Inhouse

Technologie allein senkt keine Kosten

Viel Technik, wenig Wirkung: Die digitale Transformation der Steuerfunktion ist in vollem Gange, ein wirtschaftlich messbarer Erfolg ist aber häufig Fehlanzeige. Das hat mehrere Gründe, die aber auch Chancen bieten.

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Die aktuelle JUVE Steuermarkt-Inhouse-Umfrage hat erstmals untersucht, ob die Digitalisierung in den Steuerfunktionen spürbare finanzielle Effekte erzielt. Das ernüchternde Ergebnis: Nur vier Prozent von 105 Inhouse-Beratenden sehen durch den Einsatz von IT tatsächlich eine Kostenreduktion. Und das, obwohl rund die Hälfte der befragten Steuerteams bereits mit eigens entwickelten Tools oder zugekaufter Spezialsoftware arbeitet.

Die Recherche zeigt: Trotz fortschreitender Digitalisierung spüren bisher nur wenige Steuerfunktionen eine messbare finanzielle Entlastung. Zwar können IT-Investitionen Abläufe beschleunigen oder die Qualität der Arbeit verbessern, doch konkrete Kosteneinsparungen sind bislang gering – oder bleiben ganz aus.

Steigender Druck

Mittel, die durch effizientere Prozesse theoretisch frei würden, fließen häufig direkt in neue Aufgaben, die Bewältigung zusätzlicher regulatorischer Anforderungen oder den weiteren Personalaufbau. So lässt sich eine tatsächliche Kostenreduktion in vielen Fällen nicht unmittelbar feststellen – zumal die internen Kosten seit Jahren kontinuierlich steigen.

Gut ein Drittel der Umfrage-Teilnehmenden hatte zuletzt mit höheren Kosten zu kämpfen. Ein Teilnehmer bringt die Lage auf den Punkt: „Die größte Herausforderung für die Arbeit meines Steuerteams liegt vor allem in Kosteneinsparungen und Automatisierung.“

Auch Deloitte hat sich in einer aktuellen Studie mit dem steigenden Kostendruck in Steuerabteilungen beschäftigt. Eine zentrale Erkenntnis der Studie: Der zunehmende Kostendruck zwingt Steuerteams dazu, Entscheidungen zu kostensenkenden Maßnahmen zu treffen, die deutlich über die Digitalisierungsstrategie hinausgehen. Dazu zählen etwa ein konsequentes Outsourcing, sprich: die Neuorganisation von Strukturen oder die Verlagerung bestimmter Prozesse außerhalb der Steuerabteilung.

Digitalisierung allein reicht nicht

Die Erkenntnisse beider Studien zeichnen ein klares Bild: Technologie allein senkt keine Kosten – zumindest nicht dort, wo fragmentierte Systemlandschaften, steigende regulatorische Anforderungen und historisch gewachsene Strukturen den Rahmen vorgeben.

Dass lediglich vier Prozent der von JUVE Steuermarkt befragten Inhouse-Beratenden eine tatsächliche finanzielle Entlastung durch den Einsatz von IT feststellen, ist weniger ein Zeichen für ein Scheitern der Digitalisierung. Vielmehr deutet es darauf hin, dass Effizienzgewinne systematisch von neuen Aufgaben und zusätzlichen Anforderungen wieder aufgezehrt werden.

Die Deloitte-Studie bestätigt diesen Befund und richtet den Blick auf Aspekte, die weit über reine Technologiefragen hinausgehen: organisatorische Neuausrichtung, funktionsübergreifende Zusammenarbeit und die Bereitschaft, eingespielte Strukturen grundsätzlich infrage zu stellen. Digitalisierung ist dabei eine wichtige Voraussetzung – für nachhaltige Effizienzgewinne jedoch nicht ausreichend.

Unbequeme Erkenntnis

Für Steuerteams ergibt sich daraus eine unbequeme, aber wichtige Erkenntnis: Wer den Kostendruck allein mit neuen Tools adressiert, wird die erhoffte Entlastung kaum erreichen. Messbare Effekte entstehen erst dann, wenn Investitionen in Technologie mit einer konsequenten Neuausrichtung von Prozessen, Rollen und der Zusammenarbeit verknüpft werden.

Die Steuerfunktion der Zukunft ist nicht die, die am stärksten digitalisiert – sondern die, die diesen Wandel am konsequentesten gestaltet.

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