Schuhbeck-Prozess

Gericht verurteilt Starkoch zu drei Jahren Gefängnisstrafe

Das Landgericht München I hat im Steuerhinterziehungsprozess gegen Alfons Schuhbeck ein Urteil gefällt: Der Starkoch muss für drei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis (Az. 6 KLs 301 Js 141439/19).

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Der Koch und Unternehmer Alfons Schuhbeck (rechts) kommt nach einer Prozesspause mit seinen Rechtsanwälten Sascha König (links) und Markus Gotzens (Mitte) zurück zum Gerichtssaal im Landgericht München I. Die Staatsanwaltschaft hat Schuhbeck wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt.

Da half auch ein rührender Brief einiger ehemaliger Mitarbeitender, der im Gericht verlesen wurde, nichts: Der prominente Koch Alfons Schuhbeck geht ins Gefängnis. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Dr. Andrea Wagner verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten. Es handele sich um Steuerhinterziehung über einen langen Zeitraum hinweg und in erheblichem Umfang, so die Urteilsbegründung. Die Richterin sprach zudem von einem hohen Maß an „krimineller Energie“. Der mitangeklagte Jürgen W. erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

Sascha König

Die Staatsanwaltschaft hatte für Schuhbeck vier Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe gefordert, für Jürgen W. eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Schuhbecks Verteidiger Sascha König von König Gauweiler Sauter und Dr. Markus Gotzens von Wannemacher & Partner hatten Wiedergutmachung, also die Begleichung der Steuerschuld, angeboten. Dies hätte sich positiv auf die Zumessung der Strafe ausgewirkt, allerdings konnten die Anwälte am Vormittag keine entsprechenden Zahlungsbelege vorweisen.

Markus Gotzens

Ein ehemaliger Sommelier der „Südtiroler Stuben“ hatte am Morgen des Verhandlungstages detailliert zu Abrechnungsvorgängen in diesem Betrieb Schuhbecks ausgesagt. Danach war im Gerichtssaal 134 des Justizpalastes ein Streit zwischen Richterin Wagner und den Verteidigern über die Höhe der infrage stehenden Summe aufgeflammt, berichtete die tz. Diese Summe sei nicht so schnell zu ermitteln, so die Anwälte – wohl mit der Hoffnung, das für diesen Verhandlungstag angesetzte Urteil zu verzögern. Er hatte das Gericht „eindringlich“ gebeten, „die Höhe der stornierten Rechnungen noch einmal kritisch zu überprüfen“, aber zeitgleich eingeräumt: „Leider ist es mir nicht mehr möglich, hierfür weitere Unterlagen vorzulegen.“

In seinen letzten Worten vor der Verkündung des Urteils zeigte Schuhbeck Reue: „Ich weiß, dass es falsch war, was ich getan habe.“ Er könne das nicht mehr ändern, könne aber versuchen, den Schaden wieder gutzumachen und die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

Prozessverlauf

Zu Beginn des Prozesses hatten die Verteidiger noch „Zweifel und Ungereimtheiten“ in den Vorwürfen gegen ihren Mandanten gesehen. Auch von einem „unbekannten Dritten“, der statt Schuhbeck selbst Gelder abgezweigt haben sollte, war die Rede. Der prominente Koch hatte am zweiten Prozesstag des sogenannten „Ingwer-Verfahrens“ gestanden, die Einnahmen aus seinem Restaurant „Orlando“ manipuliert zu haben. Die Unstimmigkeiten in den Abrechnungen aus seinem zweiten Restaurant, den „Südtiroler Stuben“, könne er jedoch nicht oder nicht gänzlich erklären. Mit dem zweiten Schritt seines Geständnisses am dritten Prozesstag machte er es seinen Verteidigern unmöglich, die Theorie eines weiteren Täters aufrecht zu erhalten. Der Grund, warum Schuhbeck zuerst nur die Entnahmen aus dem Restaurant „Orlando“ gestanden hatte, mag gewesen sein, die Summe der Steuerschuld unter einer Million Euro zu halten. Ab einer Höhe von mehr als einer Million an veruntreuten Geldern sieht das Gesetz eine Gefängnisstrafe vor.

Nachdem Schuhbeck im Laufe des Verfahrens jeden Tag ein Stückchen mehr Verantwortung für die Manipulation von Umsatzzahlen zweier Restaurants übernahm und weitgehend gestanden hatte, war nach Auffassung des Gerichts keine umfangreiche Beweisaufnahme mehr vonnöten, was den Prozess wesentlich beschleunigte. Ursprünglich waren bis zum 22. Dezember 18 Verhandlungstage angesetzt. 

Die Staatsanwaltschaft warf Schuhbeck vor, Umsätze aus zwei seiner Betriebe, den Restaurants „Orlando“ und den „Südtiroler Stuben“, im Zeitraum 2009 bis 2016 manipuliert zu haben. Insgesamt beläuft sich die mutmaßlich am Fiskus vorbei gewirtschaftete Summe auf 2,3 Millionen Euro. 

Die Manipulation soll zum Teil mittels eines Computerprogramms erfolgt sein, welches die Umsatzzahlen automatisch reduzierte. Die sich ergebenden Differenzbeträge entnahm mutmaßlich Schuhbeck. Diese Software erstellte auf seine Bitte hin sein ehemaliger, ebenfalls angeklagte Mitarbeiter, Jürgen W. Dieser hatte gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis abgegeben und Schuhbeck schwer belastet.  

(mit Material von dpa)

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