Wie schaffen Sie es, nach einem langen Arbeitstag abzuschalten?
Den größten Ausgleich zu meinem durchaus turbulenten Job bietet mir meine Familie. In meiner Doppelrolle – einerseits als Partnerin bei KPMG und andererseits als Ehefrau und Mutter zweier Kinder – hilft sie mir, im Alltag ganz automatisch abzuschalten und auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Wenn es dann um elementare Fragen wie „Was gibt es zum Abendessen?“, „Gehst du mit mir neue Fußballschuhe kaufen?“ oder „Für welchen Tanzpartner soll ich mich entscheiden?“ geht, schaltet man ganz von selbst von der Arbeit ab. Zudem verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie in den Bergen und der Natur – im Winter beim Skifahren und im Sommer beim Wandern oder auf dem Mountainbike. Das hilft auch sehr, um den Kopf freizubekommen.
Was begeistert Sie an Ihrem Job, das Sie zu Beginn Ihrer Laufbahn nicht erwartet hätten?
Ich hätte tatsächlich nicht erwartet, dass die Aufgaben so vielfältig und spannend sind und man sich auch selbst permanent weiterentwickeln und neu erfinden kann und muss. Tatsächlich hat man als Steuerberater in einem derartigen Umfeld wie bei KPMG die Möglichkeit, nicht nur sehr tiefe Einblicke in bedeutende und namhafte Unternehmen zu bekommen, sondern diese auch bei entscheidenden Transaktionen, der Umsetzung von innovativen Geschäftsmodellen oder der Erschließung neuer Märkte zu unterstützen, indem man sie durch eine komplexe Regulatorik im internationalen Umfeld navigiert und auch strategisch begleitet. Dies hatte ich am Anfang meiner beruflichen Karriere so nicht erwartet, sondern ich war eher von dem etwas – aus heutiger Sicht völlig zu Unrecht – angestaubten und langweiligen Image des Steuerberaters ausgegangen, der nur stupide Steuererklärungsformulare ausfüllt. Zudem ist die Steuerberatung bei aller Digitalisierung ein People-Business, und das Arbeiten in multidisziplinären Teams, um die beste Lösung für den Mandanten zu erarbeiten, hat mir schon immer sehr viel Freude bereitet. Insofern freut es mich sehr – was ich zu Beginn meiner Laufbahn ebenfalls in der Form nicht erwartet hätte –, dass sich für mich im Laufe der Jahre auch die Möglichkeit ergeben hat, verschiedene Führungsrollen zu übernehmen, sowie nunmehr auch die Position als CHRO in Tax zu bekleiden.
Was ist das Spannendste oder Denkwürdigste, das Ihnen bisher in Ihrem Berufsalltag passiert ist?
Ich habe mich über 20 Jahre hinweg mit einer sehr komplexen Fragestellung für einen Mandanten in unterschiedlichen Konstellationen beschäftigt und hatte so letztendlich die relevanten Themen, Prozesse und zugrundeliegenden Lebenssachverhalte so verinnerlicht, dass ich teilweise das Gefühl hatte, diese besser zu kennen als der Mandant selbst. So hatte in dieser Zeit etwa der CFO viermal gewechselt. Das größte Kompliment, was ich in der Form auch noch nie bekommen hatte, war dann, als wir die Sache letztlich vom Bundesfinanzhof (BFH) entscheiden lassen mussten und der Richter am Ende der Verhandlung meinte, dass der Mandant nicht überzeugender und authentischer hätte vertreten werden können und ich tatsächlich jeden Cent meines Honorars wert wäre.