Diligence in Australien, Großbritannien, den USA und Neuseeland gehört. Ferner hat die Next-Six-Gesellschaft auch die grenzüberschreitende steueroptimale Akquisitionsstrukturierung und deren Umsetzung in der Transaktionsdokumentation, sowie die Erstellung der Steuerklauseln und deren Verhandlung vorgenommen. AusDiagnostics dagegen wurde nach Informationen von JUVE Steuermarkt von einer regionalen australischen Kanzlei betreut.