JUVE Tax Operations – Kommentar

Weiterbildung ist in Zeiten von KI kein Luxus, sondern ein Muss

KI verändert die Aufgabenprofile in der Steuerberatung. Die Beratungsgesellschaften sollten kreativ damit umgehen, dürfen traditionelle Kompetenzen dabei aber nicht aus den Augen verlieren, meint Luise Stein.

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Veränderungen im Berufsbild des Steuerberaters sind kein neues Phänomen. Handschriftliche Unterlagen, Papierakten, Lochkarten, Schreibmaschinen, Computer, digitale Ablage, Netzwerk und Cloud: All dies waren Schritte auf dem langen Weg durch den Steuerberateralltag, vor und unabhängig von der KI. Schon immer galt: Stehenbleiben ist keine Option.

Trotzdem ist klar, dass die Veränderung durch KI sehr viel schneller abläuft als frühere Berufsevolutionen. Zudem ist sie gepaart mit einem steigenden Datendruck durch Compliance-Vorgaben und einer zunehmend digitalen Wirklichkeit bei den Mandanten, den Unternehmen. Damit muss die Steuerberatung Schritt halten. Der Berufsstand braucht Menschen, die mit Daten jonglieren, technikaffin sind und auf diese Weise Probleme des Mandanten lösen. Mehrwert mit Technik, statt Technik um der Technik willen.

Die Beratungshäuser müssen die Ausbildung ihrer Nachwuchskräfte entsprechend anpassen. Dafür braucht es: das Fördern von Neugier, das Denken außerhalb von Schubladen und den Mut, eingefahrene Prozesse immer wieder zu überdenken. Ganz zu schweigen von einer grundsätzlichen Technikbegeisterung. Das in ein Ausbildungsprogramm zu gießen, ist eine große Aufgabe, zumal ungewiss ist, wohin die Reise geht. Hinzu kommt, dass das Berufsrecht ein enges Korsett ist und Veränderungen nur sehr langsam vonstattengehen. Stichwort: Reform der Steuerberaterprüfung.

Das können die Beratungshäuser nur begrenzt beeinflussen. In ihrer Macht steht es aber, mutig zu sein bei der Ausbildung ihrer Nachwuchskräfte und der Weiterbildung der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Die Arbeitgeber müssen neue Themen auf die Agenda nehmen und neue Formate ausprobieren, auch auf die Gefahr hin, dass manches schnell wieder von der Bildfläche verschwindet. Die Umsetzung braucht Zeit, sowohl HR-seitig als auch seitens der Steuerexperten. Weiterbildung ist in Zeiten von KI kein Luxus, sondern ein Muss.

Gleichzeitig heißt es, traditionelle Wissenskompetenz nicht aus den Augen zu verlieren. Large Language Models können überzeugend klingende Texte schreiben. Ist es deshalb eine gute Idee, jede Schreibtätigkeit auszulagern? Wohl kaum, denn Schreiben geht mit dem Strukturieren von Gedanken und einer tieferen Durchdringung eines Themas einher. Heißt: Es braucht Augenmaß. KI kann viel, sollte aber nicht alles tun, denn sonst schafft der Berufsstand sich selbst ab.

Dieser Text ist Teil der neuen Sonderpublikation JUVE Tax Operations, die am 12. Juni 2026 erschienen ist. Neben Analysen und Hintergrundberichten stellen wir Ihnen darin 15 Beratungshäuser mit Blick auf ihre Tax-Technology- und Transformationsstrategien vor.

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