Prozessauftakt

Strafverfahren gegen ehemaligen MDR-Unterhaltungschef Foht gestartet

Heute begann der Strafprozess gegen den ehemaligen Fernsehmanager des ARD-Senders Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), Udo Foht. Die Vorwürfe wiegen schwer: Es geht um Betrug, Untreue, Korruption und Steuerhinterziehung (Az. 7 Kls 212 Js 37951/11).  

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Der Prozess startet mit einiger Verzögerung: Ursprünglich war er bereits für 2018 angesetzt, wurde jedoch abgesagt. Als Grund hierfür waren gesundheitliche Probleme angeführt worden.

Der Prozess findet vor der 7. Strafkammer des Landgerichts (LG) Leipzig statt. Das LG teilte auf Anfrage von JUVE Steuermarkt mit, dass insgesamt 19 Verhandlungstage für das Verfahren angesetzt seien. Die Termine reichen bis in den März des kommenden Jahres. Es sollen zahlreiche Zeugen gehört werden, darunter, so die Presseagentur dpa, wichtige Manager aus der Schlagerbranche. Die Nachrichtenagentur berichtete zudem, es sei bei der Anklageverlesung bereits eine Verkürzung des Prozesses in Aussicht gestellt worden. Der Vorsitzende Richter Michael Dahms sagte, bei einem „glaubhaften Geständnis“ sei eine Haftstrafe von höchstens einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, möglich.  Davon könnten drei Monate als bereits verbüßt angesehen werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 71-Jährigen vor, sich ab Februar 2008 – im direkten Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit – der Steuerhinterziehung, Untreue und Bestechlichkeit sowie des Betruges schuldig gemacht zu haben. Insgesamt werden dem Manager 5 Fälle von Steuerhinterziehung und 13 Fälle von Betrug angelastet.

Als 2011 Hinweise auf berufliches Fehlverhalten ans Licht gerieten, kam es zu einem vielbeachteten Skandal, in dessen Verlauf sich der öffentlich-rechtliche ARD-Sender schnell von seinem hochrangigen Mitarbeiter trennte. Dieser wehrte sich gegen die Kündigung vor Gericht, ein Arbeitsprozess mündete in einen Vergleich.

Berliner Verteidiger an Fohts Seite

Die anwaltliche Vertetung Fohts übernahmen JUVE Steuermarkt-Informationen zufolge der Berliner Strafrechtsanwalt Lawrence Desnizza sowie Dr. Ulrich Wehner von H2W Strafrecht Halbritter Horrer Wehner.

Foht prägte maßgeblich das Gesicht des Unterhaltungsteils des MDR. Er galt branchenweit als wichtiger Förderer junger Talente insbesondere im Schlagershowgeschäft, darunter beispielsweise der Moderator und Sänger Florian Silbereisen. 

Der ehemalige Manager hat sich bis heute nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt für ihn die Unschuldsvermutung.

Im gleichen Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem gegen weitere Personen, deren Verfahren jedoch abgetrennt wurden. Um wen es sich handelt und wann die Verfahren voraussichtlich beginnen werden, ist nicht bekannt.

Vor wenigen Tagen kam zudem ans Licht, dass der Ehemann von Ines Hoge-Lorenz, seit 2021 als Landesfunkhausdirektorin in Sachsen-Anhalt, eine Rolle in dem Skandal um Foht gespielt haben soll. Der MDR teilte Ende der vergangenen Woche mit, dass Hoge-Lorenz ihr Amt niedergelegt habe. Es waren Vorwürfe laut geworden, sie habe eine mögliche Verstrickung ihres Mannes in die „Causa Foht“ ihrer Arbeitgeberin gegenüber nicht ausreichend transparent gemacht. Hoge-Lorenz bleibt dem Sender jedoch erhalten und wird ab dem heutigen Tag eine Rolle in der Hauptredaktion ‚Information und Innovation‘ der Programmdirektion Leipzig übernehmen. 

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