Steuerhinterziehung

Manager sagt als Zeuge im Foht-Prozess aus

Im Strafverfahren gegen den ehemaligen Unterhaltungschef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Foht, sagte einer der bekanntesten deutschen Manager der Schlagerbranche aus. Er gab an, dieser habe ihn und einen seiner Klienten 2009 um insgesamt 15.000 Euro betrogen (Az. 7 Kls 212 Js 37951/11). 

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Michael Jürgens gilt als einer der einflussreichsten und wichtigsten Manager der Schlagerbranche und vertritt zahlreiche deutsche Schlagergrößen wie beispielsweise Florian Silbereisen. Er berichtete vor der 7. Strafkammer des Landgerichts (LG) Leipzig von einer Begebenheit aus dem Jahr 2009. Foht habe ihn gefragt, ob er nach Zahlungsschwierigkeiten einer Produktionsfirma kurzfristig finanziell mit 15.000 Euro aushelfen könne, so der 55-Jährige. Da er die gewünschte Summe nur zur Hälfte habe aufbringen können, habe er den Moderator und Sänger Florian Silbereisen gefragt, ob dieser sich beteilige. Daraufhin hätten beide jeweils 7.500 Euro an Foht gezahlt. „Das Geld haben wir aber bis heute nicht zurückbekommen“, betonte Jürgens. 

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 71-jährigen Foht Steuerhinterziehung, Betrug, Untreue und Bestechlichkeit vor. Konkret soll er ab Februar 2008 in insgesamt fünf Fällen Steuerhinterziehung und in 13 Fällen Betrug begangen haben – alle im direkten Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit.

Ulrich Wehner

Rechtlich vertreten wird der Ex-Fernsehmanager von Dr. Ulrich Wehner von H2W Strafrecht Halbritter Horrer Wehner sowie vom Berliner Strafrechtsanwalt Lawrence Desnizza. Ihr Mandant hat bereits eingeräumt, in seinen letzten Jahren als Unterhaltungschef des öffentlich-rechtlichen ARD-Senders immer wieder verschiedene Musikmanager und TV-Produzenten um Darlehen gebeten zu haben. Das Geld habe er benötigt, um Sendungen im MDR umsetzen zu können. Er habe gewusst, dass er die zumeist fünfstelligen Summen nicht pünktlich würde zurückzahlen können.

Foht stach beim ARD-Sender Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) als Unterhaltungschef hervor, der die Schlagerbranche groß ins TV brachte und damit auch dem öffentlich-rechtlichen Sender in Ostdeutschland ein markantes Unterhaltungsprofil verpasste. Er galt branchenweit insbesondere als wichtiger Förderer junger Talente wie beispielsweise Silbereisen. 

Bereits 2011 waren Hinweise auf berufliches Fehlverhalten publik geworden, es kam zu einem Skandal. Der MDR hatte Foht damals gekündigt. Dieser wehrte sich gegen die Kündigung vor Gericht, ein Arbeitsgerichtsprozess endete mit einem Vergleich. 

Der aktuelle Prozess wird am 25. November mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt. Insgesamt sind laut Auskunft des Landgerichts 19 Verhandlungstage angesetzt, die bis in den März 2023 terminiert sind. Jedoch war bereits bei Verlesung der Anklage eine Verkürzung des Prozesses in Aussicht gestellt worden. Der Vorsitzende Richter Michael Dahms sagte, bei einem „glaubhaften Geständnis“ sei eine Haftstrafe von höchstens einem Jahr und 9 Monaten möglich. Diese könne zur Bewährung ausgesetzt werden.

(mit Material von dpa)

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