Schlag für EY

Großes Mobility-Team dockt bei KPMG an

Die Meldung ist ein schwerer Schlag für Ernst & Young: Rund 40 Spezialisten für personenbezogene Unternehmenssteuern verlassen die Big-Four-Gesellschaft. Das Team zieht es zur direkten Wettbewerberin KPMG. Angeführt werden die Wechselwilligen von Ija Ramirez und Ingo Todesco.

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Rund 40 Spezialisten von Ernst & Young zieht es nach JUVE Steuermarkt-Informationen zur unmittelbaren Wettbewerberin KPMG. Sie alle sind Experten für personenbezogene Unternehmenssteuern. Angeführt wird das Team von der Leiterin des sogenannten Sub Service Line People Advisory Service (PAS) Ija Ramirez und Ingo Todesco, Mobility Leader für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Ramirez_Ija
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Für EY, die zu den Marktführern in dem Segment zählt, ist das ein schwerer Schlag: Ramirez zählte dort bislang zu den aufstrebenden jüngeren Partnern und hat erst im Juli die Leitung der PAS-Gruppe übernommen. Ramirez kommt aus dem Düsseldorfer, Todesco aus dem Kölner Büro. Neben den beiden haben auch die Mannheimer PAS-Partner Thomas Efkemann und Jochen Reinig sowie der Düsseldorfer Partner Dr. Tobias Preising Ende September ihren Ausstieg angekündigt. Angesichts der bei EY gängigen Kündigungsfrist von sechs Monaten heißt das: Erst zum 1. April des kommenden Jahres können sie als Partner bei KPMG starten.

Begleitet werden die fünf unter anderem von den Senior Managern Sina Bischoff und Marco Strootmann, die bei KPMG nach JUVE Steuermarkt-Informationen Junior Partner werden sollen. Mit ihnen wollen offenbar weitere 32 Mitarbeiter gehen, wie EY auf Anfrage bestätigte.

Damit spaltet sich die Truppe, die bei EY zu personenbezogenen Unternehmenssteuern berät, auf: Während ein Großteil der Teams aus Düsseldorf und Mannheim zu KPMG abwandert, verbleiben die Partner in München und Eschborn/Frankfurt, unter ihnen die frühere Bereichsleiterin Ulrike Hasbargen. Sie hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Kündigungen in dieser Woche wieder die PAS-Führung übernommen.

Bislang zählte die Service Line PAS bei EY rund 750 Mitarbeiter, darunter 20 Partner und knapp 90 weitere Berufsträger. Neben den Mobility Services gehört auch die Beratung zu Lohnsteuersystemen und -abrechnungen, zu Vergütungs- und Anreizsystemen sowie zur betrieblichen Altersvorsorge in diese Einheit. Auch nach den Weggängen bleibt das Team überdurchschnittlich groß: Es zählt laut Angaben von EY insgesamt 709 fest angestellte Mitarbeiter, davon 16 Partner. „Von einem Wegbrechen des Geschäfts kann also keine Rede sein“, heißt es einer Stellungnahme gegenüber JUVE Steuermarkt.

Die Namen der Wechsler wollte EY dagegen nicht bestätigen, bedauerte aber die Abgänge allgemein. Als Marktführerin sei man „immer dem starken Interesse von Mitbewerbern an unserer Kompetenz und unseren Services ausgesetzt“. EY verfüge jedoch nach wie vor „über das größte Netzwerk an Partnern, die auf steuerliche und rechtliche Betreuung von Expatriates spezialisiert sind – und das sowohl in Deutschland als auch weltweit“.

KPMG bereitet Ausschreibungen vor

Für KPMG sind die Zugänge eine erhebliche Verstärkung. So steht das EY-Team von Ramirez und Todesco dem Vernehmen nach für große Kunden-Accounts wie Bayer und Henkel, die im kommenden Jahr neu ausgeschrieben werden sollen. An den Ausschreibungen könnte sich KPMG beteiligen, ohne Konflikte zu befürchten: Die Bayer AG wird von Deloitte geprüft, während Henkel zwar noch zu den Mandanten von KPMG gehört. Die Big-Four-Gesellschaft ist aber gezwungen, die Prüfung des Konsumgüterkonzerns zum Geschäftsjahr 2020 abzugeben.

Der Zugang des Teams ist auch ein Anzeichen dafür, dass KPMG stärker auf das Beratungssegment setzt. Denn von der Prüferrotation ist KPMG als die Gesellschaft mit den meisten Dax-Prüfungsaufträgen am stärksten betroffen. Verluste von Audit-Großaufträgen sollen künftig offenbar auch durch große steuerliche Beratungsaufträge kompensiert werden.

Allerdings könnten die Veränderungen auch zu Unruhe führen. Da die Mandatsverträge in aller Regel mit den Beratungsgesellschaften selbst abgeschlossen werden, dürften die EY-Zugänge formal zunächst mit leeren Händen zu KPMG stoßen. Gleichzeitig verdoppelt sich die Partnerriege des bisherigen KPMG-Kernteams um Peter Dolan, den Leiter von Global Mobility Services. Das besteht aktuell aus fünf Partnern, darunter die bekannten Partner Uwe Nowotnick und Stefanie Vogler. Ramirez wird nach JUVE Steuermarkt-Informationen zudem Nachfolgerin von Dolan und die Leitung der Service Line übernehmen. (Jörn Poppelbaum, Catrin Behlau)

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