Was lange währt

Tax Law Clinics starten im September

Mit der Änderung des Steuerberatungsgesetzes haben Bundestag und Bundesrat im Juni die rechtlichen Grundlagen für Tax Law Clinics in Deutschland geschaffen. Ab 1. September 2026 dürfen Studierende unter fachlicher Anleitung unentgeltlich steuerrechtliche Beratung anbieten. An der Leibniz Universität Hannover und anderen Hochschulen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

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Bereits 2015 entstand an der Leibniz Universität Hannover die Idee für eine Tax Law Clinic.

Groß war der Jubel, als die Tax Law Clinics endlich grünes Licht erhielten. Der Dachverband Law Clinics Deutschland e.V. schrieb in den sozialen Medien: „Nach fast 20 Jahren ist es endlich so weit: Der Weg für eine Beratung von Law Clinics im Steuerrecht ist frei!“ Einen augenzwinkernden Hinweis konnte sich der Verband dabei nicht verkneifen: „Einige der Gründer:innen haben so lange gewartet, dass sie zwischenzeitlich schon Steuerberater sind. Großen Respekt für Eure Geduld und Hartnäckigkeit.“

Jacques Blum

Nach jahrelangen Diskussionen markiert die Reform einen wichtigen Meilenstein für die steuerrechtliche Ausbildung in Deutschland. Tax Law Clinics ermöglichen es Studierenden, unter fachlicher Anleitung praktische Erfahrungen in der steuerrechtlichen Beratung zu sammeln. Was in anderen Rechtsgebieten längst zur Praxisausbildung gehört, scheiterte im Steuerrecht bislang an den Grenzen des Steuerberatungsgesetzes.

Mit dem Neunten Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes hat der Gesetzgeber diese Hürde nun beseitigt. Der Beginn der steuerrechtlichen Beratung von Studierenden steht damit unmittelbar bevor: „Die Vorbereitungen für die Tax Law Clinic befinden sich in der letzten Phase. Wir sind bereit, nach langem Warten am 1. September endlich zu starten“, sagt Jacques Blum, Student der Rechtswissenschaften an der Leibniz Universität Hannover, der sich seit mehreren Jahren für die Tax Law Clinic engagiert.

Interesse abseits des Pflichtstoffs

Die Legalisierung der Tax Law Clinic eröffnet Studierenden während des Studiums die Möglichkeit, praktische Erfahrungen im Steuerrecht zu sammeln. Doch an wen richtet sich das Angebot? Was sollten Interessierte für eine Mitarbeit mitbringen? Für Blum steht vor allem eines im Vordergrund: das Interesse, sich auf das Steuerrecht einzulassen, und die Bereitschaft, etwas Neues zu lernen, abseits des Pflichtstoffs des Jurastudiums. „Alles Weitere wollen wir den Studierenden vermitteln, es werden keine Vorkenntnisse verlangt“, betont Blum.

Laut Steuerberatungsgesetz müssen die Studierenden durch eine zur Steuerberatung befugte Person angeleitet werden. Das Gesetz definiert die Anleitung als Einweisung und Fortbildung. „Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, vermitteln wir den Studierenden durch einen mehrtägigen Crashkurs erste Grundkenntnisse im Einkommensteuerrecht sowie im steuerlichen Verfahrens- und Berufsrecht. Die Vermittlung des Inhalts erfolgt auch durch eine praktische Anwendung im Rahmen einer Fallsimulation“, sagt Blum. 

