Public CbCR

„Die EU möchte Druck auf die Unternehmen ausüben”

Zukünftig müssen Country-by-Country Reportings (CbCR) öffentlich gemacht werden – das hat die Europäische Union (EU) beschlossen. Wer davon überhaupt betroffen ist und was sich die EU davon verspricht, erläutert Axel Eigelshoven, Verrechnungspreispartner bei PricewaterhouseCoopers (PwC) in Düsseldorf, im Interview.

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JUVE Steuermarkt: Herr Eigelshoven, das EU-Parlament hat am 12. November den Weg für Public CbCR freigemacht, die Richtlinie hierzu wird kommen. Anschließend haben die Mitgliedstaaten 18 Monate Zeit, dies in nationales Recht umzusetzen. Was steckt hinter dem Begriff Public CbCR?
Axel Eigelshoven: Der Grundgedanke hinter Public CbCR ist eine öffentliche, länderbezogene Berichterstattung. Unternehmen sollen in Zukunft Kennzahlen wie beispielsweise Umsatz, Gewinne, gezahlte Ertragsteuern oder Anzahl der Mitarbeiter pro Land der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. In erster Linie geht es um Unternehmensdaten für Aktivitäten innerhalb der EU. Aber auch Informationen von verbundenen Unternehmen in sogenannten „Black List” und „Grey List” Ländern müssen offengelegt werden. Dazu zählen derzeit Länder wie die Türkei und Thailand. 

Axel Eigelshoven von PwC Düsseldorf rät großen Unternehmen, sich mit dem Thema Public CbCR zu beschäftigen.

Was ist die politische Idee dahinter?
Mit dem Public CbCR verfolgt die EU das Ziel, mehr Steuertransparenz großer und mittelständischer Unternehmensgruppen herzustellen und somit der Öffentlichkeit Zugang zu diesen Daten zu verschaffen. Die EU hat vor allem die Öffentlichkeit im Blick und möchte Druck auf Unternehmen ausüben, dass die Gewinnverteilung transparent und plausibel ist. Dieses Thema wurde seit Beginn der Amtszeit der portugiesischen Ratspräsidentschaft in den Fokus gerückt mit dem Ziel, nach vielen Jahren der Diskussion zwischen den EU Staaten vor Ende ihrer Amtszeit zu einem Ergebnis zu kommen. 

Und was ändert sich konkret?
Bislang konnten Steuerpflichtige darauf vertrauen, dass die an die Finanzverwaltung übermittelten CbCR-Daten nicht veröffentlicht werden, sondern nur zwischen den verschiedenen Finanzbehörden ausgetauscht werden. Mit der Verpflichtung diese Informationen auf der Firmenwebsite bzw. im Handelsregister zugänglich zu machen, werden diese Daten nun für eine breite Öffentlichkeit zugänglich.  

Welche Unternehmen sind davon überhaupt betroffen und was sollten diese jetzt tun?
Betroffen sind grundsätzlich alle Unternehmen, deren Umsatz in zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils 750 Millionen Euro übersteigt. Zwar enthält die Richtlinie Hinweise auf weitere Ausnahmen von der Veröffentlichungspflicht, jedoch auch Missbrauchsvorschriften, sofern Strukturen gezielt gewählt werden, um einer Veröffentlichung zu entgehen. Unternehmen sollten jetzt anfangen, sich mit möglichen Konsequenzen der Veröffentlichung der Daten auseinanderzusetzen, um mögliche Auffälligkeiten und Inkonsistenzen zu erkennen, bevor die Veröffentlichung erfolgen muss.  

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Fallstricke?
Die Gewinnverteilung in der Unternehmensgruppe kann durch konzerninterne Verrechnungspreise beeinflusst werden. Bisher hatten Unternehmen bei der Festlegung der Verrechnungspreise im Wesentlichen die interne Steuerung der operativen Geschäftseinheiten und die Finanzverwaltung im Blick. Jetzt müssen weitere Stakeholder betrachtet werden, insbesondere die Öffentlichkeit, Kunden und Lieferanten. 

Wie sollten Beraterinnen und Berater nun reagieren?
Das Thema des Country-by-Country Reportings ist nicht neu. Zum einen werden die Daten bereits für das Country-By-Country Reporting im Rahmen des OECD BEPS Projekts erhoben und den Finanzverwaltungen übermittelt. Auch mit dem Public CbCR befassen wir uns zunehmend im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung zum Beispiel nach dem GRI Standard 207. Dieser wird bisher nur von wenigen Unternehmen freiwillig berichtet, wird aber – wie ich glaube – in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen. Wir können Unternehmen helfen aufzuzeigen, wie hoch die volkswirtschaftlichen Wertbeiträge des Unternehmens für die Gesellschaft sichtbar werden. 

In einigen Fällen ergibt sich auch unmittelbarer Beratungsbedarf, zum Beispiel könnten hohe Margen eines Werks eines Automobilzulieferers Preisnachverhandlungen durch den Kunden nach sich ziehen. Dauerverluste bei einer Tochtergesellschaft könnten der Öffentlichkeit schwer zu erklären sein und sind ohnehin ein Angriffspunkt für Finanzverwaltungen. Viele Unternehmen wollen auch die Festsetzung ihrer Verrechnungspreise digitalisieren, um manuelle Prozesse zu reduzieren und mehr Rechtssicherheit bei der Verteilung des Konzerngewinns zu erhalten. Hier können wir Lösungsmöglichkeiten aufzeigen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. 

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