Taxforce hat eine Seed-Finanzierungsrunde über fünf Millionen Euro abgeschlossen – mit dem Anspruch, „Deutschlands erste AI-native Steuerkanzlei für den medizinischen Bereich“ aufzubauen, wie aus einer Pressemeldung hervorgeht.
Taxforce ist eines der ersten Start-ups, das versucht, ein traditionelles und berufsrechtlich reguliertes Umfeld mit Venture-Capital-Finanzierung zu verknüpfen. Das Unternehmen wurde von Caspar Gerleve, CEO, Burkhard Reffeling, CTO, und Mathias Marquardt, Steuerberater, gegründet. Marquardt war zuvor fast fünf Jahre für die Berliner Beratungseinheit MGP Merla Granschow & Partner tätig.
Nun verantwortet er die neue – aktuell noch 1-Mann-starke Steuerkanzlei ‚Marquardt Beratung‘, die mit Taxforce Services zusammenarbeitet und ausschließlich für Taxforce tätig ist. Den technischen Part – also den Einsatz moderner Tools, digitaler Workflows und Automatisierung – erbringt wiederum die Gesellschaft Taxforce Services.
Fremdfinanziert von neuem Fonds
Das frische Kapital kommt vom Berliner Fonds Tenet. Tenet ist ein im Februar 2026 gegründeter Fonds, der sich auf Roll-ups spezialisiert hat. Dabei sollen die jungen Unternehmen weitere kleine Firmen kaufen – darunter auch kleine Steuerberatungshäuser. So ist die Finanzierungsrunde von Taxforce der erste Deal des Teams rund um Tenet mit speziellem Mittelstandsfokus.
„Mit dem Kapital wollen wir nun zuerst unser Team vergrößern. Wir planen, noch einen Steuerberater sowie einige Steuerfachangestellte einzustellen. Für Taxforce Services wollen wir wiederum noch einige Tech-Experten an Bord holen“, sagte der Taxforce-Co-Founder und CEO Caspar Gerleve auf Anfrage von JUVE Steuermarkt.
Ärzte und medizinische Einrichtungen im Fokus
Taxforce positioniert sich als spezialisierte KI-gestützte Kanzlei für Arztpraxen und medizinische Einrichtungen. Das Start-up greift dabei auf KI-Tools gängiger Softwareschmieden zurück. „Wir wollen einfach Zeit schaffen, damit auch die Steuerfachangestellten wieder proaktiv mit den Beratern zusammenarbeiten können“, sagte Gerleve. Erste Mandatsanfragen und Mandanten hat Taxforce bereits.
Die Gründer zeigen sich selbstbewusst: „Die Gewinner in diesem Markt werden diejenigen sein, die bessere Technologie in besseren Service übersetzen. Genau das bauen wir“, sagt Caspar Gerleve. Das Start-up will seinen Mandanten zum Beispiel automatisierte Erstattungsanträge für Arbeitgeberaufwendungen bei Krankheit oder auch Echtzeit-Dashboards vorhandener Steuerverbindlichkeiten zur proaktiven Beratung liefern.
Effizienz durch Technologie
„Was uns dabei von etablierten Playern am Markt unterscheidet, ist, dass wir als Start-up von Anfang an Prozesse und Technologie wie aus einem Guss aufeinander abstimmen können. So können wir auch intern einen höheren Automatisierungsgrad erreichen“, sagte Gerleve. Einen gewissen Grad an Digitalisierung muss der Mandant aber mitbringen. „Wir machen nichts mehr mit Papier.“
Taxforce spricht von einer 70-prozentigen Effizienzsteigerung bei Routinetätigkeiten durch KI-Automatisierung. Um auf diese Zahl zu kommen, hat das Gründerteam vor Markteintritt umfangreiche Studien durchgeführt: Marquardt hat Steuerprozesse innerhalb des medizinischen Bereichs aufgeschlüsselt, um Automatisierungspotenziale und gezielte KI-Nutzung entsprechend zu erkennen. „Weitere Potenziale sehen wir in unserem Daily Business“, ergänzt Gerleve.
Fremdbesitzverbot in aller Munde
Das Kapital von Tenet eröffnet Taxforce Chancen bei technologischen Innovationen, dem schnellen Aufbau skalierbarer digitaler Services und der Professionalisierung interner Steuerprozesse. Gleichzeitig ist die Frage von Eigenkapital und Fremdbesitz im Steuermarkt gerade heiß umkämpft.
So setzt sich die Bundessteuerberaterkammer für ein weitgehendes Fremdbesitzverbot ein und möchte Investoren den Zugang zum Markt verwehren. Das Hauptargument: Steuerberater können nur dann unabhängig agieren, wenn externe Investoren keinen dominierenden Einfluss auf die Mandatsarbeit haben.
Start-ups wie Taxforce setzen neue Impulse und schaffen Fakten in einem regulierten Markt. Ob und wie der Gesetzgeber Eigenkapital im Steuermarkt reguliert, wird die Zukunft zeigen. Taxforce zeigt, dass das Interesse sowohl Fonds- als auch marktseitig da ist.