Artikel drucken
18.07.2019

WP-Markt: Zukunft liegt in der Steuerberatung

Die 25 größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften Deutschlands sind im vergangenen Geschäftsjahr um 8,8 Prozent (Vorjahr: 7,3 Prozent) gewachsen. Das ist das Ergebnis der heute veröffentlichten, jährlichen Studie des Marktforschungsunternehmens Lünendonk. Das Gesamtwachstum ist damit größer als der Zuwachs im reinen Steuersegment. 

Plendl_Martin

Martin Plendl

Denn schaut man isoliert nur auf die Steuer- und Steuerrechtsberatung, liegen die Steigerungsraten der 20 größten Einheiten nach JUVE Steuermarkt-Recherchen bei nur knapp 6 Prozent. Trotzdem erwarten die Lünendonk-Top-25 den größten Zuwachs in der Steuerberatung.

Die steuerliche Gestaltungsberatung stellt mit knapp 24 Prozent bei den 25 größten Gesellschaften nach der Prüfung mit 32 Prozent den zweitgrößten Umsatzanteil dar, während Deklaration und Buchhaltung nur knapp 11 Prozent, und Rechtsberatung seit längerem stetig 8 Prozent ausmachen.

Auch wenn die meisten Gesellschaften in der Wirtschaftsprüfung nach wie vor ihr Kerngeschäft sehen, soll vor allem die Steuerberatung in den kommenden Jahren für Umsatzsteigerungen sorgen. „Eine weit größere Dynamik als in der Prüfung sehe ich bei Professional Service Firms defintiv im Beratungsgeschäft“, sagte Deloitte-CEO Prof. Dr. Martin Plendl im Rahmen der heutigen Pressekonferenz.

Mit dieser Ansicht steht Plendl nicht alleine da: Nach der Lünendonk-Studie gaben die 25 größten Gesellschaften dem Umsatzzuwachs im Bereich Steuern die Note 1,38 auf einer Skala zwischen -2 („sehr geringe Wachstumschancen“) und +2 („sehr große Wachstumschancen“). Der Bereich Recht kommt hier immerhin noch auf einen Wert von 1,15. Zum Vergleich: Die Wirtschaftsprüfung bildet mit einem Wert von 0,57 das Schlusslicht der Wachstumsaussichten.

Ausreißer verändern den Markt

Erstmals kommen die 25 größten WP- und Steuerberatungsgesellschaften nach Lünendonk auf einen kumulierten Umsatz von etwas mehr als 9 Milliarden Euro. Dabei entfallen knapp 7,5 Milliarden Euro allein auf die Big Four.

Einige Ausreißer verzeichneten die Marktforscher. Das größte Wachstum unter den 25 Branchenführern verzeichnete RSM: Die Gesellschaft konnte ihren Umsatz um 46,2 Prozent auf nun rund 60 Milliarden Euro steigern. Dabei lässt sich das Wachstum von RSM allerdings vor allem mit der im Jahr 2018 vollzogenen Fusion von Verhülsdonk, AWT, DPI und Zitzelsberger erklären.

Starke Wachstumsraten konnten zudem die Gesellschaften Solidaris (+19,9 Prozent) sowie Dr. Kleeberg & Partner (+22,5 Prozent) vorweisen. Kleeberg ist mit einem aktuellen Umsatz von insgesamt 29,4 Mio. Euro gar erstmals Teil der 25 Gesellschaften der Lünendonk-Liste. (Daniel Lehmann, Jörn Poppelbaum)

  • Teilen