Welche Eigenschaften braucht man Ihrer Meinung nach, um in Ihrem Beruf erfolgreich zu sein?
Um den Beruf des Steuerberaters gut auszuüben, reicht fachliches Wissen allein nicht aus. Wer bestehen will, braucht Urteilsvermögen und die Bereitschaft, Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Gleichzeitig erfordert der Beruf ein hohes Maß an Disziplin, Belastbarkeit und Lernwille. Das Steuerrecht verändert sich ständig – wer nicht dranbleibt, fällt schnell zurück. Ebenso wichtig ist Kommunikationsstärke: Komplexe Themen müssen so vermittelt werden, dass Mandanten daraus klare Entscheidungen ableiten können.
Was begeistert Sie an Ihrem Job, das Sie zu Beginn Ihrer Laufbahn nicht erwartet hätten?
Zu Beginn meiner Laufbahn hätte ich nicht erwartet, wie dynamisch und lebendig das Steuerrecht tatsächlich ist. Von außen wirkt es oft wie ein starres Regelwerk – in der Praxis ist es jedoch geprägt von ständigen gesetzlichen Änderungen, neuen Rechtsprechungen und sich wandelnden Rahmenbedingungen. Diese Dynamik sorgt dafür, dass der Beruf nie langweilig wird, und erfordert zugleich die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das macht es für mich besonders interessant. Ebenso überraschend war für mich die Intensität des persönlichen Kontakts mit Mandanten. Über die Jahre entwickelt sich häufig ein Vertrauensverhältnis, das weit über rein steuerliche Fragestellungen hinausgeht. In vielen Situationen wird man nicht nur als Steuerberater, sondern auch als eine Art Lebensbegleiter wahrgenommen – etwa bei unternehmerischen Veränderungen, Nachfolgefragen oder auch in schwierigen persönlichen Phasen.
Was bedeutet „Work-Life-Balance“ für Sie persönlich?
Mein Verständnis von Work-Life-Balance hat sich insbesondere mit dem Muttersein verändert: weg vom Anspruch, allem gleichzeitig gerecht zu werden, hin zu bewusster Prioritätensetzung. In unserem Beruf gibt es Phasen hoher Belastung – umso wichtiger ist es, Auszeiten ebenso verbindlich einzuplanen. Gerade in einer beratenden Tätigkeit mit hoher Verantwortung gegenüber Mandanten gibt es Phasen, in denen man abliefern muss. Gleichzeitig sind klare Grenzen und echte Präsenz im Privaten wichtig. Zeit ist (leider) begrenzt – entscheidend ist daher, sie bewusst zu gestalten.