Automobilindustrie

Stellantis erwirbt Share Now mit Bird & Bird und PwC

Der französisch-italienische Automobilkonzern Stellantis hat durch seine Tochter Free2move den Carsharing-Dienst Share Now von BMW und Mercedes-Benz für geschätzte 250 Millionen Euro erworben. Erst 2019 hatten BMW und Daimler ihre beiden Carsharing-Unternehmen Car2go und DriveNow zu Share Now zusammengelegt.  

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Carsharing verkauft (Foto: Share Now)

Die beiden deutschen Autobauer tragen damit ein Großprojekt der ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche und Harald Krüger zu Grabe. Anfang 2019 hatten beide Konzernführer noch bei der Fusion ihrer Carsharing-Sparten verkündet, einen „neuen Player und Gamechanger im Wachstumsmarkt für urbane Mobilität“ schaffen zu wollen. Eine Milliarde Euro wollten die Münchner und Stuttgarter dazu investieren. Eine Summe, gegen die der jetzige geschätzte Kaufpreis des Joint Ventures von 250 Millionen Euro eher klein ausfällt. Gerade mit Corona war die Auslastung der Share-Now-Flotte stark eingebrochen. 

Falk Loose

Stellantis will nun seine Tochter Free2move zum weltweit führenden Mobilitätsanbieter machen. Das Unternehmen hatte im März erst die Konzernschwester und händlereigene Autovermietung Opel Rent übernommen. Dabei setzt Free2move auf ein anderes Konzept als zuvor Share Now: Das Geschäftsmodell erstreckt sich neben der stationären Autovermietung auch auf das Betreiben von Parkplätzen und Ladestationen, Dauervermietungen, Chauffeurfahrten sowie auf Leasing- und Flottenmanagement. Free2move geht daher stärker in Richtung diversifizierter Mobilitätsdienstler. Share Now trat hingegen mit dem Ziel an, „voll-elektrische und selbstfahrende Flotten, die sich selbständig aufladen und parken“ zu schaffen, so der damalige BMW-Chef Harald Krüger. Allerdings hatten sich BMW und Mercedes bereits im vergangenen Jahr schon von der zum Mobilitätspaket um Share Now gehörenden Plattform Park Now getrennt. Die App, mit der man unter anderem online Parkplätze buchen und bezahlen konnte, ging an den schwedischen Mobilitätsdienstleister EasyPark.

Share Now besitzt europaweit in 16 verschiedenen Städten etwa 11.000 Automobile. Damit steht das Unternehmen an der Marktspitze der Carsharing-Anbieter. Die Stellantis-Tochter Free2move zählte bislang nur eine Flotte von etwa 2.500 Fahrzeugen. 

Stellantis ging 2021 aus der Fusion der Automobilkonzerne PSA und Fiat Chrysler hervor. Der Konzern stieg damit zum viertgrößten Autobauer der Welt auf mit Marken wie Opel, Peugeot und Chrysler. Stellantis beschäftigt weltweit fast 300.000 Mitarbeiter.

Die aktuelle Transaktion muss noch kartellrechtlich genehmigt werden.

Ralf Braunagel

Berater Stellantis
Bird & Bird: Dr. Kai Kerger (Federführung; Frankfurt), Carole Bodin (internationale Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Alexander Duisberg (München), Dr. Miriam Ballhausen (beide IT-Recht; Hamburg), Dr. Markus Körner (IP; München), Dr. Matthias Lang (Regulierung; Düsseldorf), Dr. Barbara Geck (Arbeitsrecht; Frankfurt), Anne-Charlotte Le Bihan (IP), Ariane Mole (Datenschutz), Boris Martor (Regulierung), Alexandre Vuchot, Stéphane Leriche (beide IT-Recht; alle Paris), Lourdes Ayala (Madrid), Alberto Salvadé (Mailand), Pauline Vos (Den Haag; alle Corporate/M&A); Associates: Johanna Schindler, Tamara Böhmert (beide Corporate/M&A; beide Frankfurt), Sofia El Biyed, Céline Sol (beide Coporate/M&A), Claire Bratel (IP), Oriane Zubcevic, Marine Besson (beide Datenschutz), Raphael Weiss (Regulierung), Sacha Bettach (IT-Recht; alle Paris)
Racine (Paris): Bastien Thomas; Associates: François Aubin, Cécilia Pataut (alle Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt
PricewaterhouseCoopers Legal: Delphine Bocquet (Paris), Ralf Ulrich Braunagel (beide Steuerrecht; Frankfurt), Fanny Marchiset (Arbeitsrecht; Paris); Associates: Julien Martinez (Paris), Wiebke 
Henning (Frankfurt; beide Steuerrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater BMW/Mercedes-Benz Mobility
Hogan Lovells (München): Dr. Nikolas Zirngibl (Corporate/M&A), Dr. Stefan Schuppert (IP), Dr. Falk Schöning (Regulierung; Brüssel), Andreas Thun (Corporate), Dr. Susann Brackmann (Restrukturierung/Insolvenzrecht; Hamburg), Dr. Falk Loose (Steuerrecht); Associates: Thiemo Woertge, Dominik Lang, Kilian Pfahl (alle Corporate/M&A), Stefan Kirwitzke (Regulierung; Brüssel)
Inhouse Recht (BMW): Dr. Gregor Janisch (Legal Counsel), Dr. Alexander Holl (Senior Corporate Legal Counsel), Dr. Torsten Dilly (Senior Legal Counsel IP), Silvia Meier (Legal Counsel IP) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Mercedes-Benz Mobility): Florian Stübel (Head of Legal M&A and Cooperations Technology M&A and Venture), Teresa Bauer (Legal Counsel M&A and Cooperations Technology M&A and Venture) – aus dem Markt bekannt

Notar
Schwab Weiler (München): Dr. Simon Weiler – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Stellantis bzw. ihre Vorgängerin PSA hat in der Vergangenheit des Öfteren Bird & Bird mandatiert. Steuerlich verhandelte Bird & Bird vom Pariser Büro aus die Steuerklauseln. Zur Seite Stand PwC Frankreich, die ihrerseits die deutsche Struktur der Big Four um den Frankfurter Steuerpartner und Private-Equity-Tax-Leader Dr. Ralf Ulrich Braunagel für die deutsche Tax Due Diligence mit ins Boot holte. 

Auch Hogan Lovells schaut auf eine längere Mandantenhistorie in diesem Fall zurück: Der Münchner Steuerrechtler und Counsel Dr. Falk Loose hatte die damalige Daimler Mobility bereits bei der Fusion von Car2Go und DriveNow steuerlich beraten, damals in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Münchner Steuerteams von Hogan Lovells Dr. Ingmar Doerr.

BMW ist 2019 bei der Fusion noch von Norton Rose Fulbright beraten worden. Die steuerliche Beratung hatte dabei der Münchner Steuerrechtler und Counsel Dr. Frank Bayer übernommen. Norton Rose Fulbright war diesmal nicht mit von der Partie. Frank Bayer hat die Kanzlei 2020 verlassen und sich sich selbständig gemacht. Nach JUVE Steuermarkt-Informationen gab es eine Abstimmung zwischen Hogan Lovells und Norton Rose Fulbright, dass beide Kanzleien abwechselnd tätig werden, sollte nach der Fusion 2019 Beratungsbedarf zu dem Joint Venture entstehen. Daher habe Norton Rose Fulbright bei der Veräußerung von Park Now beraten und Hogan Lovells nun beim Verkauf von ShareNow.

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