Digitalisierung

Greenfield verstärkt sich mit Tax-Tech-Experten von EY

Zum Januar ist der Tax-Technology-Experte Ralph Doll als Gesellschafter zu Greenfield gestoßen. Die Boutique befindet sich seit Gründung im Juli 2021 auf stetigem Wachstumskurs. Erst im Dezember ist Martin Krejci als Associate Partner eingestiegen. Der 48-jährige ist Wirtschaftsinformatiker und war zuletzt Director bei Deloitte in Stuttgart. Mit ihm will die Gesellschaft auch dort Fuß fassen.

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Foto: Adobestock/ ipopba

Ralph Doll gilt als Pionier und einer der bekanntesten Berater in Sachen Tax Technology. Der 53-jährige Steuerberater hat bei Ernst & Young (EY) bereits zum Oktober 2021 gekündigt und ist als geschäftsführender Gesellschafter in die Bonner Boutique eingestiegen. Mitte 2016 war er mit insgesamt rund 50 Mitarbeitern von KPMG zu EY gestoßen, um die Themen Tax Technology und Tax Transformation weiter auszubauen.

Ralph Doll

Im August 2017 gründete EY dafür die noch heute bestehende sogenannte TTT-Einheit (Tax Technology and Transformation). Doll zeichnete bis Ende 2018 schließlich als Leiter der Gruppe für die GSA-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) verantwortlich. Anfang 2019 übernahm er schließlich die Verantwortung für die Region Europe, Middle East, India and Africa (EMEIA), deren Leitung er bereits Mitte 2018 zusätzlich übernahm.

Bei EY stand Doll vor allem auch für eine selbst entwickelte einheitliche IT-Lösung mit dem Namen Tax Risk Center. Schon bei seiner Zeit bei KPMG war Doll das Gesicht des Systems Tax One, das ebenfalls als einheitliche Lösung galt. Davon hatte sich KPMG mit dem Weggang Dolls im Jahr 2016 peu à peu verabschiedet. Auch EY hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker auch externen Technologielösungen gegenüber geöffnet und ist unter anderem strategische Allianzen mit SAP, Microsoft und Thomson Reuters eingegangen.

EY organisiert TTT um

Marktbeobachter schätzen, dass Dolls Ansatz nicht mehr so recht zu der Big-Four-Gesellschaft passte. Die Sache ist allerdings kompliziert. Dem Vernehmen nach trat Doll bereits im Oktober 2020, also bereits ein Jahr vor Wirkung seiner Kündigung, von dem Posten des EMEIA-Leiters für Tax Technology and Transformation zurück. Auf der Website von EY wird Doll allerdings nach wie vor als ,EY EMEIA Tax Technology and Transformation Leader‘ ausgewiesen.

Insgesamt befindet sich die Big-Four-Gesellschaft in einem Umbruch – das gilt auch für die TTT-Praxis. So war der Münchner Partner Karl Hamberger bislang GSA-Leiter für die Einheit, und das, obwohl es die Region GSA gar nicht mehr gibt. Stattdessen hat die Gesellschaft zum neuen Geschäftsjahr die Region Europe West geschaffen, die neben der bisherigen GSA-Region und den Benelux-Staaten unter anderem auch Frankreich, Spanien und Portugal umfassen soll. Zudem sind bereits vor Doll diverse TTT-Partner gegangen. Neben den Greenfield-Gründern Stephanie Henseler und Andreas Homrighausen hatten auch Armin Seitz und Florian Buschbacher die Einheit verlassen.

EY wollte sich zu dem Weggang Dolls zwar nicht weiter äußern, wies aber darauf hin, dass der Bereich TTT derzeit umorganisiert werde. Dieser ließe sich grob in zwei unterschiedliche Tätigkeitsbereiche gliedern: Zum einen die Entwicklung von Software und Technologien, zum anderen die operative Beratung der Kunden in Technologiefragen.  „Die Entwicklungsteams werden auf EMEIA-Ebene gebündelt, die Kundenberaterteams auf nationaler Ebene, für unseren Markt also in Deutschland“, so EY gegenüber JUVE Steuermarkt. Die Leitung von EMEIA TTT, also Dolls frühere Position, hat der norwegische Steuerpartner Sveinung Larsen inne. Das in Deutschland angesiedelte Team der TTT-Kundenberater leitet weiterhin Karl Hamberger.

Hintergrund für die Umorganisation sei, dass die Mandanten erwarten, dass ihr Steuerberater die technologische Beratung als Teil der laufenden Steuerberatung erbringt, nicht aber als gesonderte Beratung. „Entsprechend integrieren wir in Deutschland die TTT-Kundenberater in die entsprechenden Sub Service Lines. Beispielsweise wird für den Bereich indirekte Steuern ein TTT-Beraterteam unter der Leitung von Andre Hengst in die Sub Service Line Indirect Tax integriert. Gleiches geschieht im Bereich direkte Steuern. Hier werden entsprechende TTT-Kundenberaterteams in die Sub Service Lines Business Tax Services und Global Compliance Services integriert“, so die Big-Four-Gesellschaft.

Starkes Wachstum für Greenfield

Für Greenfield ist Dolls Zugang so oder so eine Verstärkung. Die Boutique hat sich voll und ganz dem Thema Prozesse, Technologie und Digitalisierung der Steuerfunktion verschrieben. Als dritter geschäftsführender Gesellschafter, neben den beiden Gründern Henseler und Homrighausen, soll Doll Greenfield vor allem bei der Wachstumsstrategie unterstützen. Der wichtigste Beratungsschwerpunkt liegt aktuell vor allem im Bereich SAP. Auch hier soll Doll mit seinem Know-how und seiner Erfahrung mitwirken.  Homrighausen und Doll kennen sich neben ihrer gemeinsamen Zeit bei EY zudem noch aus alten Zeiten bei KPMG.

Greenfield ist seit ihrer Gründung stark gewachsen. Mittlerweile umfasst die Boutique 14 Mitarbeiter. Neben den drei geschäftsführenden Gesellschaftern sind drei Associate Partner bei Greenfield tätig. Das Besondere: Keiner von ihnen ist Berufsträger. So auch nicht der im Dezember von Deloitte hinzugekommen Krejci, der als Wirtschaftsinformatiker allerdings schon reichlich Erfahrung an der Schnittstelle zur Steuerberatung gesammelt hat. Vor seiner Tätigkeit bei Deloitte war Krejci bei der auf IT-Lösungen spezialisierten WTS-Gesellschaft WTS ITAX tätig.

Mit Krejci will Greenfield zudem nun auch in Stuttgart wachsen. Er soll vor Ort ein Büro auf- und ausbauen. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt soll neben dem Thema SAP auch der Bereich Sustainability einen Schwerpunkt bilden. Bereits im Februar soll das Team in Stuttgart durch Neuzugänge weiter ausgebaut werden.

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