Wie später der konkrete Alltag der Tax Law Clinic ablaufen wird, sei derzeit noch nicht ganz absehbar. „Insbesondere die Frage, wie hoch das Interesse sein wird: sowohl die Nachfrage nach Beratung als auch das Interesse der Studierenden bei der Mitwirkung als studentische Beratende“, so Blum. Der Vorteil der Tax Law Clinic: Hier wird steuerrechtliches Wissen nicht nur vermittelt, sondern direkt angewendet. Dies bietet die Chance, junge Menschen frühzeitig für eine Tätigkeit in der Steuerberatung zu begeistern. „Das ist die beste Gelegenheit, um für sich herauszufinden, ob hier eine spätere Tätigkeit infrage kommt. Zudem werden, so unsere Hoffnung, viele Studierende auf den Bereich Steuern aufmerksam, den sie womöglich sonst nie für sich entdeckt hätten“, ergänzt Blum.

Langer Atem zahlt sich aus

Thomas Keß

Künftig können Tax Law Clinics dazu beitragen, die Lücke zwischen Ausbildung und Praxis im Steuerrecht zu schließen. Dies ist vor allem dem jahrelangen Einsatz der Leibniz Universität Hannover und dem Verein zur Förderung der Steuerrechtswissenschaft (VFS) zu verdanken. Hinter dem Verein stehen der Vorstand sowie weitere Mitglieder, darunter Dr. Thomas Keß, Richter am Niedersächsischen Finanzgericht in Hannover und Dozent für Steuerrecht an der Juristischen Fakultät Hannover, der auch zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zählt.

Bereits 2015 entstand hier die Idee für eine Tax Law Clinic. Der VFS wollte es Studierenden von Beginn an ermöglichen, unter fachlicher Aufsicht kostenlos Beratung in Steuersachen anzubieten. Das Vorhaben scheiterte jedoch über die Jahre mehrfach vor Gericht. Und zuletzt auch an Differenzen innerhalb der Regierung bei der Öffnung der Steuerberatung für Finanzinvestoren, was die notwendige Änderung des Steuerberatungsgesetzes verzögerte.

Nach mehreren Anläufen wurde das Ziel nun erreicht. „Es stecken sehr viele Jahre harte Arbeit hinter dem Projekt, immer wieder verbunden mit einigen sehr frustrierenden Rückschlägen“, resümiert Blum. Und ergänzt: „Ein derart tolles Projekt, das in allen Parteien Unterstützung fand, hätte nach unserer Erwartung sehr viel schneller und problemloser den Gesetzgebungsprozess durchlaufen können.“

Gründung weiterer Vereine geplant

Umso höher ist nun die Motivation, endlich loslegen zu können. Längst stößt die Idee der Tax Law Clinic auch an anderen Hochschulen auf Interesse. In Köln und Mannheim wurden bereits entsprechende Vereine gegründet. Auch dort läuft der Aufbau des neuen Angebots. Unlängst warb die Tax Law Clinic Mannheim über LinkedIn um Studierende, die das Projekt von Anfang an mitgestalten wollen. Und es geht weiter: „Auch an vielen anderen Universitäten gibt es Pläne, studentische Steuerberatungen zu starten – in Augsburg, Hamburg, Heidelberg, Leipzig und Münster. Wir planen bereits jetzt die Vernetzung aller künftigen Tax Law Clinics, um unsere Erfahrungen auszutauschen“, sagt Blum.

An der Leibniz Universität in Hannover ist die Tax Law Clinic gemeinsam mit dem Institut für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre von Prof. Dr. Kay Blaufus als interdisziplinäres Projekt aufgesetzt. Das Interesse aus der Praxis sei groß, berichtet Blum: „Kanzleien, Unternehmen, aber auch die Finanzverwaltung erhalten hier eine gute Gelegenheit, mit Studierenden in Kontakt zu kommen, für sich und für das Steuerrecht zu werben und den Nachwuchs zu fördern.“

Entsprechend riesig ist die Vorfreude. Am 31. August veranstaltet der VFS Hannover eine Party zur Legalisierung der Tax Law Clinic. „Dass es jetzt endlich geklappt hat, muss gefeiert werden. Wir lassen es ordentlich krachen. Und freuen uns auf zahlreiche Gäste aus ganz Deutschland, die an diesem Abend mit uns feiern“, betont Blum.

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