Juve Plus KI in der Steuerberatung

Wenn Effizienz zum Problem wird

KI steigert die Produktivität in der Steuerberatung, aber nicht zwingend den Ertrag. Eine aktuelle Studie zu den Geschäfts- und Honorarmodellen zeigt, dass häufig nicht die Technologie das größte Risiko birgt, sondern die Preislogik der Beratungshäuser.

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Auf den ersten Blick wirkt die Lage stabil: Laut einer Studie von format C: consulting rechnen mehr als 85 Prozent der befragten Kanzleien ihre Leistungen weiterhin überwiegend oder vollständig auf Basis der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) ab. Doch der Blick täuscht, denn strukturelle Defizite bleiben verdeckt. Dass etwa jede zweite Einheit ohne schriftliche Vergütungsvereinbarung arbeitet, zeigt auch: Häufig fehlt die Grundlage für ein professionelles Honorarmanagement.

Gleichzeitig verändert der Einsatz von KI die ökonomische Logik der Leistungserbringung. Zeitintensive Tätigkeiten werden automatisiert und deutlich beschleunigt. Für ein Geschäftsmodell, das auf Zeitabrechnung basiert, ist das ein Problem. Die Produktivität steigt, doch dieser Fortschritt lässt sich nur begrenzt in höhere Erlöse übersetzen. Die zentrale Frage lautet: Gelingt es, die eigene Leistung in ein tragfähiges Preismodell zu übersetzen.

Besonders deutlich wird der Druck in der Finanzbuchhaltung und Steuerdeklaration. Hier rechnet eine deutliche Mehrheit der befragten Kanzleien mit gravierenden Folgen durch KI. Der Grund liegt auf der Hand: Standardisierte Tätigkeiten werden effizienter, vergleichbarer und damit preissensibler. Gleichzeitig verschiebt sich die Wahrnehmung von Wert: Der Preisdruck bei Standardleistungen steigt, die Zahlungsbereitschaft für Beratung bleibt deutlich stabiler. Die Mandanten zahlen nicht für die eingesetzte Zeit, sondern für Ergebnisse, Einordnung und Sicherheit.

Steuerungsinstrumente fehlen

Viele Kanzleien legen beim Einsatz von KI den Fokus auf Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung. Nur: Effizientere Prozesse stabilisieren kein Geschäftsmodell, dessen Preislogik unter Druck steht. Häufig fehlen grundlegende Steuerungsinstrumente: klare Honorarstrategien, definierte Leistungskataloge oder eine systematische Preismechanik.

Zwar gewinnen wertbasierte Honorare, Projektpreise, Pauschalen und hybride Modelle in der Steuerberatung an Bedeutung. Laut Studie versuchen jedoch viele Kanzleien, diese Ansätze innerhalb der Logik der StBVV zu lösen. Eigene Preismodelle, orientiert an Komplexität, Haftungsrisiko oder Beratungsmehrwert, haben bislang nur wenige Einheiten etabliert.

Manche Kanzleien setzen auf die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsfelder, etwa CFO-as-a-Service oder coachingbasierte Formate. Anders als klassische Pflichtleistungen entstehen diese Umsätze jedoch nicht automatisch. Sie müssen aktiv entwickelt und im Markt positioniert werden. Damit verändert sich auch das Selbstverständnis der Kanzleien: vom passiven Auftragsempfänger zum aktiven Anbieter von Beratungsleistungen.

Die Studie macht deutlich: Der technologische Wandel in der Steuerberatung hat längst begonnen, ökonomisch ist er vielerorts noch nicht vollzogen. Der Engpass liegt dabei nicht in der Technologie, sondern im Pricing. Oder anders: Nicht die Automatisierung setzt die Branche unter Druck, sondern die fehlende Anpassung der Honorarmodelle.

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