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30.11.2020

Finanzrichter und Corona: Zufrieden, aber auch uneinig

Finanzrichter sind mit ihren Arbeitsbedingungen im Großen und Ganzen zufrieden – das hat die diesjährige JUVE Steuermarkt-Umfrage unter den Richtern gezeigt. Die grundsätzliche Zufriedenheit der Finanzrichter konnten auch die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nicht erschüttern.

Tatsächlich zeigt sich eine überwältigende Mehrzahl der teilnehmenden Finanzrichter mit dem Krisenmanagement ihres Gerichts im Großen und Ganzen zufrieden – und dass, obwohl die Gerichte dabei vor große Herausforderungen gestellt wurden. Allerdings: In der Wahrnehmung der Teilnehmer, inwiefern die Maßnahmen zur Corona-Pandemie ihre Arbeit dann tatsächlich beeinflusst haben, ergibt sich keine klare Tendenz in die eine oder andere Richtung – auf einer Skala von eins bis fünf pendelten sich die meisten Antworten im Mittelfeld ein, sei es bei der Frage, ob Corona die eigene Arbeit stark beeinträchtigt hat oder die Pandemie gezeigt hat, dass es eine bessere technische Ausstattung braucht.

Das dürfte mehrere Gründe haben: Zum einen haben viele Finanzrichter auch schon vor Corona teilweise oder sogar überwiegend zuhause gearbeitet. Zum Anderen waren die technischen Voraussetzungen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich und beeinflussten so die Arbeit zu Corona-Zeiten. Dies erklärt auch, warum noch nicht einmal bei der Frage, ob Corona gezeigt habe, dass die technische Ausstattung der Gerichte verbessert werden müsste, Einigkeit unter den Finanzrichtern besteht – denn die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen haben auch gezeigt, dass bundesweit bei der technischen Ausstattung kaum Waffengleichheit herrscht.

Doch die JUVE Steuermarkt-Umfrage zeigt auch: Während der Pandemie haben die Richter weniger untereinander kommuniziert. Um sich trotzdem auszutauschen, griffen (und greifen) die Richter im Wesentlichen – zum Telefonhörer. Über ein Drittel der Teilnehmer gab an, regelmäßige Telefonkonferenzen durchgeführt zu haben. Was auf den ersten Blick einmal mehr als Beweis für die vermeintliche technische Rückständigkeit im öffentlichen Dienst durchgehen würde, hatte einen ebenso banalen wie wichtigen Grund: Das Steuergeheimnis. Doch das Homeoffice schuf auch neue, ungeahnte Freiheiten: Denn der Wegfall des klassischen richterlichen Berufsalltags ermöglichte es vielen Richtern, größere Fälle auch einmal in Ruhe abzuarbeiten.

Wenig verwunderlich, dass sich rund 70 Prozent der Teilnehmer der JUVE Steuermarkt-Umfrage, die sich vorstellen können, dass Corona auch künftig für ihre Arbeit eine Rolle spielt, angeben, auch zukünftig mehr von zuhause aus arbeiten zu wollen. (Catrin Behlau)

Die vollständige Auswertung der Finanzrichter-Umfrage lesen Sie im aktuellen JUVE Steuermarkt.

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