Drei Fragen am Rande

Roter Faden Mittelstand, Antrieb durch Erfahrung und Raum schaffende KI

Markus Krinninger (52) ist seit August Partner bei Baker Tilly in Regensburg und München. Er ist Fachberater für internationales Steuerrecht und spezialisiert auf die Begleitung mittelständischer Unternehmen. Vor seinem Wechsel war er Partner bei Forvis Mazars, die 2023 das Münchner Büro des von ihm mitgegründeten Kanzleiverbunds WW+KN übernommen hatten.

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Was waren die wichtigsten Meilensteine in Ihrer bisherigen Karriere?
Der rote Faden meiner Karriere ist der Mittelstand – und die Menschen, denen ich dabei begegnet bin. Begonnen habe ich in der bayerischen Finanzverwaltung, in der Betriebsprüfung. Dort habe ich gelernt, wie die „andere Seite“ denkt, und wie wichtig persönliche Beziehungen sind. Auch Matthias Winkler, heute Partner bei Baker Tilly, habe ich dort kennengelernt.

Als Tax-Manager bei PwC betreute ich die Brückner Group. Aus einer engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit entstand ein ungewöhnlicher Schritt: Der Mandant fragte mich, ob ich als kaufmännischer Leiter ins Unternehmen wechseln wolle. Plötzlich musste ich eine größere Umstrukturierung selbst umsetzen – die ich vorher als Berater geplant hatte. Nicht nur steuerlich, sondern in all den anderen Bereichen, die man als Berater oft gar nicht mitbekommt. In meiner Zeit als kaufmännischer Leiter erfolgten zwei größere Akquisitionen mit Hauptsitz in Deutschland und in der Schweiz sowie ein Deinvestment. Das hat mich als Berater nachhaltig geprägt. Seitdem suche ich für Mandanten nicht die eleganteste Lösung auf dem Papier, sondern die, die in der Praxis funktioniert.

2011 gründete ich eine eigene Kanzlei in München. Gemeinsam mit Matthias Winkler entstand daraus der Kanzleiverbund WW+KN. Nach dem Zusammenschluss des Münchner Teils mit Forvis Mazars fand der Regensburger Teil Anfang 2024 zu Baker Tilly. Im August 2026 bin ich zu meinen langjährigen Regensburger Kollegen zurückgekehrt. Das fühlt sich wie eine Rückkehr zu den Wurzeln an – vor allem wegen der Menschen und einer gemeinsamen, unternehmerischen Haltung zum Mittelstand.

Welche Eigenschaften braucht man Ihrer Meinung nach, um in Ihrem Beruf erfolgreich zu sein?
Fachliche Exzellenz ist die Grundlage. Entscheidend ist für mich aber, Probleme nicht nur zu benennen, sondern umsetzbare Lösungen vorzuschlagen. Gerade im Steuerrecht darf Beratung nicht bei Risiken und Gutachten enden. Ebenso wichtig ist der Blick über den eigenen Tellerrand. Steuerberatung ist Teamarbeit: Bei Transaktionen müssen etwa Erkenntnisse aus der Tax Due Diligence direkt in das steuerliche Onboarding einfließen. Das gelingt nur, wenn verschiedene Disziplinen wirklich zusammenarbeiten. Und schließlich braucht es technologische Neugier. KI verändert unseren Beruf bereits heute. Sie kann Routineaufgaben reduzieren und schafft Raum für das, was Mandanten wirklich erwarten: vernetzte, vorausschauende Beratung.

Wie nutzen Sie digitale Technologien in Ihrem Berufsalltag?
KI ist für mich kein Experiment, sondern ein Arbeitswerkzeug. Ein Kurs bei Leaders of AI hat mich vor gut einem Jahr dazu gebracht, mich intensiv mit den praktischen Möglichkeiten zu beschäftigen. Heute nutze ich unter anderem Harvey als Sparringspartner bei steuerlichen Fragen, für Vertragsanalysen, Datenaufbereitungen und Recherchen. Zudem unterstützen KI-Agenten bei Vorarbeiten für Jahresabschlüsse; geprüft werden die Ergebnisse selbstverständlich weiterhin durch Berufsträger. Alteryx hilft uns, unterschiedliche Buchungssysteme und Datenformate unserer Mandanten automatisiert zusammenzuführen und nachvollziehbar zu dokumentieren – gerade bei wiederkehrenden Prozessen ein echter Gamechanger. Mich treibt dabei auch meine Industrieerfahrung an: Manuelle Prozesse kosten Unternehmen viel Zeit. Digitalisierung kann Abläufe vom Onboarding bis zum Offboarding deutlich verbessern. Entscheidend bleibt aber die Haltung: neugierig bleiben, Kompetenzen aufbauen und Dinge einfach ausprobieren.

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