Die neuen Steuer- und Rechtschefs von PwC im Interview

„Wir bekennen uns klar zu unserem One-Firm-Ansatz“

Vor vier Jahren gab PwC-Steuerchef Klaus Schmidt das Ziel aus, die Nummer Eins in der Steuerberatung zu werden. Im Interview mit JUVE Steuermarkt erklären sein Nachfolger Björn Viebrock und Rechtschef Daniel Kast, warum sie an dem Ziel festhalten und wieso eine Aufspaltung nach dem Vorbild von Ernst & Young (EY) keine Option ist.

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Daniel Kast (links) und Björn Viebrock

Vor vier Jahren hat Ihr Vorgänger Herr Schmidt gesagt, sein Ziel sei, PwC zur Nummer eins in der Steuerberatung zu machen. Das ist bislang nicht gelungen. Welches Ziel würden Sie ausgeben?
Björn Viebrock: Unser Ziel ist es nach wie vor, diese Position mittel- bis langfristig zurückzuerobern. Und ich bin auch zuversichtlich, dass wir das erreichen werden, wenn auch nicht kurzfristig. Wir sehen einige Bereiche, in denen wir wachsen können und wo wir uns schon mit Zugängen, auch von anderen Big-Four-Gesellschaften, verstärkt haben und weiter verstärken werden. Das gilt für Steuern und für Recht. Wir sehen in beiden Bereichen Potenzial für ambitioniertes Wachstum, und beide Bereiche sind gleichermaßen wichtig.

Wie würden Sie denn Tax & Legal in die Gesamtstrategie einsortieren? Auf der einen Seite gibt es sehr viele große Prüfmandate, die PwC in den letzten Jahren gewonnen hat. Zuletzt kam mit Siemens eines der Schlüsselmandate der deutschen Konzernlandschaft hinzu. Auf der anderen Seite steht der Verkauf des Global Mobility-Geschäfts – wie geht das alles in einer Strategie zusammen?
Viebrock: Für die Zukunft sehen wir ‚fokussiertes Wachstum‘ und der Gewinn großer Prüfmandate hindert uns nicht daran. Der wesentliche limitierende Faktor ist der Fachkräftemangel. Wir könnten viel mehr machen, aber es fehlt an der personellen Kapazität. Ich glaube, in die Gesamtstrategie passen wir sehr gut, weil Tax & Legal unsere Firma von reinen Strategie- oder Technologieberatern differenziert. Unsere Fähigkeit, alle Kompetenzen zu bündeln, hilft uns sehr. Und das ist ein Mehrwert für unsere Kunden.

Wie passt dann so ein Carve-out wie Global Mobility da rein, wenn man doch eigentlich sagt, man möchte umfassenden Service bieten?
Viebrock: Ich glaube, dass wir in der Global Mobility nicht so viele Schnittstellen haben wie bei anderen Themen. Denn dabei handelt es sich ja um die Beratung entsandter, also natürlicher Personen. Da gibt es zwar sehr viele sehr komplexe Steuerthemen, aber für uns ist der Mehrwert dieses Geschäfts überschaubar. Daher werden wir die Kräfte, die dieser Carve-out jetzt freigesetzt hat, lieber dafür nutzen, in Wachstumsfelder zu investieren. Das sind zum Beispiel Transformationsprojekte und andere Zukunftsthemen, bei denen wir unseren multidisziplinären Ansatz voll ausspielen können.

Multidisziplinarität bedeutet Recht, Steuern, Prüfung und bei Ihnen auch Unternehmensberatung. Was halten Sie davon, dass EY jetzt die Prüfung und das Beratungsgeschäft trennen will?
Viebrock: Wir bekennen uns ganz klar zu unserem One-Firm-Ansatz, eine Aufspaltung ist für PwC keine Option. Denn auch ein Prüfer braucht das Know-how von Steuern und Recht, um überhaupt richtig prüfen zu können. Zudem ist es bei uns so, dass wir auch eine Vielzahl von Mandanten haben, die im unregulierten Bereich sind – also Familienunternehmen jeder Größenordnung. Hier gelten die Restriktionen für kapitalmarktorientierte Unternehmen nicht und wir können ohne Weiteres Prüfung und Beratung aus einer Hand anbieten. Das verlangen die Gesellschafter häufig sogar. Aber natürlich beobachten wir das Geschehen am Markt gespannt.

Das Gespräch führten Catrin Behlau, Daniel Lehmann und Jörn Poppelbaum. Das komplette Interview lesen Sie hier.

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