Hintergrund Kennzahlen 2025

Mittelstandskanzleien: dhpg vorn, Ecovis KSO mit größter Dynamik

Elf MDP-Kanzleien und Mittelstandsberater im Kennzahlen-Check von JUVE Steuermarkt: Über den Fünfjahreszeitraum 2021 bis 2025 haben sich die Kräfteverhältnisse im Feld der größten Gesellschaften nach den Next Six spürbar verschoben – getrieben von Übernahmen, Netzwerkwechseln und unterschiedlichen Wachstumsstrategien.

von Jörn Poppelbaum

Der Blick auf den Steuerumsatz 2025 zeigt: dhpg hat sich mit 85,5 Millionen Euro unangefochten an die Spitze des Vergleichsfelds gesetzt – weit vor Dornbach und PKF Wulf & Partner, die jeweils rund 51 Millionen Euro Einnahmen in der Steuer- und Steuerrechtsberatung verbuchten. Noch 2021 lag dhpg mit knapp 33 Millionen Euro nur knapp vor Dornbach. Seither hat sich ihr Steuerumsatz um 161 Prozent mehr als verdoppelt.

Das Wachstum ist dabei ganz überwiegend anorganisch getrieben: Zunächst übernahm dhpg 2023 sechs Büros der ehemaligen RSM-Gruppe, Anfang 2025 folgte die Integration der Bremer Nordwest Revision mit rund 300 Mitarbeitenden. Parallel eröffnete dhpg ein Büro in München und wechselte vom Nexia-Netzwerk zu CLA Global. Insgesamt ist die Gesellschaft inzwischen an 19 Standorten mit mehr als 900 Mitarbeitenden präsent.

Bemerkenswert: Trotz des enormen Personalaufbaus – die Steuerbelegschaft wuchs in fünf Jahren von 235 auf 504 Full Time Equivalents (FTE) – verbesserte sich der Umsatz pro Mitarbeiter Steuern von 140.000 auf 170.000 Euro. Das Wachstum 2025 fiel mit 8 Prozent allerdings deutlich moderater aus als in den Vorjahren (2024: +58 Prozent, 2023: +48 Prozent). Die Integration dürfte nun im Vordergrund stehen.

Ecovis KSO: Der stärkste relative Aufsteiger

Keine Gesellschaft im Vergleichsfeld ist relativ stärker gewachsen als Ecovis KSO. Der Gesamtumsatz der aus Nordrhein-Westfalen stammenden Gruppe, die unter dem Dach von Ecovis firmiert, hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdreifacht. Er stieg von 16 Millionen auf 53 Millionen Euro seit 2021. In der Zeit kletterte Ecovis KSO im Ranking der größten steuerlichen Mittelstandsberater von Rang 9 auf Rang 5.

Das Geschäftsmodell bleibt dabei fast ausschließlich auf Steuern fokussiert: Die Steuerquote liegt 2025 bei 90,3 Prozent. Ecovis KSO zeigt damit, dass sich hohes Wachstumstempo und Produktivität nicht ausschließen müssen – zumindest solange die Nachfrage nach Steuerberatung im Mittelstand ungebrochen ist.

PKF Wulf & Partner: Steuerfokus mit Umbauprozess

Ebenfalls extrem steuerzentriert operiert PKF Wulf & Partner mit einer Steuerquote von 91,3 Prozent – dem höchsten Wert im Feld. Der Steuerumsatz stieg 2025 um 17 Prozent auf 51,1 Millionen Euro, im Fünfjahresvergleich fast eine Verdopplung (+94 Prozent). Das Wachstum basiert auf einer konsequenten Akquisitionsstrategie: Die Stuttgarter Gruppe übernahm in den vergangenen Jahren mehrere kleinere Kanzleien mit Compliance- und Deklarationsschwerpunkt und baute parallel Spezialberatung in Nachfolge und internationalem Steuerrecht auf.

Allerdings zeigt sich 2025 auch Reibung: Im Zuge der Fusion zu einer einheitlichen Gesellschaft verließen drei Einheiten die Gruppe, darunter das Rottweiler Büro von Holger Wandel mit rund 25 Mitarbeitenden. PKF Wulf betont, dies habe keine Auswirkungen auf die operative Leistungsfähigkeit. Die Partnerzahl sank von 29 auf 25, was den Steuerumsatz pro Partner auf 2,044 Millionen Euro trieb – einer der Spitzenwerte im Feld.

Dornbach: Stagnation nach Jahren des Wachstums

Bei Dornbach sieht es dagegen anders aus: Der Gesamtumsatz stagniert 2025 bei 93,0 Millionen Euro, der Steuerumsatz sank gegenüber 2024 sogar um 5 Prozent auf 51,4 Millionen Euro. Damit ist Dornbach die einzige Gesellschaft im Vergleichsfeld mit einem Minus in der Steuerberatung – und das nach Jahren des zweistelligen Wachstums (2022: +14 Prozent, 2023: +32 Prozent).

