JUVE Inhouse Steuern

„Der Mangel an Ressourcen ist die größte Herausforderung“

Steuerfunktionen in mittelständischen Unternehmen stehen vor besonderen Herausforderungen: Gabriele Hilsebein, Steuerchefin beim Raumfahrtkonzern OHB, spricht im Interview mit JUVE Steuermarkt .

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Gabriele Hilsebein

Frau Hilsebein, Sie sind 2018 zu OHB gewechselt, um dort die Steuerfunktion aufzubauen. Was ist Ihr erstes Fazit nach rund vier Jahren?
Gabriele Hilsebein: OHB ist Deutschlands erster börsennotierter Luft- und Raumfahrtkonzern mit der Anteilsmehrheit noch im Familienbesitz, damit auch ein international tätiges mittelständisches Unternehmen, das extrem zukunftsorientiert ist. Das heißt für uns als Steuerabteilung, dass wir alle Steuerthemen auf dem Tisch haben, die man sich vorstellen kann, von internationalen wie Verrechnungspreisen und Betriebsstättenbesteuerung bis hin zu nationalen wie der Grunderwerbsteuer ist alles dabei.

Wie stehen Sie organisatorisch und personell da?
Es ist uns gelungen, bei OHB die Steuerkompetenzen in einer Konzernsteuerabteilung organisatorisch zu zentrieren und die Steuerabteilung an der Konzernspitze anzusiedeln – das heißt, ich berichte direkt an den Group CFO der OHB SE. Das ist ja schon allein deshalb ratsam, um die Vorgaben des IDW-PS 980 zu Tax Compliance Management Systemen zu erfüllen: Der Standard verlangt den entsprechenden „Tone at the Top“ und „Tone from the Top“ und die frühzeitige und umfassende Einbindung der Steuerabteilung in steuerrelevante Fragen. Personell sind wir zur Zeit drei Berufsträger, da wir im Wettbewerb um die klügsten Köpfe leider zwei Kolleginnen verloren haben.

Den Fachkräftemangel bekommen also auch Sie zu spüren?
Der Mangel an Ressourcen auf dem Markt ist die größte Herausforderung unserer Branche – damit meine ich personelle Ressourcen, aber auch geeignete IT-Unterstützung.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht? Ist es ein Problem der Hochschulen, die ja teilweise die steuerliche Ausbildung in den letzten Jahren zurückgeschraubt haben, oder ist es ein Problem der Studierenden?
Ich kann mir dazu kein Urteil erlauben. Vielleicht liegt es auch an der Attraktivität des Berufswegs Steuerberaterin bzw. Steuerberater. Dabei gibt es eine Vielzahl an Berufsausübungsformen und zahlreiche Tätigkeitsfelder, die eine Karriere in der Steuerberatung extrem interessant machen.

Inwiefern tangiert Sie das in der Steuerfunktion? Es ist doch schon seit Jahren so, dass – mal etwas böse formuliert – die Steuerabteilungen die Beratungsgesellschaften die Ausbildung machen lassen und sich dann lieber erfahrene Kräfte holen…
Das stimmt, die wenigsten Steuerabteilungen, insbesondere im Mittelstand, haben überhaupt die Kapazitäten, einen Berufsanfänger auszubilden. Das zu bewältigende Volumen im Tagesgeschäft ist einfach zu groß. Manche mögen das mittlerweile aus der Not heraus leisten, bei OHB machen wir das gegenwärtig nicht. Das heißt, wenn insgesamt weniger Menschen bei den Beratungsgesellschaften anfangen, bekommen wir das natürlich irgendwann auch zu spüren.

Welche Auswirkungen auf die Steuerfunktion von OHB Pillar I und II, die neuen Möglichkeiten von Tax Tools haben und ob Joint Audits auch bei OHB ein Thema sind, erfahren Sie im vollständigen Interview in der aktuellen Sonderausgabe JUVE Inhouse Steuern.

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