JUVE Inhouse Steuern

„Der Druck und die Aggressivität nehmen zu“

Konzernsteuerfunktionen sind gefordert wie selten zuvor: Pillar I und II fordern Reportings in bisher nicht gekannter Art und Weise, sinkende Steuereinnahmen durch Corona und Ukraine-Krieg treiben weltweit Finanzverwaltungen zu drastischen Vorgehensweisen. Bayers Steuerchef Dirk Rosenberg erläutert, wie die Steuerfunktion des Weltkonzerns darauf reagiert.

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JUVE Steuermarkt: Wie wirkt sich das Thema globale Mindestbesteuerung und Pillar II auf Ihre Arbeit aus?
Dirk Rosenberg: Pillar II ist natürlich ein ganz spannendes multidimensionales Projekt. Man kann es auch negativ als Compliancemonster bezeichnen. Bei Bayer sind hier unterschiedliche Abteilungen gefordert: Natürlich die Steuerfunktion, dann aber auch das Accounting, Treasury, IT und natürlich auch die neu geschaffene Abteilung „Record to Report“. Für ein Projekt dieser Größenordnung ist allerdings keine Steuerfunktion hinreichend personell ausgestattet. Daher holten wir uns mit PricewaterhouseCoopers (PwC) auch sehr schnell externe Unterstützung an Bord. Die Big-Four-Gesellschaft kümmert sich um den Projektaufsatz und die Anbindung sowie Einbettung der entsprechenden IT-Lösungen. Die gesamte Deklaration wird dann bei uns erfolgen. Die Steuerung liegt ebenfalls bei uns im Bereich des Tax Accountings.

Wie sieht es mit Pillar I – also dem Thema zur gerechteren Verteilung der Besteuerungsrechte – bei Ihnen aus?
Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Pillar I und Pillar II. Qua Größenordnung würden wir im Umsatzvolumen auch unter Pillar I fallen. Und Pillar I ist natürlich auch wieder eine Steuer, die bei Pillar II zu berücksichtigen ist. Mehrere Layer an zusätzlichen Steuerberechnungen werden dadurch erforderlich. Das bedeutet für uns einen extremen Verwaltungsaufwand, der im Zweifelsfall nicht in Relation zu den Größenordnungen des Mehraufkommens steht. Wir hoffen daher sehr stark auf Vereinfachungen, wie diese bereits angeregt wurden.

Welche Themen sind daneben derzeit für Sie besonders drängend?
Ein Themengebiet, das uns besonders bewegt, ist das steuerliche Risikomanagement. Es geht darum, dass wir nicht mit einer Doppelbesteuerung enden, weil Staaten sich in Verständigungsverfahren nicht einigen können oder es sich um Länder handelt, mit denen es kein Doppelbesteuerungsabkommen gibt. Mit den Dokumentationsvoraussetzungen zusammen werden die Themen Risikomanagement und Betriebsprüfung über die kommenden Jahre noch auf ein ganz neues Niveau gehievt. Das wird irgendwann in ein digitales Realtime-Audit übergehen, so schnell wie Datenverwaltungen und Zugriffe von Finanzverwaltungen dann möglich sein müssen.

Und spüren Sie mehr Druck seitens der Finanzverwaltungen?
Der Druck steigt, weil die Finanzverwaltungen vieler Länder wegen der Covid-Krise und nach den Belastungen durch den Ukrainekrieg im Energiebereich nun vermehrt nach Einnahmequellen suchen. Wir sehen uns einem internationalen Steuerumfeld ausgesetzt, das versucht, immer aggressiver Mehraufkommen zu generieren in Zeiten knapper Kassen. Da geht es auch darum, dass wir unsere Positionen verteidigen können. Finanzverwaltungen weltweit haben erkannt, dass man dort am besten Steueraufkommen generiert, wo dies nicht gleichzeitig eine Umverteilung des Steueraufkommens innerhalb des eigenen Staates zum Beispiel durch Abschreibungen bei Muttergesellschaften zur Folge hat. Daher gehen viele Finanzbehörden genau dort mit einem übertriebenen Anspruch hinein, wo sie ein möglichst größeres Stück vom Kuchen aus anderen Staaten abbekommen können, wie zum Beispiel bei Verrechnungspreisen oder der Besteuerung ausländischer Betriebsstätten.

Mit welcher internen Aufstellung die Steuerfunktion von Bayer genau auf Herausforderungen reagiert und wie sich die Monsanto-Übernahme auf die Steuerfunktion ausgewirkt hat, lesen Sie im vollständigen Interview in der kürzlich erschienenen Ausgabe JUVE Steuermarkt Inhouse Steuern 2022.

Dirk Rosenberg ist zudem Referent auf der Tax Operations Konferenz 2022.

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