Eine Erklärung: Zum Jahresbeginn 2025 trennte sich Dornbach von der Hamburger Einheit Alpers Wessel, die mit 80 Mitarbeitenden seitdem wieder eigenständig agiert. Zugleich sank die Partnerzahl bei Dornbach von 53 auf 50, die Berufsträgerzahl von 138 auf 131. Strategisch setzt Dornbach mit einer neuen Rechtsanwaltsgesellschaft für Steuerstrafrecht auf Nischenausbau, doch die Wachstumsdynamik scheint vorerst gebrochen.

Bansbach und Sonntag: Unterschiedliche Produktivitätspfade

Bansbach verzeichnete 2025 mit einem Gesamtumsatzplus von 19 Prozent auf 74,5 Millionen Euro das stärkste Wachstum unter den etablierten Gesellschaften. Der Steuerumsatz legte um 12 Prozent auf 45,9 Millionen Euro zu. Die Stuttgarter MDP-Kanzlei setzt seit Jahren auf anorganisches Wachstum – von der Übernahme der Münchner O&R-Gruppe 2021 über ein elfköpfiges BDO-Team in Freiburg bis hin zu Verstärkungen am Bodensee. Die Partnerproduktivität liegt mit 2,551 Millionen Euro Steuerumsatz pro Equity-Partner auf dem höchsten Wert im gesamten Vergleichsfeld.

Sonntag & Partner wiederum hat sein Geschäftsprofil am stärksten verschoben: Die Steuerquote stieg von 36,3 Prozent (2021) auf 49,0 Prozent (2025), der Steuerumsatz hat sich mit 30,2 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

PKF Fasselt: Wiederaufbau mit Strukturbrüchen

PKF Fasselt zeigt die volatilste Entwicklung im Feld. Der Hintergrund: 2020 verlor die Gesellschaft fast 100 Mitarbeitende in Hamburg und Rostock an Grant Thornton, baute anschließend konsequent wieder auf – durch Rückkehrer, Übernahmen in Braunschweig, Rostock und Frankfurt sowie gezielte Partnerzugänge. Der Steuerumsatz wuchs 2025 um 12 Prozent auf 49,0 Millionen Euro, die Berufsträger-Produktivität erreichte mit 801.000 Euro den höchsten Wert im Vergleich. Allerdings ist dieser Wert mit Vorsicht zu genießen: Die Berufsträgerzahl sank 2024 sprunghaft von 101 auf rund 62 FTE, was auf veränderte Zählweisen hindeutet.

Nexia: Neustart unter anderer Flagge

Nexia befindet sich im Umbruch. Nachdem sowohl Ebner Stolz als auch dhpg das Netzwerk verlassen hatten, schlossen sich elf ehemalige RSM-Standorte im Oktober 2023 unter dem Dach einer neuen Nexia GmbH zusammen. Der Gesamtumsatz stabilisierte sich 2025 bei 68,4 Millionen Euro (+2 Prozent), der Steuerumsatz wuchs moderat auf 38,0 Millionen Euro (+4 Prozent). Mit der Übernahme der Mannheimer Delta Revision im September 2025 legte Nexia weiter zu, steht aber vor der Aufgabe, die unterschiedlichen Standorte zu integrieren und die Marke aufzubauen.

Ausblick: Konsolidierung trifft auf Produktivitätsdruck

Die Zahlen 2025 zeigen ein Vergleichsfeld im Umbruch. Die großen Wachstumssprünge durch Übernahmen – vor allem bei dhpg, Bansbach und Ecovis KSO – dürften sich nicht im gleichen Tempo fortsetzen. Stattdessen rückt die Integration in den Vordergrund. Der Produktivitätsvergleich offenbart dabei erhebliche Unterschiede: Der Sprung zwischen dem Spitzenwert von Sonntag & Partner (242.000 Euro pro Mitarbeiter) und dem Schlusslicht Möhrle Happ Luther (89.000 Euro) entspricht fast dem Faktor drei. Letztere investiert zwar gezielt in Zoll, Verrechnungspreise und den Berliner Standort, wächst aber bislang vor allem über Volumen, nicht über Produktivität.

Klar ist: Der Konsolidierungsdruck im Mittelstandssegment bleibt hoch. Der demografische Wandel liefert weiterhin Übernahmeziele, und die Netzwerkverschiebungen – RSM zu Ebner Stolz, Nexia im Neuaufbau, CLA Global mit dhpg – sortieren den Markt neu.

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