Tax Technology

KI‑Agenten: Ohne Datenbasis kein Technologiesprung

Die Euphorie um KI-Agenten ist groß – die Voraussetzungen aber meist schwierig. So scheitern viele Inhouse-Steuerabteilungen bereits an der Datenqualität. Das Problem: Ohne saubere Daten und klare Regeln wird der Einsatz der Agenten schnell zum riskanten Experiment.

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Kaum ein Technologiebegriff wird derzeit so inflationär benutzt wie KI‑Agent. Was als nächste Evolutionsstufe im KI-Ökosystem gehandelt wird, sorgt in einigen Steuerteams jedoch eher für Stirnrunzeln. Die entscheidende Frage lautet: Liefern die Systeme tatsächlich, was sie versprechen? Und fast noch wichtiger: Sind die Steuerteams bereit, die damit verbundenen Risiken realistisch einzuschätzen – und zu tragen?

Tatsächlich markieren die Agenten einen weiteren wichtigen Sprung der KI-Technologie. Anders als klassische KI‑Tools können mehrere spezialisierte Agenten gemeinsam steuerliche Workflows planen und ausführen. Ein Team aus digitalen Co-Workern, das autonom arbeitet – für viele Steuerverantwortliche ein Traum.

Auch auf der WTS AI Conference 2026 in Frankfurt spielte das Thema KI‑Agenten eine Rolle. Hier wurde deutlich, dass sich für Steuerteams künftig ein anderer Arbeitsalltag abzeichnen könnte: hybride Teams, in denen Menschen und KI‑Agenten Seite an Seite arbeiten. So berichtete ein Inhouse-Steuerleiter auf der Konferenz, dass er auf Sicht ein Drittel der physischen Workflows seines Teams durch Agenten ersetzen will.

Fehlende Daten und Governance

Bevor solche Szenarien jedoch Realität werden, müssen viele Unternehmen ein grundlegendes Problem lösen: die Datenbasis. Häufig ist es nicht die KI‑Technologie selbst, die Probleme bereitet, sondern die fehlende Architektur. Datenräume, Schnittstellen, einheitliche Strukturen – vieles davon existiert nicht. Die bittere Realität: Wichtige Daten sind auf mehrere Stellen im Unternehmen verteilt und müssen mühsam zusammengetragen werden. Ein strukturelles Problem, an dem auch andere Tax-Tech-Lösungen scheitern.

Hinzu kommt: Viele Unternehmen verfügen offenbar nicht über etablierte Methoden, um Qualität und Sicherheit der KI‑Agenten zu prüfen. So hat laut einer Studie des Deloitte AI Institute bislang nur jedes fünfte Unternehmen Governance‑ oder Aufsichtsmechanismen für KI‑Agenten implementiert.

KI‑Agenten bieten offenkundig enormes Potenzial. Sie reduzieren Routinetätigkeiten und schaffen Freiräume, um sich stärker auf strategische Aufgaben konzentrieren zu können. Zuvor aber müssen viele Inhouse-Teams ihre Hausaufgaben erledigen: klare Verantwortlichkeiten, saubere Daten und Kontrollprozesse.

Last but not least: Die Mitarbeitenden müssen wissen, wie sie die Technologie sicher einsetzen. Ansonsten läuft auch der cleverste KI‑Agent samt Workflow schnell in die falsche Richtung. Ein Risiko, das auf der KI-Konferenz in Frankfurt anhand von Beispielen aus der Praxis mehr als deutlich wurde.

Am Ende geht es nicht darum, ob Steuerteams KI‑Agenten einsetzen. Sondern um die Frage, unter welchen Bedingungen und mit welchen Leitplanken. Wie so häufig geht es um die richtige Balance zwischen Chancen und Risiken. Oder, wie ein Konferenzteilnehmer in Frankfurt es anschaulich formulierte: „KI ist ein mächtiger Hammer, doch nicht jedes Problem ist ein Nagel.“

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